
Amazon und Whole Foods: Deloitte-Bericht enthüllt Integrationsprobleme bei Microsoft 365
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Acht Jahre nach der Übernahme von Whole Foods durch Amazon im Jahr 2017 bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen bei der Integration der IT-Systeme. Eine interne Überprüfung durch Deloitte, die Anfang des Jahres abgeschlossen wurde, deckte auf, dass die Nutzung von Microsoft 365-Anwendungen bei Whole Foods "fragmentiert" ist, was zu Ineffizienzen und geringerer Produktivität bei der Zusammenarbeit mit Amazon-Mitarbeitern führt. Deloitte empfahl einen 24-monatigen Integrationsplan, um diese Probleme zu beheben und Kosten zu sparen.
Acht Jahre nach der Übernahme: Integrationshürden bei Amazon und Whole Foods
Die Akquisition von Whole Foods durch Amazon im Jahr 2017 sollte die Präsenz des Tech-Riesen im Lebensmittelhandel stärken. Doch die vollständige operative Integration der beiden Unternehmen gestaltet sich komplex und langwierig. Ein aktueller Deloitte-Bericht, der im Mai dieses Jahres fertiggestellt wurde, beleuchtet die anhaltenden Schwierigkeiten, insbesondere im Bereich der Kernproduktivitätssoftware Microsoft 365.
Laut dem Bericht nutzt Whole Foods "fragmentierte" Microsoft-Toolsets, weist lockere Sicherheits- und Datenaufbewahrungspraktiken auf und verfügt über eine komplexe Benutzerverwaltung. Diese Faktoren beeinträchtigen die Effizienz und Produktivität, wenn Mitarbeiter von Whole Foods mit ihren Kollegen bei Amazon zusammenarbeiten müssen. Die Consultingfirma schlug einen zweijährigen Integrationsplan vor, der zunächst die Unternehmensebene und anschließend die Mitarbeiter an der Frontlinie auf Amazons Backend-System umstellen soll.
Deloitte-Analyse deckt Schwachstellen auf
Das Deloitte-Team arbeitete eng mit Whole Foods-Mitarbeitern zusammen, um die aktuelle Landschaft der Microsoft 365-Nutzung zu bewerten und eine zukünftige Roadmap zu entwickeln. Dabei wurden sechs "Schlüsselthemen" identifiziert, die für eine Optimierung des Geschäftsbetriebs entscheidend sind:
- Fragmentierte Tools bei der Zusammenarbeit: Mitarbeiter müssen routinemäßig zwischen Anwendungen wie Slack, Teams und anderen wechseln, je nachdem, mit welchem Amazon-Kollegen sie interagieren. Dies erhöht die Komplexität und Ineffizienz und beeinträchtigt die Produktivität und Zusammenarbeit.
- Datenaufbewahrung und Datenrichtlinien: Whole Foods fehlen formale Richtlinien zur Datenaufbewahrung für E-Mails und Dokumente, abgesehen von begrenzten Aufbewahrungsfristen für Teams. Diese Lücke erschwert die Compliance und das Datenmanagement.
- Sicherheitsreife: Es besteht eine Lücke zwischen den "Sicherheitspositionen" von Amazon und Whole Foods. Deloitte identifizierte Möglichkeiten zur Stärkung der Sicherheit, darunter die Durchsetzung einer stärkeren Geräteregistrierung und das Blockieren nicht authentifizierter E-Mails.
- Dual Identity Management: Mitarbeiter verwalten derzeit sowohl Whole Foods- als auch Amazon-Konten, was umständlich ist, aber zur Überbrückung der Operationen zwischen den beiden Organisationen notwendig erscheint.
- Externer Zugriff/Zusammenarbeit: Restriktive externe Freigaberichtlinien in Microsoft 365 erfordern Genehmigungen für jeden externen Zugriff. Dies führt dazu, dass viele Whole Foods-Teams alternative Kollaborationstools nutzen, die diese Richtlinien umgehen.
- Integration von Drittanbieter-Tools: Whole Foods hostet 314 registrierte Anwendungen. Es gibt jedoch eine begrenzte Governance über Anwendungen, die E-Mails über Whole Foods-Domains versenden, was die Bemühungen zur Stärkung der E-Mail-Sicherheit erschwert.
Strategische Neuausrichtung und "One Grocery"-Vision
Die Herausforderungen bei der Integration von Whole Foods spiegeln Amazons Schwierigkeiten wider, das Geschäft zu skalieren und die Abläufe zu integrieren, was zu häufigen Reorganisationen führte. Unter der Führung des neuen Lebensmittelchefs Jason Buechel, der sowohl CEO von Whole Foods als auch VP of Grocery bei Amazon ist, wird nun ein erneuter Vorstoß unternommen. Buechel fördert eine einheitliche "One Grocery"-Strategie und ein "Flying Formation"-Modell, um die beiden Organisationen enger zusammenzuführen.
Diese Situation unterstreicht auch Amazons Abhängigkeit von seinem Cloud-Rivalen Microsoft für Kernproduktivitätssoftware wie Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Amazon hat sich 2023 verpflichtet, über fünf Jahre mindestens 1 Milliarde US-Dollar für Microsoft 365 auszugeben. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit Schwierigkeiten, eigene Geschäftsanwendungen zu entwickeln, und führte Anfang des Jahres Zoom anstelle seiner eigenen Chime-Meeting-App ein. Jamie Forrest, Sprecher von Amazon, betonte, dass Amazon ein "erfolgreiches und wachsendes" Lebensmittelgeschäft mit über 150 Millionen Kunden habe. Er fügte hinzu, dass das Unternehmen Änderungen vorgenommen habe, um die Arbeitsweise zu vereinfachen und die Zusammenarbeit zu verbessern, indem es die Teams auf die gleichen Technologiesysteme und Tools ausrichtet.
Der empfohlene Weg: Ein gestufter Integrationsplan
Deloitte empfahl einen gestuften Integrationsplan, der zunächst die Unternehmensmitarbeiter von Whole Foods auf die Backend-Technologie von Amazon migriert, gefolgt von den Mitarbeitern an der Frontlinie. Im Rahmen dieses Plans würden Unternehmensmitarbeiter frühzeitig auf Amazons Tenant für E-Mail und OneDrive umgestellt. Komplexere Systeme wie SharePoint und Teams würden schrittweise verlagert, um Tests und Neuzuweisungen von Berechtigungen für Whole Foods- und Amazon-Identitäten zu ermöglichen.
Alle Workloads sollen letztendlich unter Amazon konsolidiert werden, wodurch Whole Foods doppelte Lizenzkosten einsparen und sich an die Sicherheitsstandards von Amazon anpassen könnte. Das Dokument betont, dass die Anwendungen und Dienste nahtlos in einen einheitlichen Tenant integriert werden, was "optimierte Interaktionen zwischen WFM- und Amazon-Mitarbeitern" fördert. Es ist unklar, ob Amazon und Whole Foods alle Empfehlungen vollständig umgesetzt haben. Der von Deloitte empfohlene schrittweise Übergang spiegelt jedoch Amazons umfassendere Konsolidierungsbemühungen mit Whole Foods wider. Amazon begann bereits Anfang des Jahres, die Unternehmensmitarbeiter von Whole Foods auf die eigenen Systeme umzustellen. Unter dem internen Projektnamen "Cremini" plant Amazon nun, die gesamte über 100.000 Mitarbeiter starke Belegschaft von Whole Foods, einschließlich der Frontline-Mitarbeiter, zu integrieren.