Air Canada streicht US-Flüge: Kerosinpreise explodieren durch Iran-Konflikt

Air Canada streicht US-Flüge: Kerosinpreise explodieren durch Iran-Konflikt

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Air Canada hat angekündigt, ausgewählte Flüge in die USA auszusetzen, da die Kerosinpreise infolge des Iran-Konflikts weiterhin stark ansteigen. Diese Maßnahmen, die im Sommer in Kraft treten und mindestens fünf Monate andauern sollen, betreffen wichtige Verbindungen und spiegeln einen branchenweiten Druck auf die Rentabilität wider. Betroffene Passagiere werden direkt kontaktiert und erhalten alternative Reisemöglichkeiten.

Air Canada streicht US-Flüge wegen explodierender Treibstoffpreise

Die kanadische Fluggesellschaft Air Canada hat am Freitag bekannt gegeben, dass sie aufgrund der stark gestiegenen Kerosinpreise bestimmte Flüge in die USA einstellen wird. Diese Entscheidung betrifft ab dem Sommer alle Verbindungen zum John F. Kennedy International Airport (JFK) in New York City und zum Salt Lake City International Airport (SLC) in Utah.

Die Einstellung des Dienstes zum JFK Airport von Montreal und Toronto ist vom 1. Juni bis zum 25. Oktober 2026 geplant. Flüge nach Salt Lake City, die normalerweise nur von Toronto Pearson (YYZ) aus bedient werden, werden ab dem 30. Juni ausgesetzt, wobei eine Wiederaufnahme des Dienstes für 2027 erwartet wird.

Air Canada erklärte in einer Stellungnahme, dass das Unternehmen sein Netzwerk regelmäßig überprüfe, um sicherzustellen, dass die Routen die Rentabilitätsziele erreichen. Die Kerosinpreise hätten sich seit Beginn des Iran-Konflikts verdoppelt, was einige weniger profitable Routen und Flüge unwirtschaftlich mache. Dies führe zu Flugplananpassungen, einschließlich einiger Frequenzreduzierungen.

Weitere Anpassungen im Streckennetz

Neben den US-Verbindungen sind auch zwei Inlandsrouten und eine internationale Verbindung von den Anpassungen betroffen. Die Flüge zwischen Vancouver und Fort McMurray werden am 28. Mai eingestellt, während der Dienst zwischen Toronto und Yellowknife am 30. August unterbrochen wird. Für Fort McMurray und Yellowknife, die als Märkte mit geringerem Volumen gelten, wurde kein Wiederaufnahmedatum genannt.

Zudem wurde der geplante Dienst zwischen Montreal und Guadalajara, Mexiko, auf unbestimmte Zeit verschoben. Air Canada betonte, dass diese Änderungen nur einen kleinen Teil ihrer globalen Operationen ausmachen und etwa 1 % ihrer gesamten jährlichen Flugkapazität für 2026 betreffen.

Die Entscheidung, den JFK-Dienst auszusetzen, könnte eine Konsolidierungsstrategie widerspiegeln, da die Routen zu den nahegelegenen Flughäfen Newark (EWR) und LaGuardia (LGA) unberührt bleiben. Air Canada operiert von diesen beiden Flughäfen aus stärker als vom JFK, mit etwa 34 täglichen Abflügen aus ganz Kanada.

Branchenweite Auswirkungen und steigende Betriebskosten

Der Anstieg der Kerosinpreise ist ein branchenweites Phänomen. Laut Airlines for America stiegen die Kerosinpreise am Freitag auf 3,79 US-Dollar pro Gallone, was einem Anstieg von mehr als 50 % seit dem Tag vor Ausbruch des Iran-Konflikts am 27. Februar entspricht. Argus Media berichtete, dass der Durchschnittspreis für Kerosin am Donnerstag 4,32 US-Dollar pro Gallone erreichte, verglichen mit 2,50 US-Dollar vor dem Konflikt.

Kerosin macht typischerweise etwa 25 % bis 30 % der Gesamtkosten einer Fluggesellschaft aus, so Branchenanalysten und die International Air Transport Association (IATA). Stephen Rooney, leitender Ökonom bei Tourism Economics, betonte, dass Kerosin ein enormer Kostenfaktor für Fluggesellschaften sei, insbesondere bei Langstreckenflügen.

Mehrere US-Fluggesellschaften haben ebenfalls neue Kostensenkungsmaßnahmen ergriffen, um die steigenden Kerosinpreise auszugleichen. JetBlue, Southwest, American und United Airlines haben die Gebühren für aufgegebenes Gepäck erhöht. Air Canada selbst hat diese Woche ebenfalls höhere Gepäckgebühren angekündigt, beispielsweise von 35 auf 45 US-Dollar für das erste aufgegebene Gepäckstück in der Basic Economy Class auf Inlands-, US- und Sonnenziel-Flügen.

Auch Delta Air Lines hat angekündigt, vier Routen im Sommer zu streichen, darunter Verbindungen von JFK nach Memphis und St. Louis. Delta rechnet damit, dass höhere Treibstoffkosten die Betriebsausgaben im zweiten Quartal um rund 2 Milliarden US-Dollar erhöhen werden. Europäische Fluggesellschaften wie KLM Royal Dutch Airlines und Lufthansa haben ebenfalls Flugpläne angepasst und Dienste auf unrentablen Routen reduziert.

Geopolitische Spannungen und Energieversorgung

Der Anstieg der Kerosinpreise ist direkt mit den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und dem Iran-Konflikt verbunden. US-Beschränkungen für iranische Ölexporte sind weiterhin in Kraft, was die globalen Lieferketten und den Flugbetrieb auf unsicherem Terrain hält. Eine kurzzeitige Waffenruhe in der Region hatte die Besorgnis kurzzeitig gemildert und zu einem Rückgang der Ölpreise geführt, doch die Unsicherheit bleibt bestehen.

Fatih Birol, der Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), warnte, dass Europa möglicherweise nur noch Kerosinvorräte für etwa sechs Wochen habe, wenn die Störungen anhalten. Er sprach von der "größten Energiekrise, die wir je in der Geschichte erlebt haben". Normalerweise liefert der Nahe Osten drei Viertel der Nettoimporte an Kerosin nach Europa.

Angesichts dieser Situation haben mehrere kanadische Fluggesellschaften – darunter Air Canada, WestJet, Porter Airlines und Air Transat – Pläne signalisiert, die Tarife zu erhöhen oder Treibstoffzuschläge einzuführen, um die steigenden Kosten auszugleichen. WestJet hat bereits Flüge auf ausgewählten Routen mit geringerer Nachfrage konsolidiert und die Kapazität in den letzten Monaten reduziert.

Was bedeutet das für Reisende?

Air Canada hat zugesichert, dass betroffene Kunden kontaktiert und alternative Reisemöglichkeiten angeboten werden. Um den Status eines Air Canada-Fluges zu überprüfen, können Passagiere die Air Canada Flight Status-Seite, die Air Canada App oder E-Mail-/SMS-Benachrichtigungen nutzen. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit und der branchenweiten Anpassungen ist es ratsam, vor Reiseantritt den Flugstatus zu überprüfen und sich auf mögliche Änderungen einzustellen.