
Aktienmärkte taumeln: Ölpreise, Nahost-Konflikt und Trumps Zölle
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die globalen Finanzmärkte erlebten zu Wochenbeginn erhebliche Turbulenzen, ausgelöst durch den eskalierenden Konflikt zwischen Iran und den USA sowie neue Zollankündigungen. Insbesondere die Ölpreise schossen in die Höhe, während die wichtigsten Aktienindizes weltweit deutliche Verluste verzeichneten. Diese Entwicklung schürt Ängste vor einer möglichen Stagflation und erhöht die Unsicherheit für Anleger.
Globale Märkte unter Druck
Die US-Aktienfutures fielen am Montag nach einem negativen Wochenschluss am Freitag stark. Die Futures der wichtigsten Benchmark-Indizes zeigten sich im Zuge des anhaltenden Iran-US-Konflikts schwächer. Am Dienstag setzten sich die Verluste fort, nachdem neue Militärschläge der USA und Israels gegen Ziele im Iran und Libanon bekannt wurden.
Die Indizes verzeichneten am Montag deutliche Rückgänge: Der Dow Jones fiel um 1,61 %, der S&P 500 um 1,41 %, der Nasdaq 100 um 1,56 % und der Russell 2000 um 2,60 %. Am Dienstag fielen die Futures auf den S&P 500 um 1,5 %, die Dow-Futures um 1,4 % und die Nasdaq 100-Futures um fast 2 %. Im Tagesverlauf konnten die Verluste teilweise eingedämmt werden, der S&P 500 schloss mit einem Minus von 0,9 %, der Dow Jones gab 403 Punkte oder 0,8 % nach und der Nasdaq Composite reduzierte seinen Verlust auf 1 %.
Auch die internationalen Märkte waren betroffen: Asiatische Märkte schlossen am Montag tiefer, darunter der australische ASX 200, Indiens Nifty 50, Chinas CSI 300, Japans Nikkei 225, Hongkongs Hang Seng und Südkoreas Kospi. Die europäischen Märkte starteten ebenfalls mit Verlusten in den Handel.
Ölpreise explodieren – Sorge um die Straße von Hormus
Der Markt erlebte einen historischen Anstieg der Energiekosten. Brent Crude stieg am Montag um 14,90 % auf 106,50 US-Dollar, während WTI um 13,27 % auf 102,96 US-Dollar zulegte. Beide Benchmarks näherten sich aggressiv ihren 52-Wochen-Höchstständen von 119,46 US-Dollar bzw. 119,43 US-Dollar.
Am Dienstag sprangen die Rohölpreise erneut um mehr als 6 %. Brent Crude erreichte 82,64 US-Dollar pro Barrel und WTI stieg auf 75,87 US-Dollar. Dies geschah, da Öltanker begannen, die Straße von Hormus umzuleiten, eine entscheidende Passage für den internationalen Erdöltransport. Der iranische Brigadegeneral Ebrahim Jabbari, ein Berater der Revolutionsgarden, drohte, alle Schiffe, die die Meerenge passieren, in Brand zu setzen.
Die Sorgen um die Ölpreise ließen im Tagesverlauf etwas nach, was zur Mäßigung der Aktienverluste beitrug. Brent schloss bei 81,40 US-Dollar, ein Plus von 4,7 %, während ein Barrel des US-Referenzöls um 4,7 % auf 74,56 US-Dollar stieg. Die Entwicklung der Ölpreise und deren Einfluss auf die Inflation sind zentrale Ängste der Anleger.
Trumps Äußerungen und die geopolitische Lage
Präsident Donald Trump versuchte, die wirtschaftliche Besorgnis am Montag auf Truth Social zu zerstreuen. Er bezeichnete die rekordhohen Treibstoffkosten als notwendiges Nebenprodukt der Offensive seiner Regierung gegen Teheran. Am Montagabend erklärte Trump zudem, die USA verfügten über ein "praktisch unbegrenztes" Angebot an Militärgerät und schloss die Option von Bodentruppen nicht aus, mit der Aussage "was auch immer nötig ist". Er deutete an, dass das militärische Engagement "viel länger" dauern könnte als die ursprünglich prognostizierten vier bis fünf Wochen und dass "Kriege 'für immer' und sehr erfolgreich geführt werden können".
Am Dienstag beruhigte Trump die Märkte etwas, indem er erklärte, die US-Marine könne bei Bedarf Tanker durch die Straße von Hormus eskortieren, um den "freien Fluss von Energie in die Welt" zu gewährleisten. Die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts bleibt jedoch ein entscheidender Faktor für die Märkte.
Anleihen, Fed und Rohstoffe im Fokus
Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe lag am Montag bei 4,19 %, die der 2-jährigen Anleihe bei 3,63 %. Am Dienstag stieg die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe um 5 Basispunkte auf 4,09 %, nach einem Anstieg um 9 Punkte in der vorherigen Sitzung. Steigende Anleiherenditen spiegeln Inflationssorgen wider, die durch die Ölpreise angeheizt werden.
Laut den Projektionen des FedWatch-Tools der CME Group preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 97,3 % ein, dass die Federal Reserve die aktuellen Zinssätze im März unverändert lässt.
