Block entlässt Tausende: KI als Katalysator für den Umbau der Tech-Branche

Block entlässt Tausende: KI als Katalysator für den Umbau der Tech-Branche

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Der Fintech-Konzern Block, Muttergesellschaft von Square und Cash App, hat eine massive Umstrukturierung angekündigt, die zur Entlassung von über 4.000 Mitarbeitern führt – fast die Hälfte seiner globalen Belegschaft von über 10.000 Personen. CEO Jack Dorsey begründete diesen Schritt explizit mit den Fortschritten im Bereich der künstlichen Intelligenz und prognostizierte, dass viele weitere Unternehmen diesem Beispiel folgen werden. Die Nachricht ließ die Aktien von Block am Donnerstag um 5 % steigen und im nachbörslichen Handel sogar um über 20 % auf fast 69 US-Dollar.

KI verändert die Unternehmensführung: Blocks radikaler Schritt

Jack Dorsey, Mitbegründer von Block und Twitter (heute X), erklärte in einem Schreiben an Investoren und in einem Post auf X, dass die Entscheidung nicht auf finanzielle Schwierigkeiten zurückzuführen sei. Stattdessen hätten "Intelligenz-Tools verändert, was es bedeutet, ein Unternehmen aufzubauen und zu führen." Er betonte: "Ein deutlich kleineres Team, das die Tools nutzt, die wir entwickeln, kann mehr leisten und es besser machen." Dorsey wählte einen sofortigen, klaren Schnitt, anstatt die Belegschaft schrittweise zu reduzieren, da wiederholte Kürzungen Moral und Vertrauen zerstören würden.

Block, ein 2009 gegründetes globales Technologieunternehmen mit Sitz in San Francisco, ist in den USA, Kanada, Teilen Europas, Australien und Japan tätig. Das Unternehmen meldete für das vierte Quartal einen Anstieg des Bruttogewinns um 24 % gegenüber dem Vorjahr und für 2025 einen Bruttogewinn von über 10 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 17 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Kenjis Geschichte: Vom Automatisierer zum Automatisierten

Kenji, ein Machine Learning Engineer bei Block, erlebte die Auswirkungen der KI am eigenen Leib. Ende 2022, als ChatGPT aufkam, sah er darin zunächst nur eine inkrementelle Verbesserung. Doch im Laufe des letzten Jahres bemerkte er, wie die KI-Tools bei Block immer besser wurden und er immer mehr seiner Aufgaben – wie Codierung und Analyse – an sie delegierte. Er baute selbst Systeme zur automatischen Betrugserkennung, was den Bedarf an menschlicher Überprüfung reduzierte.

Die Ironie der Situation war, dass jemand, dessen Arbeit dazu beitrug, die Jobs anderer zu automatisieren, nun selbst automatisiert wurde. Kenji beschreibt sein Gefühl als "ein bisschen wie eine Pferdekutsche im Zeitalter des Automobils". Er hatte die neuen Technologien aktiv genutzt, wie von Dorsey gefordert, und fragt sich nun, ob dies sogar zu seinem Jobverlust beigetragen hat: "Im letzten Jahr, in dem wir dringend ermutigt wurden, all diese KI-Tools zu nutzen, legten wir die Grundlagen für unseren eigenen Ersatz."

Dorseys düstere Prognose für die Arbeitswelt

Jack Dorsey äußerte eine beunruhigende Vorhersage: "Innerhalb des nächsten Jahres", schrieb er, "glaube ich, dass die Mehrheit der Unternehmen zu derselben Schlussfolgerung kommen und ähnliche strukturelle Änderungen vornehmen wird." Diese Aussage deutet auf eine drastische Zukunft für viele Angestellte hin, insbesondere im White-Collar-Bereich.

Stephen Innes von SPI Asset Management kommentierte die Situation: "Jahrelang haben wir darüber diskutiert, ob KI die Arbeitsplätze am Rande beeinträchtigen würde. Jetzt haben wir eine öffentliche Fallstudie, in der der CEO explizit sagt, dass Intelligenz-Tools verändert haben, was es bedeutet, ein Unternehmen aufzubauen und zu führen."

Skepsis und die wahre Rolle der KI

Trotz Dorseys klarer Begründung gibt es in der Tech-Branche auch kritische Stimmen. Einige argumentieren, dass Block während der Pandemie möglicherweise einfach überbesetzt war und die KI lediglich als Vorwand für notwendige Personalabbau diente, um eine aufgeblähte Belegschaft zu korrigieren.

Block ist nicht das einzige Tech-Unternehmen, das in jüngster Zeit massive Entlassungen vorgenommen hat. Salesforce-CEO Marc Benioff sprach im September ebenfalls von "weniger Köpfen" aufgrund von KI. Amazon entließ 30.000 (oder 16.000) Mitarbeiter, und Pinterest kürzte 15 % seiner Belegschaft, teilweise um Mittel für KI-Initiativen umzuschichten. Der CEO von Klarna gab an, dass KI die Belegschaft um 40 % reduziert habe, musste aber später Mitarbeiter wieder einstellen, da die KI-Fähigkeiten nicht ausreichten.

Der Ausblick: Wellen von Veränderungen

Die meisten Experten gehen davon aus, dass weitere Unternehmen Dorseys Vorhersage folgen werden, wenn auch nicht so schnell, wie er es prognostiziert. Startups, die von Grund auf im KI-Zeitalter aufgebaut werden, operieren bereits mit deutlich schlankeren Teams. Für große Unternehmen wie Google oder Amazon wird die Umgestaltung bestehender Arbeitsabläufe, Teamstrukturen und Stellenbeschreibungen rund um KI jedoch Zeit in Anspruch nehmen.

Das wahrscheinlichere Szenario sind Entlassungswellen über mehrere Jahre hinweg, begleitet von anhaltend niedrigen Neueinstellungen, die die Mitarbeiterzahlen der Unternehmen stetig reduzieren. Kenji plant nach seiner Entlassung, dank einer großzügigen Abfindung von Block (mindestens 20 Wochen Gehalt plus eine zusätzliche Woche pro Dienstjahr), eine Pause einzulegen. Er ist zuversichtlich, kurzfristig einen neuen Job zu finden, da Machine Learning immer noch gefragt ist. Die langfristige Perspektive bleibt jedoch ungewiss: "Wenn ich morgen einen Job bekomme", sagt er, "habe ich null Vertrauen, dass auch dieser nicht in ein paar Jahren automatisiert werden könnte."

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