
Big Techs KI-Wetten: Milliardeninvestitionen und geteilte Marktstimmung
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Die jüngsten Quartalsberichte von vier der größten Tech-Unternehmen – Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta – haben einen tiefen Einblick in den intensiven Wettbewerb um die Vorherrschaft im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) gegeben. Mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von über 12 Billionen US-Dollar und geplanten Ausgaben von insgesamt 650 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 für KI-Infrastruktur, zeigen die Giganten eine unerschütterliche Entschlossenheit, Milliarden in ihre KI-Wetten zu pumpen. Diese ungewöhnliche, gleichzeitige Veröffentlichung der Ergebnisse der sogenannten "Magnificent Seven" bot einen Schnappschuss der Branche inmitten des KI-Booms.
KI-Wettlauf der Tech-Giganten
Obwohl es kein offizielles Ranking für KI-Ausgaben im Big Tech gibt, konkurrieren die Unternehmen, als gäbe es eines. Microsoft hat sich in dieser Runde mit Plänen, 190 Milliarden US-Dollar in Kapitalausgaben für dieses Jahr zu investieren, an die Spitze gesetzt. Die Wall Street beobachtet diese Ausgaben genau, da die Tech-Unternehmen die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur wie Rechenzentren anführen. Die Ergebnisse beruhigten einige Investorenbedenken hinsichtlich der Gesundheit der Tech-Branche, da die vier Unternehmen die Erwartungen der Wall Street bei Umsatz und Gewinn pro Aktie größtenteils übertrafen.
Microsoft: Cloud-Stärke und KI-Boom
Microsoft schloss sein drittes Geschäftsquartal 2026 mit einem Umsatz von 82,9 Milliarden US-Dollar ab, ein Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und übertraf damit die Prognose der Wall Street von 81,39 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn stieg um 23 Prozent auf 31,8 Milliarden US-Dollar, und der verwässerte Gewinn pro Aktie lag bei 4,27 US-Dollar, gegenüber erwarteten 4,06 US-Dollar.
Das KI-Geschäft von Microsoft übertraf eine jährliche Umsatzrate von 37 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 123 Prozent im Jahresvergleich. Satya Nadella, Chairman und CEO von Microsoft, betonte: "Wir konzentrieren uns darauf, Cloud- und KI-Infrastruktur und -Lösungen bereitzustellen, die jedes Unternehmen befähigen, seine Ergebnisse in der Ära des agentenbasierten Computings zu optimieren." Die Einführung von Microsoft 365 Copilot beschleunigt sich, mit 20 Millionen bezahlten Sitzen, ein Anstieg von 250 Prozent im Jahresvergleich. Die wöchentliche Nutzung von Copilot hat das Niveau von Outlook erreicht, was darauf hindeutet, dass das Tool für eine wachsende Zahl von Unternehmenskunden zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags geworden ist.
Die Microsoft Cloud generierte 54,5 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 29 Prozent, wobei Azure und andere Cloud-Dienste um 40 Prozent wuchsen. Trotz der hohen Investitionen erwartet CFO Amy Hood eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl in den kommenden Quartalen, um "Tempo und Agilität zu erhöhen".
Alphabet (Google): KI treibt Abonnements und Cloud an
Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, zeigte eine robuste Performance im ersten Quartal, wobei die Gewinne um 81 Prozent stiegen. Das Cloud-Computing-Geschäft verzeichnete das schnellste Umsatzwachstum seit 2020, mit Google Cloud, das ein Wachstum von 63 Prozent im Jahresvergleich meldete. Die Gewinne stiegen auf 62,6 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 34,5 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.
Die Abonnements des Suchgiganten sind im Aufwind, und Führungskräfte schreiben dies der KI zu. CFO Anat Ashkenazi erklärte, dass Google One-Abonnements "von der gestiegenen Nachfrage nach KI-Plänen profitierten". Das Geschäft mit Abonnements, Plattformen und Geräten wuchs um 19 Prozent, und Google zählt 350 Millionen zahlende Abonnenten über seine Dienste hinweg. Chief Business Officer Philipp Schindler äußerte sich offen für die Integration von Werbung in die Gemini App, da "Anzeigen, wenn gut gemacht, wirklich wertvoll sein können". Der Markt reagierte positiv auf die Ergebnisse und die erneute Erhöhung der Kapitalausgaben, was den Aktienkurs nachbörslich um mehr als 6 Prozent steigen ließ.
