Anthropic vs. Pentagon: KI-Streit um nationale Sicherheit und Werte

Anthropic vs. Pentagon: KI-Streit um nationale Sicherheit und Werte

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Der KI-Entwickler Anthropic befindet sich in einem tiefgreifenden Konflikt mit der US-Regierung. Nach der Einstufung des Unternehmens als "Lieferkettenrisiko für die nationale Sicherheit" durch Verteidigungsminister Pete Hegseth verteidigt CEO Dario Amodei die Entscheidung seines Unternehmens, dem US-Militär nicht uneingeschränkten Zugang zu seinen KI-Modellen zu gewähren. Amodei bezeichnet die Maßnahmen als "vergeltend und strafend" und betont die Notwendigkeit, demokratische Werte zu wahren.

Anthropic im Konflikt mit dem Pentagon

Anthropic, unter der Führung von CEO Dario Amodei, hat sich als eines der engagiertesten KI-Unternehmen in der Zusammenarbeit mit der US-Regierung und dem Militär positioniert. Das Unternehmen war das erste, das seine Modelle in der klassifizierten Cloud bereitstellte und maßgeschneiderte Modelle für nationale Sicherheitszwecke entwickelte. Diese werden in der gesamten Geheimdienstgemeinschaft und beim Militär für Anwendungen wie Cyber-Operationen und Kampfunterstützung eingesetzt.

Trotz dieser engen Zusammenarbeit eskalierte der Konflikt, nachdem Anthropic sich weigerte, dem US-Militär uneingeschränkten Zugang zu seiner KI-Technologie zu gewähren. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte das Unternehmen daraufhin zu einem "Lieferkettenrisiko für die nationale Sicherheit", was Militärlieferanten die Zusammenarbeit mit Anthropic untersagt. Präsident Trump ordnete zudem an, dass alle Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic-Technologie "sofort" einstellen und innerhalb von sechs Monaten auslaufen lassen sollen. Im Juli 2025 hatte das Pentagon Anthropic einen Vertrag über 200 Millionen Dollar für die Entwicklung von KI-Fähigkeiten zur Stärkung der nationalen Sicherheit zugesprochen.

Die "roten Linien" von Anthropic

Anthropic hat dem Verteidigungsministerium zugesagt, 98% oder 99% der gewünschten Anwendungsfälle zu unterstützen. Es gibt jedoch zwei "rote Linien", die das Unternehmen nicht überschreiten möchte:

  • Inländische Massenüberwachung: Anthropic befürchtet, dass KI Möglichkeiten schafft, die zuvor nicht existierten, wie die massenhafte Analyse von Daten, die von privaten Firmen gesammelt und von der Regierung gekauft werden. Diese Praktiken könnten legal sein, waren aber vor der KI-Ära nicht praktikabel, wodurch die Technologie dem Gesetz voraus ist.
  • Vollständig autonome Waffen: Hierbei handelt es sich um Waffen, die ohne menschliches Eingreifen feuern. Amodei betont, dass die heutigen KI-Systeme bei weitem nicht zuverlässig genug für solche Anwendungen sind und eine grundlegende Unvorhersehbarkeit aufweisen. Zudem fehle eine Debatte über die Aufsicht und Verantwortlichkeit bei einem Einsatz großer Drohnen- oder Roboterarmeen ohne menschliche Kontrolle.

Amodei zufolge hat das Pentagon zwar "im Prinzip" diesen beiden Einschränkungen zugestimmt, die vorgeschlagenen Formulierungen enthielten jedoch Klauseln wie "Wenn das Pentagon es für angemessen hält" oder "im Einklang mit den Gesetzen", die keine sinnvolle Zugeständnisse darstellten.