Bei den Rohstoffen fiel Gold Spot US Dollar am Montag um 1,55 % auf 5.091,08 US-Dollar pro Unze, während sein letztes Rekordhoch bei 5.595,46 US-Dollar lag. Am Dienstag legten Gold-Futures um 0,4 % auf 5.331 US-Dollar pro Unze zu, da Marktteilnehmer Schutz in sicheren Häfen suchten. Der US-Dollar-Index stieg am Montag um 0,58 % auf 99,5620 und legte am Dienstag um weitere 0,6 % zu. Bitcoin (CRYPTO: BTC) notierte am Montag 0,50 % höher bei 67.766,10 US-Dollar pro Coin. Am Dienstag sank Bitcoin um 2,2 % auf 67.616 US-Dollar, was die allgemeine Risikoaversion widerspiegelt. In einem anderen Kontext fiel Bitcoin unter 66.000 US-Dollar.
Analysten warnen vor "Stagflationärem Wind"
Mohamed El-Erian, ein anerkannter Analyst, äußerte die Einschätzung, dass die US-Wirtschaft derzeit einen "stagflationären Wind" navigiert, der durch den eskalierenden Konflikt im Nahen Osten ausgelöst wird. Er beobachtet, dass der Übergang von einer schnellen "Mean Reversion" zu unvorhersehbaren "Kettenreaktionen" die systemische Fragilität erhöht hat, insbesondere innerhalb der Energieversorgungsketten.
El-Erian betont, dass Inflationsbedenken das traditionelle "Safe-Haven"-Kaufverhalten überschatten. Trotz Versuchen von Anlegern, "den Dip zu kaufen", hätten sich die Aktien schwergetan, da sich die "Realität der systemischen Fragilität" durchsetze. Dies werde durch aktuelle Arbeitsmarktdaten erschwert, die er als "erheblichen Fehltritt" bezeichnet: Die US-Wirtschaft verlor im Februar 92.000 Arbeitsplätze, und die Arbeitslosigkeit stieg auf 4,4 %.
Für den Ausblick bleibt El-Erian auf die "wirtschaftlichen und marktbezogenen Auswirkungen des Nahostkonflikts" fokussiert. Er warnt, dass der Energieschock das Wachstum stark dämpfen und gleichzeitig die Inflation in die Höhe treiben könnte. Die globale Landschaft sei nun von "Volatilität, Fragmentierung und Dispersion" geprägt, was den Weg für die Federal Reserve und die Aktienmärkte zunehmend "unvorhersehbar" mache und von "multiplen Gleichgewichten" bestimmt werde.
Einzelne Aktien im Blickpunkt
Einige Unternehmen zeigten am Montag im Premarket-Handel bemerkenswerte Bewegungen oder wurden in den Benzinga's Edge Stock Rankings hervorgehoben:
- Ovintiv Inc. (NYSE: OVV) stieg im Premarket um 5,24 %, nachdem Direktor Mayson Howard John in der Vorwoche 5.000 Stammaktien verkauft hatte. OVV weist laut Benzinga's Edge Stock Rankings einen starken Preistrend auf kurze, mittlere und lange Sicht sowie ein solides Wert-Ranking auf.
- **Hims & Hers Health (HIMS)** zeigte laut Benzinga’s Edge Stock Rankings einen schwächeren Preistrend auf kurze, mittlere und lange Sicht mit einem moderaten Wachstums-Ranking.
- Uniqure (QURE) wies laut Benzinga’s Edge Stock Rankings einen schwachen Preistrend auf lange, kurze und mittlere Sicht auf.
- Starfighters Space (FJET) zeigte laut Benzinga’s Edge Stock Rankings einen schwächeren Preistrend auf kurze, mittlere und lange Sicht.
- Casey’s General Stores Inc. (NASDAQ: CASY) fiel um 0,94 %, da Analysten nach Börsenschluss einen Gewinn von 2,98 US-Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von 4,04 Milliarden US-Dollar erwarteten. CASY weist laut Benzinga’s Edge Stock Rankings einen starken Preistrend auf kurze, mittlere und lange Sicht mit einem soliden Qualitäts-Score auf.
Am Freitag konnten Energie- und Basiskonsumgüteraktien dem allgemeinen Markttrend trotzen und schlossen höher, während zyklische Konsumgüter, Materialien und Informationstechnologie die größten Verluste verzeichneten.
Trumps neue Zölle belasten zusätzlich
In einer separaten Entwicklung, die die Marktstimmung zusätzlich belastete, kündigte Präsident Trump nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs eine globale Zollerhöhung von 15 % an. Diese Maßnahme, die über Section 122 des Trade Act von 1974 sofort in Kraft treten soll, führte zu einem weiteren Einbruch an der Wall Street.
Der Dow Jones Industrial Average fiel um 771,92 Punkte oder 1,56 % auf 48.854,05. Der Nasdaq Composite sank um 1,42 % auf 22.560,00 und der S&P 500 verlor 79,72 Punkte oder 1,15 % auf 6.829,79. Diese Zölle, die eine Erhöhung um 10 % darstellen und für 150 Tage ohne Kongressbeteiligung gelten, schüren Ängste vor einem Handelskrieg und belasten insbesondere multinationale Unternehmen mit globalen Lieferketten.