
Ankar sichert $20 Mio. für KI-gestützte Patentverwaltung
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Das Londoner Startup Ankar, gegründet von ehemaligen Palantir-Mitarbeitern, hat in einer Series-A-Finanzierungsrunde $20 Millionen erhalten. Das Unternehmen setzt Künstliche Intelligenz ein, um den oft langwierigen und komplexen Prozess der Patentanmeldung und -verwaltung zu vereinfachen und geistiges Eigentum (IP) als strategischen Vermögenswert zu etablieren. Diese Investition unterstreicht das wachsende Vertrauen in KI-Lösungen zur Effizienzsteigerung in traditionellen Branchen.
Ankar sichert $20 Millionen in Series-A-Finanzierungsrunde
Die Series-A-Finanzierungsrunde für Ankar wurde von der Venture-Capital-Firma Atomico angeführt. Weitere Beteiligungen kamen von Index Ventures, Norrsken und Daphni. Diese jüngste Kapitalzufuhr folgt auf eine bereits im Mai bekannt gegebene Seed-Runde über £3 Millionen (rund $4 Millionen), die von Index Ventures geleitet wurde und an der sich Daphni und Motier Ventures beteiligten. Insgesamt hat Ankar damit $24 Millionen an Risikokapital erhalten.
Von Palantir-Veteranen gegründet: Die Vision hinter Ankar
Ankar wurde 2024 von Tamar Gomez und Wiem Gharbi gegründet, die sich während ihrer gemeinsamen Zeit bei Palantir kennenlernten. Dort erlebten sie aus erster Hand, wie zeitaufwendig und mühsam der Prozess der Patentanmeldung für neue Technologien sein kann. Gomez, mit einem Hintergrund in Wirtschaft und als Entwicklungsstrategin bei Palantir tätig, ist heute CEO von Ankar. Gharbi, eine ausgebildete Datenwissenschaftlerin, die an Machine-Learning-Anwendungen arbeitete, fungiert als Chief Technology Officer.
Die Gründer erkannten, dass die Umwandlung einer Innovation im Kopf eines Erfinders in ein verwertbares Patent Jahre dauern konnte. Gomez beschrieb die damaligen Werkzeuge als "unglaublich veraltet oder einfach nicht existent", eine "Ansammlung manueller Prozesse". Diese Frustrationen inspirierten sie zur Gründung von Ankar, benannt nach einem allwissenden Ritter aus vorislamischer Poesie.
Künstliche Intelligenz revolutioniert den Patentschutz
Ankar nutzt fortschrittliche Künstliche Intelligenz, insbesondere große Sprachmodelle (LLMs), um den gesamten Lebenszyklus von geistigem Eigentum zu optimieren. Ziel ist es, IP, das lange als Kostenfaktor galt, in einen strategischen und wettbewerbsfähigen Vermögenswert zu verwandeln. Wiem Gharbi, CTO von Ankar, betonte: "Wir versuchen, IP, das sehr lange als Kostenstelle betrachtet wurde, in einen strategischeren und wettbewerbsfähigeren Vermögenswert zu verwandeln, den wir heute in einer immer wettbewerbsintensiveren Welt benötigen."
Die Bedeutung von geistigem Eigentum ist immens gestiegen: Immaterielle Vermögenswerte machen laut der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) bis zu 90 % des Wertes von S&P 500-Unternehmen aus. Dennoch bleiben die Systeme zu deren Schutz oft veraltet. Ankar positioniert sich als "Betriebssystem der Innovation", um diesen Wandel voranzutreiben.
Die Funktionsweise der Ankar-Plattform
Die Plattform von Ankar ist darauf ausgelegt, den Patentprozess erheblich zu beschleunigen und zu verbessern:
- Erfindungserkennung: Das Tool durchsucht über 150 Millionen Patentanmeldungen und 250 Millionen wissenschaftliche Publikationen. Es erstellt Berichte zur "Neuheit" einer Erfindung und identifiziert bereits bestehende Ansprüche ("Prior Art").
- Anmeldungserstellung: Die Plattform hilft Erfindern bei der Ideenfindung und unterstützt Patentanwälte beim Entwurf von Anmeldungen. Sie erkennt Lücken in bestehenden Patenten, wo neue Erfindungsansprüche die größte Wirkung erzielen könnten.
- Anspruchsformulierung: Ankar kann einen ersten Satz von Patentansprüchen vorschlagen und Anwälten helfen, diese zu erweitern. Gharbi erklärt: "Es geht nicht mehr nur darum, Wörter zu generieren, denn wir glauben, dass der Wert des reinen Generierens von Wörtern mit der Zeit abnehmen wird. Es wird mehr darum gehen, wie ich die besten Qualitäten des Schutzumfangs generiere."
- Verteidigung und Management: Die Plattform unterstützt Patentanwälte bei der Beantwortung möglicher Einwände von Patentprüfern und bietet eine einzige Übersicht über den gesamten Verlauf des Antragsprozesses. Zudem erkennt sie Patentverletzungen und identifiziert neue Lizenzierungsmöglichkeiten.
Erfolge und strategische Bedeutung von geistigem Eigentum
Ankar hat bereits namhafte Frühkunden gewinnen können, darunter der globale Kosmetikriese L'Oréal und die internationale Anwaltskanzlei Vorys. Kunden berichten von einer durchschnittlichen Produktivitätssteigerung von 40 %, wodurch Hunderte von Stunden für strategisch wertvolle Arbeit freigesetzt werden. Jean-Yves Legendre, Competitive IP Intelligence Manager bei L'Oréal, lobte Ankar und sagte, das Startup habe "Patente verstanden, unsere Sprache gesprochen und sich an unsere Bedürfnisse angepasst."
Viele globale Unternehmen, insbesondere in der Automobil-, Elektronik- und F&E-intensiven Branche, verstärken ihre Bemühungen zum Schutz ihres geistigen Eigentums. Sie befürchten, dass generative KI es Wettbewerbern erleichtern könnte, Produktdesigns, Architekturen und Prozesse zu replizieren. Gleichzeitig sind viele Unternehmen bestrebt, ihr IP zu erfassen und zu schützen, um es zum Training oder zur Feinabstimmung ihrer eigenen KI-Modelle zur Produktivitätssteigerung zu nutzen. Hannah Seal, Partnerin bei Index Ventures, fasst zusammen: "Tamar und Wiem definieren neu, wie Innovation erfasst, geschützt und kommerzialisiert wird – sie verwandeln IP von einem defensiven Rechtsgut in einen strategischen Wachstumshebel."
Zukünftige Pläne und Expansion
Ankar plant, die neuen Finanzmittel zu nutzen, um seine derzeit 20 Mitarbeiter umfassende Belegschaft zu verdoppeln. Die Expansion soll die Teams in den Bereichen Engineering, Produktentwicklung, Design und Go-to-Market in ganz Europa und den USA stärken. Damit will das Unternehmen seine Position als führender Anbieter von KI-gestützten Lösungen für das Management von geistigem Eigentum weiter ausbauen und die globale Innovationslandschaft nachhaltig prägen.