
Bitcoin-Winter: Tech-Aktien wanken, Strategy am mNAV-Limit und Saylors Dilemma
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die Tech-Aktien mit Bezug zu Bitcoin zeigten über Nacht eine leichte Erholung, konnten jedoch die jüngsten Verluste nicht vollständig ausgleichen. Während Bitcoin im letzten Monat 21 % einbüßte, stabilisierte sich der Kurs zuletzt um 87.000 US-Dollar. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Krypto-Treasury-Unternehmen Strategy, dessen Marktkapitalisierung aktuell unter dem Wert seiner Bitcoin-Bestände liegt und dessen Schlüsselkennzahl, der mNAV, eine kritische Schwelle erreicht.
Volatile Märkte: Bitcoin und Tech-Aktien unter Druck
Die Tech-Aktien, die eng mit dem Bitcoin-Markt verbunden sind, erlebten nach jüngsten Rückgängen eine leichte Erholung im außerbörslichen Handel. Diese war jedoch nicht ausreichend, um die Verluste des Vortages vollständig zu kompensieren. Der Markt bleibt angespannt, da Bitcoin im letzten Monat einen Wertverlust von 21 % verzeichnete.
Aktuell stabilisierte sich der Bitcoin-Kurs bei rund 87.000 US-Dollar pro Coin und zeigte heute einen Anstieg von 0,72 %. Einzelne Unternehmen wie die Krypto-Handelsplattform Coinbase, die gestern 4,76 % verlor, legten über Nacht um 1,37 % zu. Robinhood verzeichnete gestern ein Minus von 4,09 % und stieg heute Morgen vorbörslich um 0,63 %.
Strategy im Fokus: Der mNAV-Schwellenwert
Im Zentrum der digitalen Asset-Diskussion steht Michael Saylors Unternehmen Strategy, der führende Bitcoin-Treasury-Anbieter. Die Marktkapitalisierung von Strategy ist nun geringer als der Wert der von ihr gehaltenen Bitcoins. Die Aktie fiel gestern um 3,25 %, erholte sich aber vorbörslich um 0,45 %.
Zum Zeitpunkt der Berichterstattung betrug die Marktkapitalisierung von Strategy 50,6 Milliarden US-Dollar, während ihre 650.000 Bitcoins einen Wert von 56,7 Milliarden US-Dollar hatten. Eine entscheidende Kennzahl für Strategy ist der "mNAV" (multiple to net asset value), ein Verhältnis, das den theoretischen Unternehmenswert (aktuell 65,2 Milliarden US-Dollar) zu den Bitcoin-Beständen beschreibt. Dieser Wert lag heute Morgen bei 1,15, was bedeutet, dass der Unternehmenswert 15 % über dem Wert der Bitcoins liegt.
Fällt der mNAV jedoch unter 1, droht Strategy eine Krise: Der Grund für das Halten der Aktie würde entfallen, und es wäre unwahrscheinlich, dass das Unternehmen weiteres Kapital erhält, was eine Phase heftiger Verkäufe auslösen könnte.
Saylors Strategie auf dem Prüfstand: Die Verkaufsoption
Die Situation verschärfte sich, nachdem Strategy-CEO Phong Le in einem Podcast erklärte, das Unternehmen sei bereit, einen Teil seiner Bitcoins zu verkaufen, um Dividendenzahlungen für seine Schulden und Vorzugsaktien zu erfüllen. Er sagte: "Da wir nun einen Bitcoin-Winter erleben und unser mNAV komprimiert wird, hoffe ich, dass unser mNAV nicht unter eins fällt. Aber wenn doch und wir keinen anderen Zugang zu Kapital hätten, würden wir Bitcoin verkaufen."
Diese Aussage ist bemerkenswert, da Gründer Michael Saylor wiederholt betonte, niemals Bitcoin zu verkaufen. Strategy hält derzeit etwas mehr als 3 % aller Bitcoins. Ein erzwungener Verkauf zur Kapitalbeschaffung könnte einen Dominoeffekt auslösen.
Hebelprodukte und Marktausblick
Trader, die auf gehebelte Wetten gegen Strategy setzten, wurden bereits hart getroffen. Zwei Exchange Traded Funds (ETFs), MSTX und MSTU, die die doppelten Renditen der zugrunde liegenden Strategy-Aktie versprachen, haben laut Bloomberg über 80 % ihres Wertes verloren. Zusammen mit einem dritten ETF, MSTP, belief sich der Wertverlust im letzten Monat auf 1,5 Milliarden US-Dollar.
Strategy-Aktien fielen am Dienstag, nachdem das Unternehmen laut Financial Times bekannt gab, eine "US-Dollar-Reserve" von 1,44 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung seiner Dividenden geschaffen zu haben und über genügend Liquidität für die nächsten 12-24 Monate zu verfügen. Patrick Horsman, Chief Investment Officer bei BNB Plus, äußerte gegenüber dem Wall Street Journal eine negative Einschätzung: "Ich denke, wir könnten Bitcoin wieder bis auf 60.000 Dollar fallen sehen... Wir glauben nicht, dass der Schmerz vorbei ist."
Regionale Dynamik und Fed-Einfluss
Der Bitcoin-Ausverkauf im November zeigte eine enge Korrelation mit den US-Handelszeiten, was auf eine zunehmende Angleichung an Tech-Aktien hindeutet. Laut Amberdata entfielen fast alle Bitcoin-Verluste im letzten Monat auf die US-Handelszeiten, mit kumulativen Rückgängen von fast 30 %. Im Gegensatz dazu blieben die asiatischen Sitzungen weitgehend stabil, während die europäischen Stunden leicht im Minus lagen.
Dieser Trend spiegelt die Performance von Megacap-Tech-Aktien wider, die unter Druck geraten sind. Gründe hierfür sind Bedenken hinsichtlich der Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed), hohe KI-bezogene Kapitalausgaben und eine Rotation in defensive Sektoren. Kyle Rodda, Senior Market Analyst bei Capital.com, betonte, dass Bitcoin und US-Tech-Aktien beides Risikoanlagen sind, stark von den geldpolitischen Erwartungen der USA beeinflusst werden und eine hohe Beteiligung von Privatanlegern aufweisen.
Entkopplung oder Korrektur?
Jahrelang bewegten sich Bitcoin und Tech-Aktien synchron, doch in den letzten Wochen wurde eine Entkopplung beobachtet. Während Bitcoin im letzten Monat um 20 % einbrach, legte der Nasdaq Index um 2 % zu. Historisch gesehen korrigierten sich solche Entkopplungen jedoch stets.
Die unerwartete Straffung der Geldpolitik durch die Federal Reserve hat die Bitcoin-Stimmung auf "extreme Angst" gedrückt und Massenliquidationen ausgelöst. Krypto-Treasury-Unternehmen haben seit Juli 77 Milliarden US-Dollar verloren. Die drohende Entfernung von Strategy aus einem Index am 15. Januar könnte zudem Abflüsse in Milliardenhöhe erzwingen.