
ABN Amro: Stellenabbau und CEO-Strategie – Was Manager am Mittagstisch lernen
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die niederländische Bank ABN Amro steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Sie plant, in den kommenden Jahren ein Fünftel ihrer Belegschaft abzubauen. Inmitten dieser Herausforderung setzt CEO Marguerite Bérard auf eine ungewöhnliche Strategie, um die verbleibenden Mitarbeiter zu motivieren und den Übergang zu gestalten: Sie teilt wöchentlich Sandwiches mit kleinen Gruppen von Kollegen, um deren Perspektiven zu verstehen und Konsens zu schaffen.
ABN Amro im Umbruch: Stellenabbau und Führungsstrategie
ABN Amro, ein Finanzinstitut mit einem Wert von 24 Milliarden US-Dollar, hat seit der Finanzkrise, in der die Bank gerettet werden musste, mit Herausforderungen zu kämpfen. Zuletzt lag der Nettogewinn im vierten Quartal 2025 unter den Markterwartungen. Um die Rentabilität zu steigern, kündigte die Bank im November einen Plan an, die Eigenkapitalrendite (ROE) auf mindestens 12 % zu erhöhen und gleichzeitig das Kosten-Ertrags-Verhältnis unter 55 % zu halten.
Diese strategischen Ziele erfordern jedoch einschneidende Maßnahmen, darunter die Reduzierung von 5.200 Mitarbeitern zwischen 2024 und 2028. Bis Ende 2025 wurden bereits 1.500 Stellen abgebaut, wie ABN Amro gegenüber Fortune mitteilte. CEO Marguerite Bérard, die selbst ihre langen französischen Mahlzeiten zugunsten schnellerer Mittagessen am Schreibtisch geopfert hat, betont die Notwendigkeit dieser Anpassungen.
Einmal pro Woche trifft sich die französische Bankerin mit acht bis zehn Kollegen zum Sandwich-Lunch, um deren Ansichten zur Bank während des Übergangs zu hören. Bérard erklärte, dass der Aufbau von Konsens und Koalitionen in den Niederlanden oft wichtig sei, eine Fähigkeit, die Franzosen nicht immer gut beherrschen würden. Sie ist überzeugt, dass die Mitarbeiter die Gründe für die Unternehmensstrategie verstanden haben und dass Entlassungen "sehr verantwortungsvoll" gehandhabt werden, indem die Bank entlassenen Mitarbeitern bei der Jobsuche hilft.
Führungskräfte am Mittagstisch: Ein Trend zur Mitarbeiterbindung
Marguerite Bérard ist nicht die einzige Führungskraft, die informelle Mahlzeiten nutzt, um die Verbindung zu ihren Mitarbeitern zu stärken. Diese Strategie wird von mehreren CEOs milliardenschwerer Unternehmen angewendet, um eine stärkere Unternehmenskultur zu fördern und wertvolles Feedback zu erhalten.
Chris Tomasso, CEO der Frühstücks- und Lunchkette First Watch, legt großen Wert darauf, sich unter seine Mitarbeiter zu mischen. Er isst regelmäßig in der Kantine mit allen zusammen und schreibt Glückwunschbriefe zu Karrierejubiläen. Tomasso erklärte gegenüber Fortune im Jahr 2025, dass er versuche, den CEO-Titel so gut wie möglich zu minimieren, wenn er mit Menschen interagiert, da es wichtig sei, dass sich die Mitarbeiter glücklich und wertgeschätzt fühlen.
Auch Tim Cook, CEO des 3,8 Billionen US-Dollar schweren Tech-Giganten Apple, nimmt sein Mittagessen häufig in der Firmenkantine mit zufälligen Mitarbeitern ein. Dies stellt eine Abkehr von seinem Vorgänger Steve Jobs dar, der oft mit Designchef Jonathan Ive speiste. Bei Duolingo, der 4,5 Milliarden US-Dollar schweren Lernplattform, sind tägliche Team-Mittagessen in der öffentlichen Kantine, an denen auch Mitbegründer und CEO Luis von Ahn teilnehmen, "fundamental für unsere Unternehmenskultur".
Der CTO und Mitbegründer von Duolingo betonte, dass diese informellen Treffen effektiver seien als jede Mitarbeiterbefragung, da die Mitarbeiter offener über die Dinge im Unternehmen sprechen würden. "Das ist, wenn das Echte zum Vorschein kommt", schrieb er vor einem Jahr in einem LinkedIn-Post. Er fügte hinzu: "Das Mittagessen ist eine Gelegenheit für Menschen, die normalerweise nicht zusammenarbeiten, um tatsächlich miteinander zu sprechen. An jedem beliebigen Tag könnten Luis oder ich neben einem neuen Mitarbeiter sitzen, der frisch von der Schule kommt. Oder Menschen aus völlig unterschiedlichen Teams."
Kontroverse um Managergehälter: Der Fall ING
Während ABN Amro mit Stellenabbau und strategischer Neuausrichtung beschäftigt ist, sorgte ein anderes niederländisches Finanzinstitut, die ING Bank, für Schlagzeilen bezüglich der Vergütung ihrer Führungskräfte. Niederländische Gesetzgeber äußerten Empörung über eine Gehaltserhöhung für den damaligen CEO Ralph Hamers.
Die ING Bank, die 2008 mit Steuergeldern in Milliardenhöhe gerettet werden musste – Gelder, die sie inzwischen zurückgezahlt hat – veröffentlichte Details zu Hamers' neuem Gehaltspaket. Dieses sah zusätzlich zu einer Gehaltserhöhung von 2,2 % für 2018 auch Aktien im Wert von 50 % seines Gehalts vor. Die Bank verteidigte die neue Gehaltsstruktur als "vollständig im Einklang mit den Prinzipien des niederländischen Corporate Governance Kodex". Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jesse Klaver, fragte jedoch in einem Tweet: "In welchem Universum leben die Spitzen der ING?" Die Kontroverse unterstreicht die Sensibilität von Managergehältern, insbesondere bei Banken, die in der Vergangenheit staatliche Hilfen in Anspruch nehmen mussten.