
Arbeiten im Ruhestand: Eine verbreitete Praxis
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Wer im Ruhestand weiterhin arbeitet und gleichzeitig Leistungen der US-amerikanischen Social Security bezieht, muss sich mit komplexen Regeln auseinandersetzen. Rund 40 % der Rentner arbeiten laut dem Center for Retirement Research des Boston College auch nach Rentenbeginn noch mehrere Jahre, oft um das Einkommen aufzubessern. Dabei können Einkommensgrenzen zu vorübergehenden Kürzungen der Rentenleistungen führen, die jedoch nicht dauerhaft verloren gehen.
Arbeiten im Ruhestand: Eine verbreitete Praxis
Viele Menschen entscheiden sich dafür, auch nach dem Beginn des Bezugs von Social Security Altersrenten weiterhin erwerbstätig zu sein. Dies kann jedoch, zumindest vorübergehend, Auswirkungen auf die Höhe der ausgezahlten Rentenleistungen haben. Die Social Security Administration (SSA) hat spezifische Regeln für den sogenannten "Earnings Test", der greift, wenn man vor Erreichen des offiziellen Vollrentenalters (Full Retirement Age, FRA) arbeitet.
Die Regeln des Social Security Earnings Test
Die Regeln, die zu einer potenziellen Kürzung der Social Security Leistungen führen können, gelten ausschließlich, wenn das offizielle Vollrentenalter (FRA) noch nicht erreicht wurde. Für Personen, die 1960 oder später geboren wurden, liegt dieses Alter ab 2026 bei 67 Jahren. Wer dieses Alter erreicht hat oder älter ist, ist von diesen Regeln nicht betroffen.
Wenn Sie jedoch noch nicht Ihr FRA erreicht haben und gleichzeitig arbeiten und Social Security Leistungen beziehen, reduziert die Social Security Administration (SSA) Ihre jährlichen Leistungen für Einkommen, das über einer bestimmten Grenze liegt.
- Einkommensgrenze vor dem FRA-Jahr: Für 2026 liegt diese Grenze bei 24.480 US-Dollar. Bis zu diesem Betrag können Sie ohne negative Auswirkungen verdienen. Für jeden Dollar, der über dieser Grenze liegt, werden die jährlichen Leistungen um 1 US-Dollar gekürzt. Dies bedeutet, dass für je 2 US-Dollar, die über der Grenze verdient werden, die Leistungen um 1 US-Dollar reduziert werden. Bei ausreichend hohem Einkommen könnten die Social Security Leistungen sogar vollständig entfallen. Die SSA kann Anpassungen der Leistungen innerhalb weniger Wochen basierend auf den gemeldeten Einkommenssteuern vornehmen.
- Einkommensgrenze im Jahr des Erreichens des FRA: Für das Jahr, in dem Sie Ihr Vollrentenalter erreichen, gelten andere Regeln. In diesem Jahr reduziert die SSA die Leistungen um 1 US-Dollar für je 3 US-Dollar, die über einem Betrag von 65.160 US-Dollar verdient werden. Diese Zählung stoppt jedoch im Monat vor dem Erreichen des FRA.
Keine dauerhaften Verluste, aber wichtige Unterschiede
Es ist wichtig zu verstehen, dass die Reduzierung der Social Security Leistungen aufgrund des Earnings Tests keine dauerhaften Verluste darstellt. Vielmehr handelt es sich um eine Verschiebung dieser Zahlungen. Die Social Security Administration berechnet regelmäßig neu, was Ihnen in Zukunft zusteht, um die Beträge widerzuspiegeln, die Sie aufgrund Ihrer Beschäftigung vor dem Erreichen Ihres FRA nicht erhalten haben. Dies führt zu entsprechend höheren zukünftigen Zahlungen.
Eine andere Situation entsteht, wenn man Social Security Leistungen vor dem Vollrentenalter beantragt, unabhängig davon, ob man noch arbeitet. Ab dem Alter von 62 Jahren ist man grundsätzlich berechtigt, Leistungen zu beantragen. Das Beantragen vor dem FRA führt jedoch zu einer dauerhaften Reduzierung der monatlichen Zahlungen. Wenn Sie also noch ein stabiles Einkommen aus einer Beschäftigung beziehen, sollten Sie abwägen, ob Sie dauerhaft reduzierte Social Security Schecks in Kauf nehmen möchten.
Vorteile des Aufschiebens der Rentenbeantragung
Das Aufschieben des Bezugs von Social Security Leistungen über das Vollrentenalter hinaus kann sich finanziell lohnen. Für jedes Jahr, das Sie mit dem Antrag warten – bis zum Alter von 70 Jahren – erhalten Ihre Leistungen einen Zuschlag von 8 %. Nach dem 70. Lebensjahr wachsen die Leistungen jedoch nicht weiter. Es gibt also keinen zusätzlichen Vorteil, die Beantragung über das Alter von 70 Jahren hinaus zu verzögern, selbst wenn Sie weiterhin arbeiten möchten.
Jährliche Anpassungen: Die COLA und Inflation
Die Social Security Leistungen sind nicht statisch, sondern werden jährlich durch eine sogenannte Cost-of-Living Adjustment (COLA) an die Inflation angepasst. Dies soll Rentnern helfen, mit steigenden Preisen Schritt zu halten. Die Leistungsanpassung betrug 2,8 % im Jahr 2026, lag bei 2,5 % im Jahr 2025 und bei 3,2 % im Jahr 2024.
Die Berechnung der COLA erfolgt durch die Social Security Administration (SSA) auf Basis des Consumer Price Index for Urban Wage Earners and Clerical Workers (CPI-W). Dieser Inflationsindex, der monatlich vom U.S. Bureau of Labor Statistics veröffentlicht wird, konzentriert sich auf die Preise, die von Arbeitnehmern in städtischen Gebieten gezahlt werden. Die SSA verwendet die durchschnittlichen CPI-W-Werte des dritten Quartals des aktuellen und des vorherigen Jahres, um die COLA für das Folgejahr zu bestimmen.
Für 2027 könnten Rentner eine deutlich höhere Social Security "Erhöhung" erhalten, was auf aktuelle Inflationsprognosen zurückzuführen ist. Während die Federal Reserve für 2026 eine Inflation von 2,7 % prognostiziert, rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit einer US-Inflation von 4,2 % für 2026, eine deutliche Erhöhung gegenüber ihrer früheren Prognose von 2,8 %. Als Hauptursachen für diese höhere Prognose nennt die OECD den Krieg mit dem Iran und die Zollpolitik von Präsident Trump.
Ein höherer COLA ist jedoch nicht ausschließlich positiv zu bewerten, da die jährlichen Leistungsanpassungen erst erfolgen, nachdem Rentner bereits höhere Preise erfahren haben. Dies bedeutet, dass die Kaufkraft zunächst sinkt, bevor die Anpassung greift.