
Banken in Sorge: $6 Billionen könnten zu Zins-Stablecoins abwandern
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Brian Moynihan, CEO der Bank of America (NYSE:BAC), hat davor gewarnt, dass die Zulassung von zinstragenden Stablecoins bis zu 6 Billionen US-Dollar an Einlagen aus dem traditionellen Bankensystem abziehen könnte. Diese Entwicklung würde Banken dazu zwingen, sich auf teurere Großhandelsfinanzierungen zu verlassen, anstatt auf günstige Kundeneinlagen, was weitreichende Folgen für die Kreditmärkte hätte.
Banken fürchten Milliardenabzug durch Stablecoins
Moynihan äußerte sich während der Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen der Bank und betonte, dass Stablecoins, die wie Geldmarktfonds strukturiert sind, Einlagen aus dem Bankensystem abziehen würden. Er verglich Stablecoins mit Geldmarktfonds, deren Reserven typischerweise in kurzfristigen Staatsanleihen geparkt werden und nicht zur Kreditvergabe dienen.
Die Projektion von bis zu 6 Billionen US-Dollar basiert auf einer Studie des US-Finanzministeriums und entspricht etwa 30 bis 35 Prozent der gesamten US-Bankeinlagen. Dieser massive Abfluss würde Banken ihre kostenlose Finanzierungsquelle entziehen.
Warum Banken Zins-Stablecoins bekämpfen
Das Kernproblem ist einfach: Wenn Stablecoins eine Rendite von 4 % bieten, während Banken auf Sparkonten nur 0,1 % zahlen, würden Einleger ihr Geld in die Blockchain verlagern.
Die Konsequenzen für das Bankensystem wären erheblich:
- Verlust kostenloser Finanzierungsquellen: Banken müssten entweder die Kreditvergabe reduzieren oder sich bei der Federal Reserve zu Marktzinsen refinanzieren.
- Steigende Kreditkosten: Dies würde die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher in die Höhe treiben.
- Auswirkungen auf KMU: Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die stark auf traditionelle Bankkredite angewiesen sind, wären betroffen.
Moynihan erklärte: „Wenn man Einlagen abzieht, werden sie entweder keine Kredite vergeben können, oder sie müssen sich über den Großhandel finanzieren, und diese Großhandelsfinanzierung wird Kosten verursachen.“
Der Gesetzesentwurf im Senat: Zinsverbot vs. Aktivitätsprämien
Ein am 9. Januar vom Vorsitzenden des Bankenausschusses, Tim Scott (R-SC), veröffentlichter Gesetzentwurf zur Kryptomarktstruktur im Senat versucht, diese Problematik zu regulieren. Der Entwurf beinhaltet ein Verbot der Zinszahlung für das bloße Halten von Stablecoins.
Allerdings erlaubt der Gesetzentwurf aktivitätsbasierte Belohnungen, wie zum Beispiel:
- Staking
- Bereitstellung von Liquidität
- Hinterlegung von Sicherheiten
Er blockiert jedoch Renditen auf ungenutzte Guthaben. Vor der geplanten Abstimmung am Mittwoch wurden mehr als 70 Änderungsanträge eingereicht, was den intensiven Lobbyismus sowohl von Banken als auch von Krypto-Unternehmen unterstreicht.
Widerstand aus der Krypto-Branche und politische Verzögerungen
Brian Armstrong, CEO von Coinbase Global Inc (NASDAQ:COIN), kündigte am Mittwoch an, dass die Börse den Gesetzentwurf in seiner aktuellen Form nicht unterstützen könne. Er erklärte, dass die Bestimmungen "Belohnungen auf Stablecoins töten" würden und die aktuelle Version "erheblich schlechter als der Status quo" sei.
Der Vorsitzende des Senats-Bankenausschusses, Tim Scott, verschob die Abstimmung später am Mittwoch und erklärte, dass "alle Beteiligten weiterhin am Tisch sitzen und in gutem Glauben zusammenarbeiten". Auch Demokraten drängen auf Ethikbestimmungen, nachdem Berichte zeigten, dass Präsident Donald Trump rund 620 Millionen US-Dollar aus Krypto-Unternehmungen seiner Familie generierte.
Der Senatsausschuss für Landwirtschaft hatte seine Abstimmung bereits auf den 27. Januar verschoben. Der republikanische Senator John Boozman erklärte, man habe Fortschritte in den Diskussionen gemacht, benötige aber zusätzliche Zeit, um strittige Punkte zu klären und breite Unterstützung zu sichern.
Die Bedeutung für die Krypto- und Finanzwelt
Die Genehmigung von zinstragenden Stablecoins würde massive Kapitalflüsse vom traditionellen Bankwesen in On-Chain-Assets freisetzen. Banken hingegen lobbyieren intensiv, um ihr Einlagengeschäft zu schützen, da sie Stablecoins als existenzielle Bedrohung für ihre Kreditvergabekapazität und Gewinnmargen ansehen.
Der legislative Kampf entscheidet darüber, ob Krypto direkt mit Banken um Einlagen konkurrieren kann oder ob es von der Möglichkeit ausgeschlossen bleibt, grundlegende Sparkontofunktionen anzubieten. Dies ist ein entscheidender Moment für die zukünftige Integration von Kryptowährungen in das globale Finanzsystem.