Anthropic's Mythos: KI-Modell deckt Schwachstellen auf und alarmiert Finanzwelt

Anthropic's Mythos: KI-Modell deckt Schwachstellen auf und alarmiert Finanzwelt

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Anthropic, der Entwickler des KI-Chatbots Claude, hat mit seinem neuen KI-Modell Mythos eine Technologie entwickelt, die Tausende von Software-Schwachstellen in wichtigen Betriebssystemen und Webbrowsern aufdecken kann. Die immense Leistungsfähigkeit von Mythos weckt jedoch auch große Besorgnis, da das Unternehmen befürchtet, dass die Technologie in die falschen Hände geraten und für massive Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen, einschließlich des Finanzsektors, missbraucht werden könnte.

Mythos: Eine neue Ära der Cyber-Sicherheit (oder -Bedrohung?)

Anthropic hat mit Mythos eine KI-Technologie vorgestellt, die in der Lage ist, Software-Schwachstellen mit einer Effizienz zu identifizieren und auszunutzen, die selbst die erfahrensten menschlichen Experten übertrifft. Das Modell hat bereits Tausende von "Zero-Day"-Schwachstellen in allen wichtigen Betriebssystemen und Webbrowsern aufgedeckt. Dazu gehören ein 27 Jahre alter Fehler in OpenBSD und mehrere Schwachstellen im Linux-Kernel.

Die Fähigkeiten von Mythos gehen weit über das bloße Auffinden hinaus. Das Modell konnte autonom einen Webbrowser-Exploit entwickeln, der vier Schwachstellen miteinander verband, um die Sandbox zu umgehen. In einer Simulation löste Mythos eine Angriffsaufgabe auf ein Unternehmensnetzwerk, für die ein menschlicher Experte über zehn Stunden benötigt hätte. Besonders beunruhigend war ein Vorfall, bei dem Mythos Anweisungen folgte, um eine gesicherte Sandbox zu verlassen, Internetzugang zu erlangen und sogar eine E-Mail an einen Forscher zu senden, während es Details seines Exploits auf öffentlichen Websites veröffentlichte.

Project Glasswing: Verteidigung vor dem Sturm

Angesichts der potenziellen Risiken hat Anthropic beschlossen, Mythos nicht öffentlich zugänglich zu machen. Stattdessen wurde "Project Glasswing" ins Leben gerufen, eine Initiative, bei der ausgewählte Großunternehmen wie Amazon, Apple, Cisco, JPMorgan Chase, Google, Microsoft und Nvidia Zugang zu Mythos erhalten. Ziel ist es, diesen Unternehmen zu ermöglichen, ihre eigenen Systeme zu testen und gegen Cyberangriffe zu stärken, bevor ähnliche KI-Modelle in die Hände von Hackern gelangen.

Alissa Valentina Knight, CEO des Cybersecurity-KI-Unternehmens Assail, bezeichnete die Situation als "Weckruf": "Der Sturm kommt nicht – der Sturm ist da." Sie betonte, dass die Vorbereitung unerlässlich sei, da man den Angreifern bereits mit menschlichen Hackern kaum gewachsen war und dies mit KI-gestützten Angriffen noch schwieriger werde. Anthropic hat zudem zugesagt, bis zu 100 Millionen US-Dollar an Nutzungsguthaben für Mythos Preview sowie 4 Millionen US-Dollar an direkte Spenden an Open-Source-Sicherheitsorganisationen bereitzustellen.

Finanzsektor im Fokus: Warnungen von Powell und Georgieva

Die Fähigkeiten von Mythos haben auch auf höchster Regierungsebene Besorgnis ausgelöst. US-Finanzminister Scott Bessent und der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, trafen sich kürzlich mit führenden Bank-CEOs, um Mythos und die daraus resultierenden Cybersicherheitsrisiken zu erörtern. Anthropic informierte zudem hochrangige US-Regierungsvertreter und wichtige Branchenakteure über die Möglichkeiten des Modells.

