AT&T unter Klageverdacht: Altersdiskriminierung durch Umzugspflicht?

AT&T unter Klageverdacht: Altersdiskriminierung durch Umzugspflicht?

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Der Telekommunikationsriese AT&T steht im Fokus zweier aktueller Klagen, die schwere Vorwürfe der Altersdiskriminierung erheben. Ehemalige Mitarbeiter behaupten, die unternehmensweite Umzugspflicht sei gezielt eingesetzt worden, um ältere Angestellte aus dem Unternehmen zu drängen und durch jüngere zu ersetzen. Im Zentrum der Anschuldigungen stehen Äußerungen von CEO John Stankey, die eine Präferenz für eine jüngere Belegschaft nahelegen sollen.

Hintergrund der Klagen gegen AT&T

Die Klagen wurden im Dezember in North Carolina und im April in New Jersey eingereicht. Beide Kläger hatten zuvor Beschwerden bei der US Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) eingereicht und erhielten nach ihrem Ausscheiden aus dem Unternehmen das Recht, innerhalb von 90 Tagen zu klagen. Die Vorwürfe konzentrieren sich auf die Rückkehr ins Büro (Return-to-Office, RTO) und die damit verbundenen Umzugspflichten, die AT&T 2023 für rund 60.000 Manager an neun zentralen Standorten in den USA einführte. Etwa 9.000 Manager standen damals vor der Wahl: umziehen oder den Arbeitsplatz verlieren.

Stankeys umstrittene Äußerungen

Die Klagen zitieren CEO John Stankey mit Aussagen aus dem Jahr 2023, die die Notwendigkeit einer jüngeren Belegschaft bei AT&T betonten. In einer unternehmensweiten Live-Stream-Sitzung am 26. Juli 2023 soll Stankey gesagt haben: "Wir haben ein mathematisches Problem in unserem Unternehmen. Das Profil unserer Belegschaft stimmt nicht mit dem Profil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten und dem Kundenstamm überein, weder demografisch noch altersmäßig. Wir brauchen jüngere Leute, die in diesem Unternehmen arbeiten." Er fügte hinzu: "Es ist schwer, sich von dem zu verabschieden, was wir kennen, und von wirklich gut ausgebildeten Menschen, die viel Erfahrung haben. Es kann emotional sein. Aber es ist auch eine großartige Gelegenheit für uns."

Diese altersbezogenen Kommentare Stankeys aus dem Juli 2023 stimmen mit den Aussagen von mehr als einem halben Dutzend AT&T-Mitarbeitern gegenüber Business Insider überein. Mehrere dieser Mitarbeiter gaben an, dass Town Halls vor diesem Treffen typischerweise aufgezeichnet und im Unternehmensintranet verteilt wurden, diese spezielle Sitzung jedoch nicht veröffentlicht wurde. Bei einer späteren Open-Mic-Veranstaltung in New Jersey soll Stankey sich selbst als "alten Mann" mit "vielen grauen Haaren" bezeichnet haben, der "nicht mehr lange arbeiten" werde, während er jüngeren Mitarbeitern im Raum sagte, sie "sehen wunderbar aus."

Die Fälle Lopez und Wall

Die Klage aus April stammt von der ehemaligen Direktorin Lorraine Lopez, die nach 30 Jahren bei AT&T im Alter von 58 Jahren als "überzählig" eingestuft wurde. Lopez' Beschwerde behauptet, dass "AT&T auf höchster Ebene offen Feindseligkeit gegenüber seinen älteren Mitarbeitern und seine Präferenz für jüngere Mitarbeiter zum Ausdruck brachte." Ihre Versetzung von einem Büro in New Jersey zu einem Hub in Atlanta sei unnötig gewesen, da ihre Aufgaben keine Präsenz in diesem Büro erforderten und keine Umzugskostenerstattung angeboten wurde. Sie behauptet, jüngeren Kollegen in vergleichbaren Positionen sei es erlaubt worden, an Nicht-Kernstandorten zu bleiben, hybrid zu arbeiten oder mit Umzugsunterstützung in günstigere Büros zu wechseln. Als sie den Umzug ablehnte, wurde ihr Arbeitsverhältnis beendet. Die Klage führt zudem an, dass AT&T weiterhin jüngere Mitarbeiter, darunter 24- und 31-Jährige, in ihre Abteilung einstellte, während sie entlassen wurde. Lopez zufolge wurde auf ihre Bedenken bezüglich Altersdiskriminierung im Juni 2024 nicht reagiert.

Die Klage von Kimberly Wall aus North Carolina, die sich in Mediation befindet, wirft AT&T Diskriminierung aufgrund von Alter, Geschlecht und Behinderung vor. Ihr wurde 2023 die Fortsetzung der Remote-Arbeit, die von ihrem Arzt empfohlen wurde, verweigert. Auch in diesem Fall soll Stankey auf Bedenken bezüglich des Verlusts älterer Mitarbeiter mit den Worten "Wir brauchen junge Leute" reagiert haben.

AT&Ts Verteidigung und frühere Vorwürfe

Ein Sprecher von AT&T bezeichnete die Klage als "haltlos" und kündigte an, das Unternehmen werde sich vor Gericht verteidigen. Bezüglich Lorraine Lopez erklärte der Sprecher: "Diese Mitarbeiterin war kein Opfer von Diskriminierung; sie entschied sich, ihren Job zu kündigen, weil sie nicht mit dem Rest ihres Teams umziehen wollte." Bis Mittwochmorgen hatte AT&T noch keine gerichtliche Stellungnahme eingereicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass AT&T mit Altersdiskriminierungsvorwürfen konfrontiert wird. Die Klage verweist auf zwei frühere Jury-Urteile gegen das Unternehmen vor einem Bundesgericht in Pennsylvania sowie auf mehrere andere anhängige oder beigelegte Fälle mit ähnlichen Anschuldigungen.

Auswirkungen auf die Belegschaft

Stankeys Äußerungen und die Umzugspflichten schürten bei Mitarbeitern die Sorge, dass die RTO- und Umzugsmandate auch dazu dienten, die Mitarbeiterzahl zu reduzieren, insbesondere bei langjährigen Angestellten. Interne Zahlen, die Business Insider vorlagen, zeigten, dass etwa die Hälfte der 318 Manager in einer Abteilung, die 2023 eine Umzugsbenachrichtigung erhielten, diese ablehnten und das Unternehmen verließen.

Die Gesamtmitarbeiterzahl von AT&T sank von über 160.000 zu Beginn des Jahres 2023 auf etwa 133.000 zu Beginn dieses Jahres. Dies entspricht einem Rückgang von rund 27.000 Mitarbeitern innerhalb eines Jahres. Ein gutes Jahr nach der ursprünglichen Umzugspflicht führte AT&T eine Fünf-Tage-Büropräsenzpflicht ein, die das vorherige Hybridmodell ersetzte.

Kulturwandel bei AT&T

In einem Memo vom August 2025 erklärte Stankey, das Unternehmen vollziehe einen Übergang weg von einer Kultur der "Loyalität, Betriebszugehörigkeit und Konformität mit der damit verbundenen Vergütung" hin zu einer "marktorientierteren Kultur – die sich auf die Belohnung von Fähigkeiten, Beitrag und Engagement konzentriert." Stankey äußerte sich später gegenüber CNBC, er wolle transparent sein, wie er das Unternehmen führt. Der Wall Street Journal sagte er, er sei zu langsam gewesen, den notwendigen "Kulturentwicklungsprozess" bei AT&T anzugehen.

Erwähnte Persönlichkeiten