
Amazon verschärft Büropräsenz: Neues Dashboard überwacht Mitarbeiter
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Amazon intensiviert seine Rückkehr-ins-Büro-Strategie (RTO) mit einem neuen Dashboard, das Managern detaillierte Einblicke in die Büropräsenz ihrer Mitarbeiter bietet. Dieses System überwacht nicht nur die Anwesenheit, sondern auch die Verweildauer und den Arbeitsort, um die Einhaltung der Präsenzpflicht zu gewährleisten.
Amazon verschärft RTO-Regeln
Der E-Commerce- und Cloud-Computing-Riese Amazon hat seine Richtlinien zur Rückkehr ins Büro (RTO) weiter verschärft. Nachdem das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr eine der strengsten RTO-Vorgaben der Branche eingeführt hatte, die die meisten Mitarbeiter zu fünf Tagen Präsenz im Büro verpflichtet, folgt nun eine neue Überwachungsmaßnahme. Ein internes Dokument, das Business Insider vorliegt, enthüllt ein Dashboard, das Managern detaillierte Metriken zur Büroanwesenheit liefert.
Dieses Tool ermöglicht es Vorgesetzten, Mitarbeiter zu identifizieren, die die Erwartungen an die Büropräsenz nicht erfüllen. Die Einführung des Dashboards markiert eine Eskalation der Überwachung von Angestellten bei Amazon.
Das neue Überwachungs-Dashboard
Das aktualisierte Dashboard, dessen Einführung im Dezember begann, bietet Managern und der Personalabteilung (HR) umfassende Daten. Es zeigt an, wie oft Mitarbeiter ins Büro kommen, wie lange sie bleiben und an welchen Standorten sie arbeiten. Die Daten werden täglich um 17 Uhr PT aktualisiert und über einen gleitenden Acht-Wochen-Zeitraum erfasst.
Ein Amazon-Sprecher erklärte gegenüber Business Insider, dass solche Tools Managern bereits seit über einem Jahr zur Verfügung stünden, um Mitarbeiter bei der Einhaltung der Büropräsenz zu unterstützen. Das Dashboard sei kürzlich aktualisiert worden, um es für alle Manager konsistenter zu gestalten, wobei die meisten Daten und Funktionen bereits zuvor verfügbar waren. Die Erwartungen an die Mitarbeiter bezüglich der Büropräsenz hätten sich nicht geändert.
Drei Kategorien von "Badgers"
Das System kennzeichnet Mitarbeiter in drei spezifischen Kategorien, die als "Badgers" bezeichnet werden:
- "Low-Time Badgers": Dies sind Mitarbeiter, deren wöchentliche mediane Bürozeit über einen gleitenden Acht-Wochen-Zeitraum weniger als vier Stunden pro Tag beträgt.
- "Zero Badgers": Diese Kategorie umfasst Mitarbeiter, die sich innerhalb des Acht-Wochen-Zeitraums in keinem Amazon-Gebäude angemeldet haben.
- "Unassigned Building Badgers": Hierbei handelt es sich um Mitarbeiter, die sich über die Hälfte der Zeit in einem anderen als ihrem zugewiesenen Gebäude anmelden.
Laut dem internen Dokument sollen diese Metriken "Mitarbeiter aufzeigen, die erheblich außerhalb der dokumentierten Erwartungen an die Büropräsenz agieren". Amazon betont jedoch, dass Manager bei der Entscheidung über formelle disziplinarische Maßnahmen "Urteilsvermögen anwenden" sollen.
Amazons Begründung und Kritik
Amazon positioniert das Dashboard als Mittel zur Förderung der persönlichen Zusammenarbeit. Das Unternehmen erklärt im Dokument: "Die Arbeit im Büro ist wichtig für unsere Kultur und geht über die bloße physische Anwesenheit während der Woche hinaus." Manager sollen "eine sinnvolle Teamzusammenarbeit durch direkte Interaktionen mit ihrem Team fördern, anstatt nur wöchentlich Badge-Scans aus der Ferne zu überwachen."
Bereits 2023 begann Amazon, individuelle Anwesenheitsdaten zu verfolgen und zu teilen, was eine Umkehrung der früheren Politik darstellte, die nur anonymisierte, aggregierte Daten erfasste. Anfang 2024 ging das Unternehmen gegen "Coffee Badging" vor, indem es einige Teams informierte, dass eine Mindestpräsenz von zwei bis sechs Stunden im Büro erforderlich sei, damit die Anwesenheit gezählt wird. Diese Maßnahme stieß bei einigen Mitarbeitern auf Kritik; ein Mitarbeiter verglich die Behandlung mit der von "Highschool-Schülern", wie Business Insider berichtete.
Das neue Dashboard standardisiert diese Metriken für die gesamte Unternehmensbelegschaft, ausgenommen Lagerarbeiter und Auftragnehmer. Es gewährt Managern direkten, bedarfsgerechten Zugriff auf Daten, die sie zuvor bei der Personalabteilung anfordern mussten.
Branchenweiter Trend zur Präsenzkontrolle
Amazon ist nicht das einzige Unternehmen, das Badge-Daten zur Durchsetzung von RTO-Regeln nutzt. Auch andere große Konzerne setzen auf ähnliche Überwachungsmethoden:
- Samsung hat ein Manager-Tool eingeführt, das "Tage und Zeit im Gebäude"-Metriken anzeigt, um "Lunch/Coffee Badging" zu unterbinden.
- Dell informierte hybride Mitarbeiter, dass die Präsenz vor Ort über Badge-Scans verfolgt und in die Leistungsbeurteilung sowie Vergütung einfließen könnte.
- Bank of America verschickte Warnhinweise an Mitarbeiter, dass eine fortgesetzte Nichteinhaltung der RTO-Richtlinien zu weiteren Disziplinarmaßnahmen führen könnte.
- Bei JPMorgan beschreiben Mitarbeiter ein internes Dashboard, das den Anteil der im Büro verbrachten Tage berechnet und für leitende Manager sichtbar ist.
- In Großbritannien hat PwC angekündigt, die Arbeitsorte der Mitarbeiter zu verfolgen, um seine RTO-Politik durchzusetzen.