
Anthropic: Nach Pentagon-Konflikt schwindet viraler Hype
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Das anfängliche, virale Interesse an Anthropic, ausgelöst durch einen öffentlichkeitswirksamen Konflikt mit dem Pentagon, scheint nachzulassen. Daten verschiedener Tracking-Firmen zeigen, dass das Wachstum des KI-Startups stagniert, nachdem es zuvor einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt hatte. Trotz eines juristischen Teilerfolgs gegen die US-Regierung steht Anthropic vor der Herausforderung, seine Position im hart umkämpften KI-Markt zu behaupten.
Anthropic's viraler Moment verblasst
Nach einem bemerkenswerten Anstieg des Interesses, der durch Anthropic's Weigerung ausgelöst wurde, in einem Vertragsstreit mit dem Pentagon nachzugeben, zeigen Daten, dass dieser Hype nachlässt. Appfigures, ein App-Intelligence-Unternehmen, berichtet, dass ChatGPT Anfang März Claude bei den geschätzten täglichen Downloads in den US-amerikanischen Apple- und Google Play Stores überholt hat. Dies steht im Gegensatz zu einem kurzen Zeitraum, in dem Anthropic die Oberhand hatte.
Kara Lee, eine Marken- und Digitalanalystin bei Sensor Tower, schrieb an Business Insider, dass Claudes tägliche Downloadrate "weitgehend stagniert und seit dem 25. März durchschnittlich einen Rückgang von 2 % pro Tag verzeichnet". Gleichzeitig stiegen die Downloads von ChatGPT um 1 % pro Tag. Dennoch ist das Interesse an Claude immer noch deutlich höher als vor fast zwei Monaten: Anfang Februar war Claude nicht einmal unter den Top 40 der meistgeladenen kostenlosen Apps im US App Store von Apple, während es am Freitagnachmittag auf Platz 2 hinter ChatGPT rangierte.
Die Zahl der täglich aktiven Nutzer von Claude ist laut Daten von Similarweb weiterhin gestiegen. Lee stellte fest, dass Anthropic bis zum 25. März einen Anstieg der täglichen Downloads um 166 % im Vergleich zum Februar verzeichnete, während ChatGPT um 4 % zurückging.
Der Konflikt mit dem Pentagon: Ursprung und Eskalation
Der Aufstieg von Anthropic fiel mit einem Rückschlag für OpenAI CEO Sam Altman und den KI-Riesen zusammen, nachdem Altman einen "übereilten" Deal mit dem Pentagon als problematisch bezeichnet hatte. Wenige Stunden später hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth angekündigt, Anthropic offiziell als nationales Sicherheitsrisiko einzustufen. Der Konflikt entstand aus Anthropic's kategorischer Weigerung, seine KI für autonome Waffensysteme und Massenüberwachung einzusetzen.
Die Trump-Administration reagierte scharf: Ende Februar 2026 ordnete Präsident Donald Trump an, dass alle Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic-Produkten innerhalb von sechs Monaten einstellen müssen. Ein internes Memorandum des Verteidigungsministeriums vom 6. März, unterzeichnet von Chief Information Officer Kirsten Davies, bezeichnete Anthropic's KI als "inakzeptables Lieferkettenrisiko" für alle Systeme und Netzwerke des Verteidigungsministeriums. Es forderte die Entfernung der Technologie innerhalb von 180 Tagen, auch von Systemen für Atomwaffen, ballistische Raketenabwehr und Cyberkriegsführung.
Diese Maßnahme war beispiellos für ein amerikanisches Unternehmen, da zuvor nur ausländische Firmen wie Huawei oder Kaspersky als Lieferkettenrisiko eingestuft wurden. Anthropic äußerte in Gerichtsakten große Besorgnis, dass bei Aufrechterhaltung der Einstufung als nationales Sicherheitsrisiko Milliarden verloren gehen könnten. Die öffentliche Unterstützung für Anthropic zeigte sich in "Thank You"-Nachrichten vor dem Hauptsitz und einem Screenshot von Katy Perry auf X, die ihr neues Claude Pro-Abonnement mit einem Herz veröffentlichte.
Juristischer Teilerfolg für Anthropic
Am 26. März 2026 erzielte Anthropic einen wichtigen juristischen Teilerfolg. Eine Bundesrichterin in San Francisco, Rita Lin vom Gericht des Nördlichen Bezirks von Kalifornien, erließ eine einstweilige Verfügung zugunsten von Anthropic. Diese blockiert vorübergehend die Einstufung des Unternehmens als nationales Sicherheitsrisiko und die Anordnung, die Nutzung von Claude durch Bundesbehörden einzustellen.
Richterin Lin bezeichnete die Maßnahmen als "willkürlich, unberechenbar und einen Missbrauch der Ermessensbefugnis". Sie betonte, dass "nichts im geltenden Recht die orwellsche Vorstellung stützt, dass ein amerikanisches Unternehmen als potenzieller Gegner und Saboteur der Vereinigten Staaten bezeichnet werden könnte, weil es seine Meinungsverschiedenheit mit der Regierung zum Ausdruck bringt." Die Entscheidung wurde für eine Woche ausgesetzt, um dem Justizministerium Zeit für eine Berufung zu geben. Trotz der Spannungen versucht Anthropic weiterhin, mit der Bundesregierung zusammenzuarbeiten; Berichten zufolge wird Claude vom US-Militär zur Unterstützung von Einsätzen im Iran eingesetzt.
Strategische Ausrichtung und Herausforderungen
Während OpenAI mit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 den Wettlauf um generative KI im Verbraucherbereich dominierte, konzentriert sich Anthropic stattdessen auf den Unternehmensmarkt. Dario Amodei, CEO von Anthropic, beschrieb dies als ein zuverlässigeres Geschäftsmodell. "Ich denke, wir haben ein besseres Geschäftsmodell. Ich denke, wir haben bessere Margen", sagte Amodei im Dezember auf dem DealBook-Gipfel der New York Times. Er fügte hinzu, dass ein Verbrauchergeschäftsmodell unsicherere Einnahmequellen und Margen haben könnte.
Der Konflikt mit dem Pentagon bot Anthropic eine unerwartete Rückkehr in den Mainstream. Doch das schnelle Wachstum bringt auch Belastungen mit sich. Anthropic musste kürzlich seine Nutzungslimits anpassen, um die Nachfrage während der Spitzenzeiten auszugleichen. Thariq Shihipar, der an Claude arbeitet, schrieb auf X: "Ich weiß, das war frustrierend. Wir investieren weiterhin in die Skalierung."