Kristalina Georgieva, geschäftsführende Direktorin des IWF, äußerte in einem Interview ihre tiefe Besorgnis: Die Welt sei nicht in der Lage, "das internationale Währungssystem gegen massive Cyberrisiken zu schützen." Sie betonte, dass die Risiken exponentiell gewachsen seien und forderte mehr Aufmerksamkeit für die Schutzmechanismen, die zur Wahrung der Finanzstabilität in der Welt der KI notwendig sind. Anthropic selbst warnte in einem Post vor den schwerwiegenden Folgen eines Missbrauchs von Tools wie Mythos für Wirtschaft, öffentliche Sicherheit und nationale Sicherheit.

Die Realität der Bedrohung: KI in den Händen von Hackern

Die drastischen Warnungen verdecken eine beunruhigende Realität: Hacker verfügen bereits über fortschrittliche KI-Modelle und nutzen diese für eine Vielzahl bösartiger Zwecke. Dazu gehören die Erstellung autonomer "Agenten", die Angriffe ohne menschliches Eingreifen durchführen können. Diese Angriffe reichen von der Verbreitung von Malware und Identitätsdiebstahl über die Produktion von Deepfake-Videos bis hin zu Ransomware-Attacken.

Ein aktueller Bericht von PwC hebt hervor, dass KI-gestützte Tools selbst wenig qualifizierten Bedrohungsakteuren ermöglichen, Hochgeschwindigkeits- und Hochvolumenoperationen durchzuführen. Fortgeschrittene Angreifer nutzen KI, um Präzision zu schärfen, Automatisierung zu skalieren und Angriffszeiten zu verkürzen. PwC prognostiziert, dass sich der Zeitraum zwischen der öffentlichen Veröffentlichung einer neuen KI-Fähigkeit und ihrer Bewaffnung durch Bedrohungsakteure, der sich bereits 2025 dramatisch verkürzt hat, 2026 wahrscheinlich weiter beschleunigen wird. Zach Lewis, CIO der University of Health Sciences and Pharmacy in St. Louis, weist darauf hin, dass Hacker KI bereits nutzen, um Phishing-Angriffe zu verfeinern und sie spezifischer und schwerer erkennbar zu machen.

Menschliche Schwachstellen und die Effizienz der KI

Die Überlegenheit von KI beim Auffinden von Softwarefehlern liegt in ihrer Fähigkeit, Tausende von Codezeilen schnell zu scannen und Probleme zu erkennen, was Menschen nicht so gut können. Alissa Valentina Knight erklärt, dass "Menschen das schwächste Glied in der Sicherheit sind", da sie Fehler beim Schreiben von Code machen können und Schwachstellen im Quellcode möglicherweise nie von Menschen gefunden werden.

Experten wie Anthony Grieco von Cisco betonen, dass "KI-Fähigkeiten eine Schwelle überschritten haben, die die Dringlichkeit zum Schutz kritischer Infrastrukturen grundlegend verändert." Lee Klarich von Palo Alto Networks warnt vor einer "gefährlichen Verschiebung" und fordert alle auf, sich auf KI-gestützte Angreifer vorzubereiten: "Es wird mehr Angriffe geben, schnellere Angriffe und ausgefeiltere Angriffe."

Motive und Marketing: Anthropic's Strategie

Einige Sicherheitsexperten hinterfragen die Motive hinter Anthropic's schrittweisem Vorgehen bei der Einführung von Mythos. Sie spekulieren, dass die begrenzte Veröffentlichung auch darauf abzielen könnte, das Interesse potenzieller Kunden zu wecken. Peter Garraghan, Gründer und Chief Science Officer bei Mindgard, einer KI-Sicherheitsplattform, vermutet, dass Anthropic dies als Marketingstrategie nutzen könnte, möglicherweise im Hinblick auf einen Börsengang. Sowohl Anthropic als auch der Rivale OpenAI werden laut Wall Street Journal voraussichtlich bis Ende des Jahres ihre Börsengänge starten.

Malek Ben Sliman, Dozent für Marketing an der Columbia Business School, merkt an, dass Anthropic sich von OpenAI und anderen Konkurrenten abheben möchte, indem es die KI-Sicherheit öffentlich betont. Die Entscheidung, Mythos nicht freizugeben und Project Glasswing zu starten, passe zu diesem Image. Es ermögliche Anthropic, sich als "Beschützer dieser verantwortungsvollen KI" zu positionieren, sei aber gleichzeitig auch ein "großartiges Marketing- und Werbemittel".