Abel vor Mammutaufgaben: Berkshire Hathaways Zukunft nach Buffett

Abel vor Mammutaufgaben: Berkshire Hathaways Zukunft nach Buffett

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Warren Buffett hat nach sechs Jahrzehnten die Führung von Berkshire Hathaway an Greg Abel übergeben, der das Ruder am 1. Januar 2026 übernahm. Abel steht nun vor der Mammutaufgabe, das riesige Barvermögen intelligent zu verwalten, seine operativen Pflichten mit strategischen Investitionsentscheidungen zu vereinen und die einzigartige Unternehmenskultur des Konglomerats zu bewahren. Investoren beobachten genau, wie der neue CEO das Erbe des "Orakels von Omaha" fortführen wird.

Die Herausforderung der Kapitalallokation

Abels größte Hürde ist die intelligente Allokation von Berkshires riesigem und wachsendem Barvermögen. Dieses umfasste zuletzt 382 Milliarden US-Dollar an Barmitteln, Schatzwechseln und anderen liquiden Vermögenswerten, ein Betrag, der die Marktkapitalisierungen von Home Depot, Procter & Gamble und General Electric übersteigt. Alex Morris, Autor von "Buffett and Munger Unscripted", bezeichnet dies als Abels größte Herausforderung.

Mögliche Wege zur Kapitalverwendung sind Aktienrückkäufe, die Akquisition anderer Unternehmen oder die Ausschüttung von Dividenden an die Aktionäre. Unter Buffett wurden diese Optionen in den letzten Jahren jedoch selten genutzt: Berkshire hat in den letzten fünf berichteten Quartalen keine Aktien zurückgekauft, nur einmal (1967) eine Dividende gezahlt und in den letzten 15 Jahren wenige wesentliche Akquisitionen getätigt. Morris merkte an, dass Buffett als Geschäftsidee und legendärer Investor von der Wall Street und den Aktionären "mehr Nachsicht" für das Horten von Bargeld erhielt, als Abel wahrscheinlich zuteilwird. Eine einmalige Sonderdividende könnte eine Option sein, um dieses Problem anzugehen. Das Barvermögen generiert bereits jährlich 8,7 Milliarden US-Dollar an Zinserträgen.

Die Doppelrolle: Operator und Investor

Vor seiner Ernennung zum CEO leitete Abel Berkshires Nicht-Versicherungsgeschäfte, darunter Berkshire Hathaway Energy und die BNSF Railway. Er gilt als "Weltklasse-Operator", doch Luke Rahbari, CEO von Equity Armor Investments, betont, dass dies "grundlegend anders" ist als die Identifizierung wertsteigernder Akquisitionen an öffentlichen und privaten Märkten.

Buffett und sein verstorbener Geschäftspartner Charlie Munger konzipierten Berkshire als ein Netzwerk dezentraler, autonomer Tochtergesellschaften, was ihnen die Freiheit gab, einen Großteil ihrer Zeit dem Lesen von Unternehmensberichten und der Suche nach überzeugenden Investitionen zu widmen. David Kass, Finanzprofessor an der University of Maryland, ist der Ansicht, dass Greg Abel "nicht die Zeit dafür haben wird". Abels Terminkalender ist voll mit der Aufsicht über Berkshires Tochtergesellschaften, einschließlich der Versicherer wie Geico, der Verwaltung des rund 300 Milliarden US-Dollar schweren Aktienportfolios und der Durchführung großer Allokationsentscheidungen außerhalb des Unternehmens.

Die Bewahrung der einzigartigen Unternehmenskultur

Buffett und Munger bauten Berkshires Kultur auf Kernwerten wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Geduld, Disziplin und langfristigem Denken auf. Sie delegierten "fast bis zur Abdankung", wie sie in ihrem "Owner's Manual" erklärten. Ende 2024 hatte das Unternehmen fast 400.000 Mitarbeiter, aber nur 27 arbeiteten im Hauptquartier in Omaha.

