
Allbirds wird zu NewBird AI: Vom Öko-Schuh zum KI-Giganten?
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Der einstige Liebling des Silicon Valley, Allbirds, hat einen fundamentalen Strategiewechsel angekündigt, der das Unternehmen von einem nachhaltigen Schuhhersteller zu einem Akteur im Bereich der Künstlichen Intelligenz transformiert. Unter dem neuen Namen NewBird AI plant das Unternehmen, sich auf KI-Compute-Infrastruktur zu konzentrieren und seine ursprünglichen Umweltprinzipien aufzugeben. Diese Ankündigung ließ den Aktienkurs des Unternehmens am Mittwoch um 582 % in die Höhe schnellen.
Allbirds wird zu NewBird AI: Ein radikaler Strategiewechsel
Allbirds gab am Mittwoch bekannt, dass es sich von seinem Kerngeschäft, der Schuhproduktion, abwendet und sich in NewBird AI umbenennt. Das Unternehmen plant, GPUs (Graphics Processing Units) zu erwerben und als "GPU-as-a-Service"-Anbieter zu agieren, mit dem langfristigen Ziel, ein voll integriertes Cloud-Computing-Modell anzubieten. Die Schuh-Assets und der ursprüngliche Markenname werden an die American Exchange Group verkauft, ein Unternehmen, das über 30 Marken in den Bereichen Mode, Schmuck, Schuhe und Körperpflege besitzt. Dieser Verkauf erfolgte für 39 Millionen US-Dollar. Zur Finanzierung des Wandels wurde zudem eine Vereinbarung über 50 Millionen US-Dollar mit einem institutionellen Investor getroffen.
Abschied von Nachhaltigkeitsprinzipien
Der Übergang zu NewBird AI markiert eine deutliche Abkehr von den ursprünglichen Umweltprinzipien von Allbirds. In einer Einreichung bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC erklärte das Unternehmen, dass die Aktionäre im nächsten Monat über vorgeschlagene Änderungen der Unternehmenssatzung abstimmen werden. Dazu gehört die Streichung von Umweltverpflichtungen und der Widerruf des Status als "Public Benefit Corporation" (PBC). PBCs sind gewinnorientierte Unternehmen, die einen öffentlichen Nutzen stiften und verantwortungsvoll sowie nachhaltig agieren sollen.
Das Unternehmen erklärte in der Einreichung: "Das erwartete Geschäft mit elektronischer Infrastruktur wäre weniger auf den öffentlichen Nutzen des Umweltschutzes ausgerichtet." Weiter hieß es, dass die Aufhebung des PBC-Status Risiken berge, darunter eine mögliche Rufschädigung und negative Auswirkungen auf die Fähigkeit, Kunden, Mitarbeiter und Partner zu gewinnen und zu binden. Sollte die geänderte Satzung angenommen werden, würde das Unternehmen "im besten Interesse unserer Aktionäre handeln, ohne die besten Interessen unserer Aktionäre gegen den öffentlichen Nutzen des Umweltschutzes abzuwägen."
Die Kehrseite des KI-Booms
Der Schritt von Allbirds hin zur Künstlichen Intelligenz ist besonders bemerkenswert angesichts der wachsenden Bedenken hinsichtlich der Umweltauswirkungen und des Ressourcenverbrauchs von KI. Eine Untersuchung von Business Insider zeigte auf, dass der Boom von KI und Rechenzentren die Stromnetze und Wasserversorgung in den USA stark belastet. Große KI-Rechenzentren können täglich bis zu 5 Millionen Gallonen Wasser verbrauchen. Allbirds selbst erklärte in seiner Mitteilung, dass der Aufstieg der KI-Entwicklung und -Akzeptanz eine beispiellose strukturelle Nachfrage nach spezialisierter, hochleistungsfähiger Rechenleistung geschaffen hat, die der Markt kaum decken kann.
Historie und Kritik: Vom Öko-Schuh zum Tech-Hype
Allbirds wurde 2015 mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit gegründet. Das Unternehmen bewarb seine Schuhe, die aus natürlichen, nachhaltigen Materialien hergestellt wurden, als besser für Mensch und Umwelt. 2016 erhielt Allbirds die B Corp-Zertifizierung für Unternehmen, die spezifische Standards für soziale und ökologische Auswirkungen erfüllen, und wurde eine Public Benefit Corporation. Beim Börsengang 2021 erklärte Allbirds in einer SEC-Einreichung, es sei die Mission, "bessere Dinge auf bessere Weise durch die Natur herzustellen – Produkte, in denen sich Menschen wohlfühlen und mit denen sie sich wohlfühlen." Das Unternehmen betonte, den Klimawandel durch besseres Wirtschaften umkehren zu wollen. Im vergangenen Jahr stellte Allbirds den "weltweit ersten Netto-Null-Kohlenstoff-Schuh" vor, den "M0.0NSHOT Zero".
Trotz dieser Bemühungen wurde Allbirds von Kritikern auch Greenwashing vorgeworfen, da die Behauptungen über die positiven Umweltauswirkungen eher Marketing als Realität seien. Die Marke, einst der bevorzugte Schuh von Tech-Gründern im Silicon Valley, erlebte nach einem Höchststand der Popularität um 2021, als das Unternehmen mit 4 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, einen starken Rückgang. Bis 2023 hatten die Aktien von Allbirds Berichten zufolge über 95 Prozent ihres Wertes verloren, da das Unternehmen Schwierigkeiten hatte, Kunden zu binden.
Marktbegeisterung und offene Fragen
Die Investoren reagierten euphorisch auf die Ankündigung des Strategiewechsels. Der Aktienkurs von Allbirds stieg am Mittwoch um 582 % und schloss bei 16,99 US-Dollar, was eine jahrelange Talfahrt beendete. Dieser Anstieg erinnert an den Dot-Com-Boom der späten 1990er Jahre, als Aktien von Unternehmen in die Höhe schnellten, die ihren Wechsel zu einem Online-Modell ankündigten.
Der Einzelhandelsanalyst Neil Saunders von GlobalData kommentierte gegenüber CBS News, dass Allbirds die Hülle des ehemaligen Geschäfts nutzt, um Kapital zu generieren und sich in ein neues, KI-fokussiertes Unternehmen zu verwandeln. Er merkte an: "Das ist keine schlechte Sache, da es Investoren und einigen Mitarbeitern eine neue Lebensgrundlage bieten könnte." Allerdings bleiben Fragen offen: "Es gibt eine Nachfrage nach KI-Rechenkapazität, aber welche Expertise die sogenannte NewBird AI in diesem Bereich hat und wie sie Marktanteile gewinnen will, bleibt unklar." Der Einstieg in das KI-Rennen erfolgt zu einer Zeit, in der die Technologie enorme finanzielle Renditen für Investoren liefert, obwohl viele die Ansicht vertreten, dass der Optimismus übertrieben ist und der Markt sich in einer KI-Blase befinden könnte.