
Air Canada CEO tritt nach Sprachkontroverse zurück: Finanzielle Erfolge überschattet
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Michael Rousseau, CEO von Air Canada, wird sein Amt bis Ende 2026 niederlegen. Sein Rücktritt erfolgt nach einer weitreichenden Sprachkontroverse, die durch eine fast ausschließlich englische Botschaft nach einem Flugzeugabsturz ausgelöst wurde und in Kanada, insbesondere in Quebec, für Empörung sorgte. Dies geschieht, obwohl Air Canada unter seiner Führung eine bemerkenswerte finanzielle Erholung und starke Gewinne verzeichnete.
Sprachkontroverse nach Flugzeugabsturz
Die jüngste Kontroverse entzündete sich im März nach einem Flugzeugabsturz in New York, bei dem ein Regionalflugzeug von Air Canada und ein Feuerwehrauto kollidierten und zwei Piloten ums Leben kamen. Michael Rousseau veröffentlichte daraufhin ein Video, in dem er seine Beileidsbekundungen fast vollständig auf Englisch übermittelte, lediglich mit einem "bonjour" beginnend und einem "merci" endend, während der Inhalt mit französischen Untertiteln versehen war.
Dieser Vorfall wurde in Kanada als erheblicher kultureller und politischer Fehltritt wahrgenommen. Einer der verstorbenen Piloten, Antoine Forest, stammte aus Quebec, wo Air Canada seinen Hauptsitz hat und Französisch die Muttersprache von etwa 80 % der Bevölkerung ist. Der andere Pilot, Mackenzie Gunter, kam aus Ontario, wo Französisch ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.
Die Bedeutung der Sprache in Kanada
Die französische Sprache ist für die Identität der Menschen in Quebec von zentraler Bedeutung, geprägt durch langjährige Spannungen mit dem englischsprachigen Kanada seit der britischen Kolonialisierung. Englisch und Französisch sind die beiden Amtssprachen Kanadas, und Unternehmen wie Air Canada sind durch den Official Languages Act an die Kommunikation in beiden Sprachen gebunden.
Kanadas Premierminister nannte Rousseaus Video "einen Mangel an Mitgefühl", während Quebecs Premierminister François Legault dessen Rücktritt forderte. Hunderte Beschwerden von empörten Bürgern gingen ein. Rousseau wurde daraufhin in die kanadische Hauptstadt Ottawa zitiert, wo er sich für seine Sprachwahl entschuldigte und einräumte, seine mangelnde Französischkenntnis habe "die Aufmerksamkeit von den Opfern abgelenkt".
Rousseaus wiederkehrende Sprachprobleme
Die Kritik an Michael Rousseau bezüglich seiner Französischkenntnisse ist nicht neu und reicht bis zu seinem Amtsantritt als CEO im Jahr 2021 zurück. Schon damals sah er sich mit Vorwürfen konfrontiert, nicht fließend Französisch zu sprechen, was für ein Unternehmen wie Air Canada, das dem Official Languages Act unterliegt, ein großes Problem darstellt.
Im Jahr 2022 entschuldigte sich Rousseau bereits für eine Geschäftsrede, die er auf Englisch gehalten hatte. Er erklärte damals: "Ich gebe zu, dass ich einen Fehler gemacht habe, indem ich kein Französisch gelernt habe, als ich zu Air Canada kam, und ich korrigiere diesen Fehler jetzt." Das jüngste Video zeigte jedoch, dass er diesem Versprechen nicht nachgekommen war.
Finanzielle Erfolge und geplanter Rücktritt
Rousseaus Abgang, der offiziell als Ruhestand bis Ende 2026 deklariert ist, erfolgt nach fast zwei Jahrzehnten bei Air Canada. Das Unternehmen hatte ohnehin bereits seit zwei Jahren an einem Nachfolgeplan gearbeitet. Er übernahm die CEO-Position während der Pandemie und hatte die Aufgabe, die Fluggesellschaft nach dem Einbruch der Reisenachfrage und Milliardenverlusten wieder auf Kurs zu bringen.
Unter seiner Führung hat Air Canada seine finanzielle Stabilität wiedererlangt und zwischen 2023 und 2025 starke Gewinne gemeldet, da der internationale Reiseverkehr wieder anzog und die Nachfrage nach Premium-Angeboten stark anstieg. Für 2026 prognostiziert das Unternehmen einen Gewinn von über 3 Milliarden Kanadischen Dollar. Während seiner Amtszeit erweiterte Air Canada zudem mehrere internationale Routen, bestätigte 2022 eine Bestellung für neue Airbus A321XLRs und kündigte eine neue Business Class im Suite-Stil an, die noch in diesem Jahr debütieren soll.