Abel wird voraussichtlich ein "hands-on"-Manager sein, im Gegensatz zu Buffetts eher zurückhaltendem Stil. Er hat bereits mehrere Führungswechsel angekündigt, darunter die Ernennung des ersten General Counsel von Berkshire, Michael O’Sullivan, und eines neuen Bereichsleiters. Rahbari kommentierte, die Herausforderung werde darin bestehen, "die Kultur zu institutionalisieren und gleichzeitig ein Hauptquartier zu professionalisieren, das historisch bewusst schlank gehalten wurde". Abel muss sich das Vertrauen verdienen, das seinem Vorgänger entgegengebracht wurde, da ihm Buffetts Erfolgsbilanz fehlt. Der "Loyalitätsrabatt", der Buffett gewährt wurde, könnte bei Abel möglicherweise nicht mehr gelten.

Abels Führungsstil und erste Weichenstellungen

Warren Buffett selbst äußerte großes Vertrauen in seinen Nachfolger und sagte: "Ich würde mein Geld lieber von Greg verwalten lassen als von jedem Top-Anlageberater oder CEO in den Vereinigten Staaten." Er bezeichnete Abel als "den härtesten Arbeiter, den ich je gesehen habe". Abels Führungsstil ist geprägt von "akribischer Aufsicht und einem Fokus auf Kapitaleffizienz", was sich mit Berkshires Kernethos deckt, aber einen strukturierteren Unternehmensrahmen einführt.

Im vierten Quartal 2025 wurde eine strategische Portfolio-Neuausrichtung vorgenommen, die als Buffetts "Abschiedsgeschenk" zur Modernisierung des Portfolios interpretiert wird. Berkshire reduzierte seine massive Beteiligung an Apple um über 70 % und initiierte eine neue, bedeutende Position in Alphabet im Wert von rund 4,9 Milliarden US-Dollar. Diese Verschiebung bietet Abel eine diversifiziertere, technologieorientierte Grundlage für sein erstes Jahr als CEO. Im Gegensatz zu Buffetts historischer Zurückhaltung bei Technologieaktien hat Abel bereits frühzeitig in Alphabet und Amazon investiert. Sein Fokus auf Infrastruktur und erneuerbare Energien, basierend auf seiner Erfolgsbilanz bei Berkshire Hathaway Energy, könnte zudem neue Wachstumsfelder erschließen.

Marktstimmung und das "Buffett-Premium"

Die Übergabe der Führung an Greg Abel, der seit 2000 Teil von Berkshire ist, wurde vom Markt mit "professioneller Nüchternheit" aufgenommen. Die "Nachfolge-Abschlag" war bereits im Jahr 2025 in den Aktienkurs eingepreist, als Berkshire-Aktien mit einem Anstieg von 10 % hinter dem S&P 500 zurückblieben, der um etwa 16 % zulegte. Am ersten Handelstag des Jahres 2026 fielen die Class B-Aktien nur marginal um 0,3 % und notierten nahe 502 US-Dollar, was darauf hindeutet, dass die Wall Street den Übergang als eine "lang erwartete Evolution" und nicht als Krise betrachtet.

Trotzdem warnen Analysten vor dem "Buffett Premium" – der Bereitschaft des Marktes, für Buffetts persönliche Weisheit einen Aufschlag zu zahlen. Mit seinem Rücktritt könnte sich die Bewertung des Unternehmens hin zu einem traditionelleren, gewinnorientierten Modell verschieben. Brian Jacobsen, Chef-Wirtschaftsstratege bei Annex Wealth Management, merkte an, dass es "schwer vorstellbar sein wird, dass es die gleiche Kultanhängerschaft geben wird". Warren Buffett selbst ist jedoch zuversichtlich und sagte, Berkshire habe "eine bessere Chance, in 100 Jahren noch zu existieren, als jedes andere Unternehmen, das ich mir vorstellen kann."

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