
Atlantic-CEO Nicholas Thompson: Resilienz durch Laufen und Karriere-Rückschläge
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Nicholas Thompson, CEO von The Atlantic, hat das traditionsreiche Magazin nach Jahren der Anlaufschwierigkeiten wieder in die Profitabilität geführt und seine Präsenz in der Medienlandschaft gestärkt. Bevor er 2021 die Geschäftsführung übernahm, sammelte Thompson bedeutende Erfahrungen in Nachrichtenredaktionen, darunter der Aufbau von NewYorker.com zu einer vitalen digitalen Präsenz und eine preisgekrönte Zeit als Chefredakteur von Wired. Doch seine jüngsten Erkenntnisse, die er in seinem neuen Buch teilt, wurzeln tief in persönlichen Erfahrungen und seiner Leidenschaft für das Laufen.
"The Running Ground": Mehr als nur Sport
In seinem neuen Buch "The Running Ground" widmet Thompson seiner journalistischen Karriere nur wenige Seiten. Stattdessen konzentriert er sich auf seine Aktivitäten als Wettkampfläufer, einschließlich des Aufstellens des amerikanischen Rekords für Männer ab 45 Jahren im Jahr 2021, und seine Beziehung zu seinem Vater, W. Scott Thompson. Sein Vater, ein Politikwissenschaftsprofessor und Mitglied der Ford- und Reagan-Administrationen, war die erste offen schwule präsidiale Ernennung und führte ein Leben, das Nicholas Thompson als "ein Dutzend Romane oder vielleicht ein Shakespeare-Drama füllen könnte."
Thompson begann im Alter von fünf oder sechs Jahren mit dem Laufen und wurde in seinen 30ern und 40ern noch leidenschaftlicher. Er beschreibt das Laufen als einen wesentlichen Bestandteil seines täglichen Lebens, der ihm hilft, gute mentale Gewohnheiten aufzubauen, als Form der Meditation oder um mentalen Raum zu schaffen. Obwohl er keine umfassende Weltphilosophie daraus ableitet, sieht er darin "tiefere Metaphern", die seine Karriere prägen.
Lektionen aus dem Laufen: Höhen und Tiefen der Karriere
Thompson ist überzeugt, dass das Leben und die Karriere, ähnlich wie das Laufen, in Wellen verlaufen. Man erzielt nicht bei mehreren aufeinanderfolgenden Marathons persönliche Bestleistungen; "man macht es gut und dann macht man es schlecht." Diese Erkenntnis, dass man mit Rückschlägen umgehen muss – sei es durch mangelnde Konzentration, eine Plantarfasziitis oder eine falsche Mahlzeit vor dem Rennen – verändert die Denkweise über das Leben.
Er rät dazu, in guten Zeiten nicht zu übermütig zu werden und in schlechten Zeiten nicht zu verzweifeln. Diese Perspektive hilft ihm, auch wenn The Atlantic derzeit erfolgreich ist, niemals zu selbstsicher zu sein, dass es so bleiben wird. Diese "gesunde Paranoia" ist für ihn ein Schutzmechanismus. Wenn er beim Laufen übertrainiert, bekommt er Sehnenentzündungen im Knie und kann diese frühzeitig erkennen, um sein Training anzupassen.
Die prägende Entlassung bei 60 Minutes
Eine der prägendsten Erfahrungen in Thompsons Karriere war seine Entlassung bei 60 Minutes an seinem ersten Arbeitstag in den späten 1990er Jahren. Die Geschichte ist bekannt: Der legendäre Produzent Phil Scheffler erkannte Thompsons mangelnde TV-Erfahrung und entließ ihn umgehend. Thompson, damals ein junger Mann, hatte keine TV-Referenzen vorzuweisen, als er nach seinen Qualifikationen gefragt wurde.
Fünfzehn Jahre nach dieser demütigenden Erfahrung kam es zu einem unerwarteten Wiedersehen. Bei einer Livingston Award-Verleihung, bei der Thompsons Arbeit für den New Yorker gelobt wurde, traf er auf Steve Kroft, einen der Korrespondenten von 60 Minutes. Kroft erkannte Thompson nicht von der Entlassung, sondern vom Abend der Preisverleihung. Als Thompson ihm die "lustige Verbindung" erklärte – "Ich habe eine Stunde für Sie gearbeitet und wurde gefeuert" – reagierte Kroft sofort: "Sie sind das Kind? Ich konnte nicht glauben, dass dieser [Schimpfwort] Sie gefeuert hat. Und es tut mir so leid, dass wir Sie nicht unterstützt haben." Diese späte Bestätigung gab Thompson ein Gefühl der Genugtuung und bestärkte ihn in seiner Überzeugung, dass man "einfach weitermachen" muss.
Frühe Herausforderungen und der Einfluss des Vaters
Thompsons Vater, W. Scott Thompson, erlebte akademischen und beruflichen Erfolg, bevor sein Leben nach seinem Coming-out als schwul in "völliges Chaos" geriet. Er lehrte seinen Sohn die Dynamik: "Wen die Götter vernichten wollen, den machen sie zuerst vielversprechend." Diese Beobachtung prägte Nicholas Thompsons Perspektive und seine Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen.
Thompson selbst hatte in seinen Zwanzigern "viel berufliches Scheitern". Nach seiner Entlassung bei 60 Minutes reiste er durch Afrika, wo er von Drogendealern entführt wurde – eine Erfahrung, über die er für The Washington Monthly schrieb. Er wurde auch mit Krebs diagnostiziert, erholte sich jedoch und setzte sein Lauftraining fort. Diese Erfahrungen an der Schwelle zur Sterblichkeit lehrten ihn, sich zu konzentrieren und nicht nachzulassen. Er absolvierte ein Doppelstudium in Erdsystemen und Politikwissenschaft an der Stanford University, erfüllte auch die Anforderungen für ein Wirtschaftsstudium und war in seiner Jugend ein aktiver Kolumnist für The Daily und Mitbegründer von The Thinker.
Thompsons Rat für die Gen Z und darüber hinaus
Angesichts der Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt 2025 rät Thompson der Gen Z, sich nicht zu sehr von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Sein Rat ist klar: "Wenn Sie gefeuert werden, machen Sie einfach weiter und lassen Sie sich nicht zu sehr entmutigen."
Er empfiehlt, im Studium den eigenen Leidenschaften zu folgen und den Abschluss zu wählen, der am "aufregendsten" ist. Danach sollte man sich jedoch genau überlegen, wo die Karriere hingehen soll. Thompson betont die Bedeutung, einen Arbeitsplatz zu finden, an dem man von klugen Kollegen lernen kann und wo sowohl Weggefährten als auch Mentoren vorhanden sind, die einen besser machen. Unter seiner Führung hat The Atlantic mit 167 Jahren Geschichte die höchste Abonnentenzahl erreicht, was seine Philosophie des kontinuierlichen Lernens und der Resilienz unterstreicht.