Amazon: AWS-Wachstum trotz Cashflow-Herausforderung
Amazon übertraf ebenfalls die Umsatzerwartungen und meldete einen Umsatz von 181,5 Milliarden US-Dollar, gegenüber 155,7 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Amazon Web Services (AWS) verzeichnete mit einem Umsatzsprung von 28 Prozent im letzten Quartal sein bestes Wachstum seit 2022. Amazon deutete an, dass es innerhalb der nächsten zwei Jahre beginnen könnte, seine Trainium KI-Chips an externe Kunden zu verkaufen.
Obwohl Amazon seine Kapitalausgabenpläne nicht anpasste – im letzten Quartal wurden 200 Milliarden US-Dollar für dieses Jahr geplant – gab es einen spürbaren Rückgang des freien Cashflows um 95 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. CEO Andy Jassy räumte kurzfristige Schmerzen ein, erklärte jedoch, dass es Zeit brauche, bis sich der Wert dieser Investitionen manifestiere. Er merkte an: "In Zeiten sehr hohen Wachstums, wie jetzt, wo das Capex-Wachstum das Umsatzwachstum deutlich übertrifft, ist der freie Cashflow in den Anfangsjahren herausgefordert." Der Aktienkurs von Amazon erholte sich nach anfänglichen Verlusten und stieg nachbörslich um 1 Prozent.
Meta: Hohe KI-Ambitionen belasten Aktienkurs
Meta verzeichnete im letzten Quartal einen Umsatzsprung von 33 Prozent auf 56,3 Milliarden US-Dollar und erwartet für das zweite Quartal einen Umsatz zwischen 58 und 61 Milliarden US-Dollar, was die Analystenschätzungen von 60 Milliarden US-Dollar übertrifft. Trotz dieser starken Zahlen belasteten die erneuten Pläne von CEO Mark Zuckerberg, die Kapitalausgaben für KI zu erhöhen, den Aktienkurs. Die Capex-Prognose für 2026 wurde auf 125 bis 145 Milliarden US-Dollar angehoben, was Investoren verunsicherte und zu einem Rückgang des Aktienkurses um mehr als 5 Prozent im nachbörslichen Handel führte.
Zuckerbergs Ambition, "persönliche Superintelligenz für Milliarden von Menschen zu liefern", treibt die massiven KI-Investitionen an. CFO Susan Li betonte, dass das Unternehmen einen "sehr ROI-basierten Prozess" verfolge, um sicherzustellen, dass alle Initiativen finanziert werden, die zukünftiges Wachstum vorantreiben. Li räumte jedoch ein, dass sie nicht genau wisse, wie die ideale Mitarbeiterzahl des Unternehmens aussehe, da sich die KI-Fähigkeiten schnell weiterentwickeln. Dies ist bemerkenswert, da Meta bereits zugesagt hat, im nächsten Monat 10 Prozent seiner Belegschaft zu entlassen, um "andere Investitionen auszugleichen". Der Markt wartet auf eine konkrete Monetarisierung der Produkte aus den Superintelligence Labs, wie das derzeit kostenlose Modell Muse Spark.
Divergierende Marktstimmung
Die Ergebnisse des Mittwochs beruhigten zwar einige Bedenken hinsichtlich der Gesundheit der Tech-Branche, zeigten aber eine deutliche Divergenz in der Reaktion der Aktienkurse. Während Alphabet nachbörslich um mehr als 6 Prozent zulegte und Amazon um 1 Prozent stieg, fiel Microsoft um 2 Prozent und Meta verzeichnete einen Rückgang von über 5 Prozent.
Die Tech-Branche sieht ihre immensen Ausgaben und den fieberhaften Fokus auf KI als erfolgreich an, da die Integration von KI und der Aufbau der Infrastruktur sich in steigenden Umsätzen auszahlen. Gleichzeitig geht die Umstellung auf KI mit weitreichenden Entlassungen einher; weltweit wurden in diesem Jahr bereits über 92.000 Tech-Mitarbeiter entlassen. Die vier Unternehmen, die zusammen über 30 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 ausmachen, signalisieren, dass der KI-Boom zwar rosige Aussichten für den Aktienmarkt bietet, aber auch eine Phase erheblicher Transformation und Unsicherheit für die Belegschaft darstellt.