
Akshat Prakash: KI-Startup Camb.ai mit Vater gegründet nach Apple-Ausstieg
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Akshat Prakash, der 27-jährige CTO von Camb.ai, hat eine bemerkenswerte Karriere hingelegt: Vom begehrten Software-Ingenieur bei Apple zum Mitbegründer eines KI-Startups mit seinem Vater. Seine Geschichte beleuchtet die Motivation hinter dem Sprung ins Unternehmertum und die Entwicklung eines innovativen Unternehmens, das Sprachbarrieren überwinden will.
Vom Apple-Traumjob zur Startup-Gründung
Akshat Prakash wurde in einem kleinen Dorf nahe Neu-Delhi in eine Ärztefamilie geboren, in der Bildung einen hohen Stellenwert hatte. Seine Kindheit war von Umzügen geprägt, darunter von Indien nach Irland und zurück, bevor er 2016 für sein Studium in die USA kam. An der Carnegie Mellon University spezialisierte er sich auf Computerwissenschaften mit Nebenfächern in IoT und KI.
Bereits während des Studiums sammelte Prakash praktische Erfahrungen durch bezahlte Praktika bei Maven Machines (2017), Intuit (2018) und Microsoft (2019). Diese Erfahrungen zeigten ihm das hohe Verdienstpotenzial im Technologiesektor. Nach seinem Abschluss Ende 2019 und intensiver Forschung im Bereich Sprache und Übersetzung, landete er im März 2020 seinen Traumjob als Software-Ingenieur im Siri-Team bei Apple. Dort war er Teil des Web Answers Teams und wirkte an einer der ersten ChatGPT-ähnlichen Versionen von Siri mit.
Die Geburtsstunde einer Idee: Sprachbarrieren überwinden
Trotz seines Erfolgs bei Apple hegte Akshat Prakash stets den Wunsch, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Eine prägende Erfahrung in Pittsburgh, bei der er Schwierigkeiten hatte, eine Starbucks-Mitarbeiterin zu verstehen, obwohl beide Englisch sprachen, machte ihm die Nuancen von Sprachbarrieren bewusst. Diese Erkenntnis, kombiniert mit den ähnlichen Herausforderungen, denen sein Vater 30 Jahre zuvor begegnet war, bestärkte ihn in der Idee, ein KI-Unternehmen im Bereich Übersetzung zu gründen.
Er wollte eine Technologie entwickeln, die seine Kernkompetenzen und Leidenschaften vereint und die das Leben durch die Überwindung von Sprachhürden einfacher macht. Die Vision war klar: ein KI-Unternehmen, das sich auf Übersetzung konzentriert.
Der mutige Schritt: Apple verlassen und Camb.ai gründen
Nach zwei Jahren bei Apple kündigte Akshat Prakash 2022, um seine Geschäftsideen zu verfolgen. Anfangs stieß er bei Investoren und VCs auf Skepsis, da er noch sehr jung wirkte. Daraufhin bat er seinen Vater, an den Gesprächen teilzunehmen und sich als CEO auszugeben. Sein Vater glaubte an Akshats Vision, gab seinen damaligen Job auf und wurde Vollzeit bei Camb.ai tätig.
Das Unternehmen wurde Ende 2022 als US Delaware C Corp gegründet. Am 1. Januar 2023 startete Camb.ai offiziell als Vater-Sohn-Duo, wobei der Vater die Rolle des CEO und Akshat die des CTO übernahm.
Finanzierung und Wachstum: Von Pre-Seed zur Seed-Runde
Der erste Investor von Camb.ai war TRTL Ventures, ein in Singapur ansässiger Deep-Tech-Fonds. Das anfängliche Team bestand aus sechs Personen: zwei Vertriebsmitarbeitern, den Gründern und einigen Forschungs- und Entwicklungsingenieuren. In der Anfangsphase verzichteten Akshat und sein Vater auf Gehälter und lebten von ihren Ersparnissen, um die ersten Mitarbeiter bezahlen zu können.
Mitte 2023 zeigte Courtside Ventures Interesse an ihrer Anwendung für Echtzeit-Sportkommentare. Dies führte zu einer erfolgreichen Seed-Runde von rund 4 Millionen US-Dollar. Mit dieser Finanzierung wurde der Vorstand gebildet, und die Gründer konnten endlich angemessene Gehälter beziehen. Das Kapital wurde in GPUs, Abonnements für Plattformen wie Google Cloud Platform (GCP) sowie in die Infrastruktur zum Hosten und Skalieren der Modelle investiert.
Markteintritt und erste Erfolge im Bereich KI-Übersetzung
Im Januar 2024 brachte Camb.ai seine Software auf den Markt. Zunächst zielte das Unternehmen auf den YouTube-Creator-Markt ab, um Einblicke zu gewinnen und das Produkt zu verbessern. Ein erster großer Erfolg war ein Vertrag zur Synchronisation eines kompletten Films von Arabisch nach Mandarin. Dieser Auftrag führte zu einer strategischen Neuausrichtung, da das Unternehmen eine Marktlücke im Bereich der KI-gestützten simultanen Sprach-zu-Sprach-Übersetzung für Unternehmen erkannte.
Ein weiterer Meilenstein im Januar 2024 war das Angebot, die Interviews nach den Spielen der Australian Open zu synchronisieren. Dieser Auftrag öffnete Camb.ai die Tür zu Sport- und Medienunternehmen und generierte zahlreiche Anfragen.
Ein globales Team und die Dynamik eines Vater-Sohn-Unternehmens
Akshat Prakash verbringt heute etwa 60 Prozent seiner Zeit in Dubai und 40 Prozent auf Reisen. Sein Vater ist in Dubai ansässig, was aufgrund der zentralen Lage zwischen vielen internationalen Zeitzonen strategisch vorteilhaft ist. Etwa 20 Prozent des Teams sind in Dubai tätig, der Rest arbeitet remote oder global, wobei der Großteil des Vertriebs- und Geschäftsentwicklungsteams in Nordamerika angesiedelt ist. Akshat arbeitet oft bis 2 Uhr morgens in Dubai, um Meetings in US-Zeitzonen wahrzunehmen.
Die Zusammenarbeit als Vater-Sohn-Duo erweist sich als komplementär: Der Vater agiert als klassischer CEO, Akshat als klassischer CTO. Akshat Prakash reflektiert, dass er in seiner traditionellen indischen Familie gelernt hatte, Stabilität zu suchen und Risiken als töricht zu betrachten. Doch er entschied sich bewusst gegen eine Karriere als "Rädchen im System" bei Apple. Er betont, dass die Entscheidung, seinen Vater als Mitbegründer zu wählen, sich vollkommen gelohnt hat, da es für beide keinen besseren Partner gegeben hätte.