Vorwürfe der "Vergeltung" und "Bestrafung"

Dario Amodei bezeichnete die Maßnahmen der Regierung als "beispiellos" und "vergeltend und strafend". Er wies darauf hin, dass die Einstufung als "Lieferkettenrisiko" normalerweise gegen ausländische Gegner wie Kaspersky Labs oder chinesische Chiphersteller angewendet werde, nicht gegen ein amerikanisches Unternehmen. Amodei kritisierte auch einen Tweet von Verteidigungsminister Hegseth, der die Auswirkungen der Einstufung übertrieben darstellte. Laut Amodei besagt das Gesetz lediglich, dass Anthropic nicht im Rahmen von Militärverträgen genutzt werden darf, nicht dass jegliche Geschäftsbeziehung untersagt ist.

Anthropic hat angeboten, die Dienste während eines Übergangszeitraums aufrechtzuerhalten, um eine Unterbrechung für das Militär zu vermeiden. Amodei betonte, dass das Unternehmen weiterhin an einer Einigung interessiert sei, solange diese die "roten Linien" respektiert.

Die Rolle des Kongresses und die Zukunft der KI-Regulierung

Amodei ist der Ansicht, dass langfristig der Kongress die Aufgabe hat, Gesetze zu verabschieden, die mit der rasanten Entwicklung der KI-Technologie Schritt halten. Er verweist auf die exponentielle Entwicklung der KI, bei der die Rechenleistung der Modelle alle vier Monate verdoppelt wird – ein Tempo, das in anderen Industrien beispiellos ist. Da der Kongress jedoch langsam agiert, sieht Anthropic sich in der Pflicht, vorübergehend "eine Grenze zu ziehen".

Der CEO argumentiert, dass inländische Massenüberwachung nicht dazu beiträgt, die USA gegenüber ihren Gegnern zu stärken. Bei vollständig autonomen Waffen räumt er ein, dass diese irgendwann notwendig sein könnten, wenn Gegner sie besitzen, aber die Technologie sei noch nicht bereit und eine Debatte über Zuverlässigkeit und Aufsicht sei unerlässlich. Anthropic hat angeboten, bei der Entwicklung dieser Technologien in einer "Sandbox"-Umgebung zu helfen.

Auswirkungen auf Anthropic und die nationale Sicherheit

Trotz der Drohungen und der Einstufung als "Lieferkettenrisiko" zeigt sich Amodei zuversichtlich, dass Anthropic als Unternehmen überleben wird. Er sieht die Auswirkungen der Bezeichnung als "ziemlich gering" und die Kommunikation der Regierung als Versuch, "Angst, Unsicherheit und Zweifel" zu säen. Sollte es zu einer formellen Maßnahme kommen, kündigte Amodei an, diese vor Gericht anzufechten.

Amodei betonte, dass die Weigerung, uneingeschränkten Zugang zu gewähren, nicht aus Eigennutz, sondern aus dem Wunsch heraus geschehe, die nationalen Sicherheitsinteressen der USA im Einklang mit den demokratischen Werten zu verteidigen. Er verwies auf die 99% der Anwendungsfälle, die die militärischen Fähigkeiten revolutionieren könnten, ohne die "roten Linien" zu überschreiten.

Anthropic: Patriotisch, nicht parteiisch

Auf die Bezeichnung als "linksgerichtetes, wokes Unternehmen" durch Präsident Trump reagierte Amodei mit dem Hinweis, dass Anthropic sich bemüht habe, neutral und unparteiisch zu sein. Er habe sich mit dem Präsidenten getroffen und in vielen Aspekten seiner Politik Übereinstimmung gefunden, beispielsweise bei der Energieversorgung für KI-Modelle oder dem Einsatz von KI im Gesundheitswesen.

Amodei bekräftigte, dass Anthropic aus "patriotischen Amerikanern" bestehe, die alles für die nationale Sicherheit des Landes getan hätten. Das Ziehen der "roten Linien" sei ein Akt des Eintretens für amerikanische Werte. "Der Regierung zu widersprechen, ist das amerikanischste, was es gibt", so Amodei. Er betonte, dass das Unternehmen weiterhin bereit sei, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, solange seine Prinzipien respektiert werden.

Erwähnte Persönlichkeiten