
AI revolutioniert Marketing: CMOs vor längst überfälliger Neubewertung
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Die Ära der Künstlichen Intelligenz (AI) zwingt Top-Marketingleiter zu einer längst überfälligen Neubewertung ihrer Rolle. Diese Technologie entlarvt bestehende Ineffizienzen und fordert eine Neudefinition von Aufgaben und Strategien, um im digitalen Marketing von 2026 erfolgreich zu sein.
Die Neudefinition der CMO-Rolle
Die Rolle des Chief Marketing Officers (CMO) war über Jahre hinweg inkonsistent definiert, was sie angreifbar und leicht zu kürzen machte. Teresa Barreira, CMO von Publicis Sapient, dem Technologiearm des Werbeunternehmens, betont, dass man in zehn verschiedenen Unternehmen zehn unterschiedliche Vorstellungen davon findet, was ein CMO tun soll – sei es Marke, Nachfrage oder Kommunikation. Diese Inkonsistenz hat dazu geführt, dass viele CMOs das "Geschäft des Marketings" betrieben haben, was eher die Aufgabe eines VP of Marketing ist: Kampagnen, Kanalmanagement, Kommunikation und Engagement.
Die eigentliche Rolle des CMO sollte laut Barreira das "Geschäft des Unternehmens" sein: Vision, die Festlegung der Unternehmensrichtung, wofür das Unternehmen steht und wie es wächst. Es geht darum, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und die Markteinführungsstrategie zu definieren, was sich grundlegend von der Durchführung von Marketingkampagnen unterscheidet.
Künstliche Intelligenz als Spiegel der Marketing-Realität
AI wirkt wie ein Spiegel, der die bereits vorhandenen Strukturen und Verhaltensweisen in Organisationen offenlegt. Sie zwingt zu einer "längst überfälligen Abrechnung", so Barreira. Die unbequeme Wahrheit ist, dass viele CMOs jahrelang Aufgaben wie Koordination, Berichterstattung, Briefings, Genehmigungen und Produktion übernommen haben – Tätigkeiten, die keine strategische Vision erfordern. CEOs fragen sich nun, ob AI diese Aufgaben nicht heute schon erledigen kann.
AI verstärkt bestehende Urteilsvermögen in einer Organisation. Wenn AI in bestehende, fehlerhafte Arbeitsabläufe integriert wird, verstärkt sie schlechtes Verhalten und erhöht die Ineffizienz, selbst wenn die Prozesse schneller ablaufen.
AI in der Praxis: Publicis Sapients Ansatz
Bei Publicis Sapient wurde das Team zunächst ermutigt, AI zu nutzen und zu experimentieren. Nach sechs Monaten stellte sich jedoch heraus, dass die Mitarbeiter AI zwar als "Co-Pilot" nutzten, ihre Arbeitsweisen aber nicht grundlegend änderten. Das Ziel war Autonomie, doch ein selbst entwickelter autonomer Kampagnenagent lieferte zunächst keine gute Qualität.
Daraufhin verfolgte Publicis Sapient einen "First Principles"-Ansatz. Sie kartierten über 700 tägliche Aufgaben ihrer gesamten Marketingorganisation. Die Erkenntnis: 80% bis 90% dieser Aufgaben können durch AI beschleunigt oder erledigt werden, und etwa 40% können von AI-Agenten End-to-End ausgeführt werden. Ein Beispiel ist die Reduzierung der Schritte für die Markteinführung einer Kampagne von 50 manuellen Übergaben auf 11 Schritte durch AI-Orchestrierung. Dies ermöglicht eine schnellere Markteinführung, erhöht das Volumen und senkt die Kosten.
Die Zukunft des Digital Marketings: Mensch und Maschine im Einklang
Die entscheidende Frage ist, was mit den durch AI eingesparten Ressourcen und der gewonnenen Zeit geschieht. Publicis Sapient hat jede Funktion neu definiert und neue Stellenbeschreibungen erstellt, die sich auf die 20% der wertvollsten Aufgaben konzentrieren, die nur Menschen erledigen können.
Das digitale Marketing im Jahr 2026 ist intelligenter, datengesteuerter und kundenorientierter als je zuvor. AI, Automatisierung und Analysen sind tief in jeden Marketingbereich integriert und verändern die Kundenansprache grundlegend. Gartner-Analysten stellen fest, dass sich die neuesten Marketingtrends auf AI-gestützte Personalisierung, die Dominanz von Kurzvideos, den Aufstieg des Social Commerce und den Fokus auf authentische, menschenzentrierte Inhalte konzentrieren. AI automatisiert nicht nur Routineaufgaben, sondern liefert auch Entscheidungseinblicke, wodurch Marketingteams agiler werden und Mensch-AI-Hybridrollen entstehen.
Neue Kompetenzen für die AI-Ära
Um in dieser Landschaft erfolgreich zu sein, müssen Marketingexperten neue Strategien anwenden und ihre Fähigkeiten kontinuierlich aktualisieren. Entscheidungen werden zunehmend durch Echtzeit-Datenpipelines, maschinelle Lernalgorithmen und Performance-Intelligenz getroffen, nicht mehr durch Vermutungen.
Wenn AI viele Aufgaben übernehmen kann, sind von Menschen vor allem weiche Fähigkeiten gefragt: Urteilsvermögen, Intuition, Plastizität, Mustererkennung und die Fähigkeit, im Abstrakten zu leben. Teresa Barreira merkt an, dass AI nicht so mutig sein wird wie Menschen. Die wirkungsvollsten Entscheidungen in ihrer Karriere basierten oft auf Intuition und dem Mut, gegen den Strom zu schwimmen – etwas, wozu AI nicht raten würde. Der Aufbau direkter Kundenbeziehungen durch E-Mail, Treueprogramme und Community-Plattformen wird angesichts strengerer Datenschutzbestimmungen und der Abkehr von Drittanbieter-Cookies ebenfalls unerlässlich.