BlackRock warnt: Die 60-40-Regel ist tot – Anleihen schützen Portfolios nicht mehr

BlackRock warnt: Die 60-40-Regel ist tot – Anleihen schützen Portfolios nicht mehr

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Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock warnt, dass die traditionelle Korrelation zwischen Aktien und Staatsanleihen, die jahrzehntelang Portfolios schützte, zerbricht. Geopolitische Spannungen, Energieschocks und hartnäckige Inflation führen dazu, dass Anleihen in turbulenten Zeiten nicht mehr als sicherer Hafen dienen. Dies erfordert ein Umdenken bei der Portfoliodiversifikation.

Das Ende einer Ära: Die 60-40-Regel in Gefahr

Seit Jahrzehnten verlassen sich Anleger auf eine einfache Marktbeziehung: Fallen die Aktienkurse, steigen die Preise von Staatsanleihen. Diese Prämisse bildete das Rückgrat des klassischen, ausgewogenen 60-40-Portfolios, das eine natürliche Absicherung bot.

BlackRock warnt jedoch nun, dass diese Beziehung zerbricht. Die Gründe dafür sind eine komplexe Mischung aus Geopolitik, Energieschocks und einer hartnäckigen Inflation, die das Marktumfeld grundlegend verändert.

Der Persische Golf als Epizentrum des Stresses

Im Zentrum der aktuellen Marktspannungen steht laut BlackRocks jüngster Marktanalyse die Straße von Hormus. Diese Meerenge ist ein kritischer Engpass für globale Öl- und LNG-Ströme, und ihre Störung hat weitreichende Folgen.

Die Welt steht nicht nur vor höheren Preisen, sondern vor einem echten Versorgungsschock. Rohöl ist wieder auf fast 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen, und die Auswirkungen verbreiten sich durch die Lieferketten. Dies erhöht die Produktionskosten und befeuert die Inflation, während das Wirtschaftswachstum sich verlangsamt.

Warum Anleihen diesmal nicht schützen

In Zeiten, in denen das Wachstum stagniert und die Inflation steigt, sollen Anleihen traditionell Schutz bieten. Doch BlackRock stellt fest: "Es gibt unserer Ansicht nach nur wenige Orte, an denen man sich vor diesem kurzfristigen Angebotsschock verstecken kann."

Die Strategen des Vermögensverwalters schreiben weiter: "Staatsanleihen und Gold bieten keinen Ausgleich, wenn Aktien fallen. Das liegt daran, dass Anleger – wie wir es seit langem sagen – angesichts der anhaltenden Inflation und der hohen Schuldenstände eine höhere Entschädigung für das Risiko des Haltens langfristiger Anleihen fordern." Dies ist ein strukturelles Problem. Steigen die Inflationserwartungen, müssen auch die Anleiherenditen steigen, um Anleger zu entschädigen. Dies drückt die Anleihekurse nach unten, selbst wenn Aktien fallen, wodurch Anleihen und Aktien in die gleiche Richtung tendieren.

BlackRock sieht das aktuelle Umfeld als Fortsetzung dieses Musters, das nun durch einen energiebedingten Inflationsschock intensiviert wird. Wenn Rohöl die Preise in die Höhe treibt und die Lieferketten unter Druck stehen, steigen die Renditen erneut, während Risikoanlagen zu kämpfen haben. Diese Situation lässt Anlegern weniger traditionelle Verstecke.

BlackRocks "Plan B" für die Diversifikation

Als Reaktion auf dieses veränderte Umfeld verschiebt BlackRock seine Präferenzen. Das Unternehmen favorisiert weiterhin US-amerikanische und japanische Aktien. Chancen sehen sie zudem in Schwellenländeranleihen in Hartwährungen, insbesondere solchen, die an Rohstoffe gekoppelt sind und von hohen Energiepreisen profitieren.

Gleichzeitig äußert sich BlackRock vorsichtig gegenüber langlaufenden Staatsanleihen. Sie sind bei langen US-Staatsanleihen und insbesondere japanischen Staatsanleihen untergewichtet. Selbst Gold wird derzeit nicht als zuverlässiger langfristiger Schutz betrachtet, sondern eher als taktisches Instrument.

All dies deutet auf einen "Plan B"-Ansatz zur Diversifikation hin, wie BlackRock ihn nennt. Wenn Anleihen keinen konsistenten Schutz mehr bieten, müssen Portfolios stärker auf Vermögenswerte setzen, die an reale Wirtschaftskraft und strukturelle Trends gebunden sind. Diversifikation ist nicht obsolet, erfordert aber eine Anpassung an eine Welt mit anhaltender Inflation und Versorgungsschocks.