
Aluminiumpreise explodieren: Iran-Konflikt und Hormus-Engpass treiben Märkte
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Der Iran-Konflikt hat die globalen Aluminiummärkte in Aufruhr versetzt und zu einem deutlichen Preisanstieg des wichtigen Industriemetalls geführt. Seit dem Ausbruch der Spannungen am 28. Februar sind die LME Aluminium Futures um bis zu 10 % gestiegen, da die effektive Schließung der Straße von Hormus die Lieferketten massiv beeinträchtigt. Diese Entwicklung unterstreicht die kritische Rolle von Aluminium für die Weltwirtschaft.
Aluminiumpreise erreichen Vierjahreshochs
Die dreimonatigen LME Aluminium Futures verzeichneten seit dem 28. Februar einen anfänglichen Sprung von bis zu 10 % bis zum 12. März, bevor sie einen Teil der Gewinne wieder abgaben und sich bei rund 8 % über dem Ausgangsniveau einpendelten. Aktuell notieren die Preise knapp unter Vierjahreshochs bei 3.370 US-Dollar pro Tonne (Stand: Mittwochnachmittag in London). Am Mittwoch erreichten die offiziellen LME-Dreimonats-Aluminiumpreise 3.372 US-Dollar pro Tonne und übertrafen damit den früheren Höchststand von Ende Januar 2026.
Aluminium ist ein unverzichtbares Material in zahlreichen Sektoren, darunter Elektronik, Transport, Bauwesen sowie in der Produktion von Solarmodulen und Verpackungen. Obwohl es das häufigste Metall auf der Erde ist, ist seine Verfügbarkeit entscheidend für die Funktion der globalen Wirtschaft.
Lieferengpässe durch den Iran-Konflikt
Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die Aluminiumversorgung im Nahen Osten erheblich gestört. Die effektive Schließung der Straße von Hormus, der einzigen Seepassage zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean, ist ein zentraler Faktor. Im vergangenen Jahr wurden über 5 Millionen Tonnen Aluminium durch diese Meerenge verschifft, die rund 70 Länder in Asien, Europa und Nordamerika belieferten.
Die Auswirkungen sind bereits spürbar:
- Bahrains Alba, Betreiber der weltweit größten Schmelzhütte, hat seine Produktion um 19 % der jährlichen Gesamtleistung von 1,6 Millionen Tonnen reduziert.
- Regionale Aluminiumproduzenten wie Qatalum und Alba haben Produktions- und Lieferstopps angekündigt.
- Saudi-Arabiens Maaden und die Emirates Global Aluminium (EGA) aus den VAE prüfen zwar alternative Transportwege per LKW, doch dies ist mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden. EGA nutzt zudem Bestände außerhalb der VAE für kurzfristige Lieferungen.
- Reedereien haben den Betrieb in der Region eingestellt, was die Logistik weiter erschwert.
Analystenprognosen: Preise könnten 4.000 US-Dollar erreichen
Angesichts niedriger Lagerbestände und des Potenzials für weitere Lieferunterbrechungen im Nahen Osten könnten die Aluminiumpreise laut dem Metallanalysehaus CRU Group auf 4.000 US-Dollar pro Tonne steigen. Guillaume Osouf, Principal Analyst bei CRU, merkte an, dass der LME-Preis ohne die schwache globale Nachfrage bereits deutlich höher liegen würde. Er fügte hinzu: "Ein langwieriger Konflikt wird unsere Marktaussichten für den Rest des Jahres wahrscheinlich drastisch verändern, aufgrund der nachhaltigen Auswirkungen auf das globale Angebot und der potenziellen negativen Effekte auf die Nachfrage."
Weitere Prognosen untermauern diese Einschätzung:
- Die US-Investmentbank Goldman Sachs erklärte, dass bereits ein Monat vollständigen Produktionsausfalls im Nahen Osten einen Preis von 3.600 US-Dollar pro Tonne rechtfertigen würde.
- Die US-Bank Citi erhöhte ihre Preisprognose für die nächsten drei Monate auf 3.600 US-Dollar pro Tonne und sieht in einem "Bull-Case-Szenario" Preise von bis zu 4.000 US-Dollar pro Tonne. Citi stellte fest: "Force Majeure ist nun bei zwei Golfproduzenten eingetreten, was einen klaren Übergang vom Risiko zu einer realisierten Störung markiert."
