Amazon zahlt 180 Mio. Euro in Italien: Steuer- und Arbeitsrechtsstreit beigelegt

Amazon zahlt 180 Mio. Euro in Italien: Steuer- und Arbeitsrechtsstreit beigelegt

Aktualisiert:
3 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

Eine italienische Logistiktochter von Amazon hat 180 Millionen Euro gezahlt und ein Überwachungssystem für Zusteller abgeschafft, um eine Untersuchung wegen mutmaßlichen Steuerbetrugs und unrechtmäßiger Arbeitspraktiken beizulegen. Der Fall, der von Mailänder Staatsanwälten geführt wurde, konzentrierte sich auf Vorwürfe vom Juli 2024, wonach die Einheit Arbeits- und Steuerpflichten umgangen habe.

Amazon zahlt Millionen in Italien: Ende einer umfassenden Untersuchung

Die Einigung mit der italienischen Steuerbehörde über 180 Millionen Euro beendet eine fast zweijährige Untersuchung. Ursprünglich hatten die Mailänder Staatsanwälte im Zuge der Ermittlungen 121 Millionen Euro von der Amazon-Einheit beschlagnahmt. Die Zahlung ist eine umfassende Lösung, um die rechtliche Exposition im Zusammenhang mit der Einhaltung des Arbeitsrechts in Italien zu beenden.

Vorwürfe: Umgehung von Steuer- und Arbeitsgesetzen

Amazon wurde vorgeworfen, Genossenschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung genutzt zu haben, um Fahrer bereitzustellen. Diese Methode soll die Mehrwertsteuerpflichten und Sozialversicherungsbeiträge reduziert haben. Die Staatsanwälte sprachen von einer Form des "digitalen Gangmastering", bei der Amazon über die von den Vermittlungsfirmen gestellten Arbeitskräfte "direktive Befugnisse" ausübte.

Das proprietäre Management-Software und Algorithmen von Amazon sollen die gesamte Verteilung und Zustellung der Waren organisiert haben. Dies umfasste die Festlegung von Arbeitszeiten, die Leistungsmessung und sogar die Ausübung disziplinarischer Befugnisse, obwohl die Arbeitskräfte formell bei externen Unternehmen angestellt waren. Dieses System, in Italien als fiktives Vertragsschema bekannt, ermöglichte dem primären Logistikbetreiber den Zugang zu "billiger Arbeitskraft" ohne die tatsächlichen Kosten einer Direktanstellung, was zu erheblichen Verlusten für den Staatshaushalt führte.

Branchenweite Ermittlungen und weitreichende Folgen

Die Zahlung von Amazon ist kein Einzelfall, sondern Teil eines umfassenden Vorgehens Italiens gegen illegale Arbeits- und Steuerpraktiken im Logistiksektor. Seit 2023 haben die Mailänder Staatsanwälte mit über 30 weiteren Unternehmen vergleichbare Vergleiche in ähnlichen Untersuchungen zu Outsourcing-Modellen und Personalmanagement erzielt. Die Gesamteinnahmen aus diesen Fällen übersteigen 1 Milliarde Euro.

Zu den weiteren Unternehmen, deren italienische Einheiten ähnlichen Arbeitsregelungen unterzogen wurden, gehören DHL, FedEx und UPS sowie die Supermarktkette Esselunga. Im Rahmen der breiteren Einigung mit anderen Logistikunternehmen hat Amazon zugestimmt, Tausende von Arbeitnehmern direkt einzustellen. Amazon erklärte dazu: „Wir haben unsere Position mit den zuständigen Behörden geklärt, die die hohen Standards unseres Kooperationsmodells mit Lieferpartnern anerkannt haben... Unser Engagement mit italienischen Institutionen und anderen Interessengruppen hat die Compliance in der gesamten Branche verbessert.“

Zukünftige Strategie: Ausbau der eigenen Lieferkapazitäten

Unabhängig von den italienischen Ermittlungen plante Amazon Anfang Dezember 2025, seine eigenen nationalen Lieferoperationen auszubauen. Dies könnte eine schrittweise Abkehr von der langjährigen Abhängigkeit vom US Postal Service (USPS) bedeuten, nachdem Verhandlungen über eine neue Versandvereinbarung ins Stocken geraten waren. Amazon hatte ein neues Abkommen angestrebt, das günstigere Tarife und höhere Mindestpaketvolumen sichern sollte.