Chinas Rolle als Preismacher
Die zukünftige Preisentwicklung könnte maßgeblich von China abhängen, dem größten Aluminiumproduzenten der Welt. China begrenzt seine Produktion auf 45,5 Millionen Tonnen pro Jahr, um Emissionen zu reduzieren und Überkapazitäten zu vermeiden. Artem Volynets, CEO des Bergbauunternehmens ACG Metals, erklärte gegenüber CNBC, dass die Welt mit Aluminium überschwemmt werden könnte, falls die chinesische Regierung entscheidet, dass die Preise zu hoch sind, und eine Reihe stillgelegter Schmelzhütten wieder in Betrieb nimmt.
Begrenzte Beteiligung von Privatanlegern
Trotz des jüngsten Preisanstiegs auf der LME sehen Analysten Aluminium nicht als bedeutendes Handelsgut für Privatanleger, im Gegensatz zu Silber oder Kupfer. Artem Volynets wäre "überrascht", wenn Privatanleger in ein solch industrielles Element involviert wären. Guillaume Osouf von CRU Group merkte an, dass die Brutto-Long-Position nur geringfügig kleiner ist als Ende Januar, was auf eine begrenzte Beteiligung von Fonds seit Beginn des Konflikts hindeutet. Interessanterweise haben die Short-Positionen ihr Engagement um 15.000 Lots erhöht, was darauf schließen lässt, dass ein größerer Teil der Anleger an niedrigere Preise glaubt.
Regionale Auswirkungen und steigende Prämien
Die Störungen im Nahen Osten verschärfen eine ohnehin angespannte Versorgungslage und führen zu erheblichen Anstiegen der regionalen Lieferprämien.
- Europa: Steht vor zusätzlichen Herausforderungen, da russische Lieferungen aufgrund des Ukraine-Konflikts gekürzt wurden, große Teile der heimischen Kapazitäten wegen hoher Energiepreise geschlossen sind und die Versorgung mit Aluminiumschrott aufgrund von Exporten in Märkte mit höheren Preisen schwindet. Hinzu kommt der bevorstehende Lieferausfall der Mozal-Schmelzhütte in Mosambik und ein Produktionsstopp der isländischen Nordural-Schmelzhütte. Die Argus-Bewertung für die europäische P1020 Duty-Paid Aluminiumprämie stieg am Mittwoch von 340-370 US-Dollar pro Tonne auf 410-440 US-Dollar pro Tonne.
- USA: Sind weiterhin mit den Auswirkungen der Handelszölle von Präsident Donald Trump konfrontiert. Die US Midwest-Prämie erreichte ein neues Rekordhoch von 1,06-1,08 US-Dollar pro Pfund, gegenüber zuvor 1,03 US-Dollar.
- Lateinamerika und Mexiko: Sind besonders betroffen, da viele Lieferungen, die normalerweise dorthin gingen, nun aufgrund höherer Prämien nach Europa, in die USA oder sogar nach Asien umgeleitet werden könnten. Mexiko, das keine eigene Primäraluminiumproduktion besitzt und stark auf Importe angewiesen ist, bezieht einen erheblichen Teil seines Aluminiums aus dem Golf-Kooperationsrat (GCC). Zwischen Januar 2024 und Februar 2026 importierte Mexiko fast 824 Millionen kg unverarbeitetes Aluminium (HS7601) von GCC-Produzenten (VAE, Bahrain, Katar, Saudi-Arabien), was etwa 24,7 % der Gesamtimporte entspricht. Die Prämien für Billet könnten in den kommenden Wochen auf bis zu 700 US-Dollar pro Tonne steigen.
Makroökonomische Faktoren und SHFE-Entwicklung
Auch makroökonomische Faktoren spielen eine Rolle. Am 17. März schloss der SHFE Aluminium 2605 Kontrakt bei 24.915 RMB pro Tonne, ein Rückgang von 0,30 % gegenüber dem Vortag. Die technische Analyse deutet auf eine Abschwächung der kurzfristigen Aufwärtsdynamik hin.
Auf der makroökonomischen Ebene gab Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council des Weißen Hauses, am 17. März bekannt, dass Öltanker "bereits sporadisch die Straße von Hormus passieren". Er bekräftigte auch, dass die Trump-Regierung davon ausgehe, dass militärische Aktionen gegen den Iran Wochen statt Monate dauern würden (eher bärisch für Preise). Gleichzeitig lehnten hochrangige iranische Beamte einen Vorschlag zur Deeskalation ab, wobei Mojtaba Khamenei erklärte, "jetzt ist nicht die Zeit für Frieden" (eher bullisch für Preise). Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die US-Notenbank bis Juni liegt laut CME FedWatch bei 78,1 % (eher bärisch für Rohstoffpreise). Die Aluminiumbarrenbestände in den wichtigsten Verbraucherregionen stiegen am 17. März im Monatsvergleich um 4.000 Tonnen.