
Blue Origin: Michaela Benthaus schreibt Raumfahrtgeschichte für Inklusion
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Die deutsche Luft- und Raumfahrtingenieurin Michaela Benthaus hat einen bedeutenden Meilenstein in der Raumfahrtgeschichte gesetzt, indem sie als erste Rollstuhlfahrerin an einem suborbitalen Flug von Jeff Bezos' Unternehmen Blue Origin teilnahm. Der rund zehnminütige Trip an den Rand des Weltraums ermöglichte ihr und fünf weiteren Passagieren mehrere Minuten Schwerelosigkeit und eröffnete neue Perspektiven für die Inklusion in der kommerziellen Raumfahrt.
Historischer Flug mit Blue Origin
Am Samstag startete die New Shepard-Kapsel von Blue Origin um 9:15 Uhr EST von ihrem Weltraumbahnhof in West Texas. Der Flug, der aufgrund technischer Probleme zwei Tage Verspätung hatte, verlief reibungslos und brachte die sechs Passagiere auf eine Höhe von über 65 Meilen (etwa 105 Kilometer) über der Erde. Nach dem Start erreichte der einstufige Booster fast die dreifache Schallgeschwindigkeit, bevor das BE-3-Triebwerk abschaltete und die Kapsel in die Schwerelosigkeit entließ.
An Bord der New Shepard waren neben Michaela Benthaus der ehemalige SpaceX-Manager Hans Koenigsmann, der Physiker und Investor Joey Hyde, der Unternehmer Neal Milch, der Abenteurer Jason Stansell und der südafrikanische Unternehmer Adonis Pouroulis. Der Flug markierte den 16. bemannten New Shepard-Flug seit dem Erstflug im Juli 2021 und erhöhte die Gesamtzahl der von Blue Origin ins All beförderten Personen auf 92.
Eine Pionierin im Weltraum
Michaela Benthaus, die 2018 bei einem Mountainbike-Unfall eine Rückenmarksverletzung erlitt, ist eine engagierte Verfechterin für Menschen mit Behinderungen. Ihre Teilnahme am Weltraumflug wurde maßgeblich durch Hans Koenigsmann ermöglicht, den sie online kennenlernte und der ihre Anfrage an Blue Origin weiterleitete. Benthaus äußerte sich begeistert nach der Landung: "Es war die coolste Erfahrung! Ich mochte nicht nur die Aussicht und die Mikrogravitation, sondern auch das Aufsteigen. Das war so cool, jede Phase des Aufstiegs."
Für den Start konnte Benthaus mithilfe einer von Blue Origin bereitgestellten Bank selbstständig von ihrem Rollstuhl in die New Shepard-Kapsel gelangen. Während des Fluges waren ihre Beine fixiert, doch sie konnte die Schwerelosigkeit in vollen Zügen genießen. Koenigsmann, der Benthaus während des Trainings und im Flug unterstützte, sagte, sie habe ihn "im Grunde dazu inspiriert", diesen Flug zu unternehmen. Nach der Landung wurde Benthaus von Koenigsmann und einem Mitglied des Blue Origin-Bergungsteams aus der Kapsel getragen und in einen Rollstuhl gesetzt. Sie betonte: "Man sollte seine Träume niemals aufgeben."
Die Technik hinter dem New Shepard
Das New Shepard-System besteht aus einem wiederverwendbaren Booster und einer Passagierkapsel. Der Booster wird von einem wasserstoffbetriebenen BE-3-Triebwerk angetrieben. Nach dem Abschalten des Triebwerks in etwa zweieinhalb Minuten nach dem Start trennt sich die Kapsel und setzt ihren Aufstieg fort, während die Passagiere die Schwerelosigkeit erleben. Die Kapsel erreicht eine maximale Höhe von etwas mehr als 65 Meilen, deutlich über der 62-Meilen-Grenze, ab der aerodynamische Kräfte keine Wirkung mehr haben.
Die Passagiere genießen die Aussicht durch die größten Fenster, die jemals im Weltraum geflogen sind. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre werden die Insassen einer maximalen Verzögerung von etwa dem Fünffachen der normalen Schwerkraft ausgesetzt. Der Booster landet derweil eigenständig und zielgenau auf einer Betonplattform nahe der Startrampe. Die New Shepard-Kapsel landet unter drei großen Fallschirmen, etwa zehneinhalb Minuten nach dem Start.
Inklusion in der Raumfahrt: Ein Blick in die Zukunft
Der Flug von Michaela Benthaus ist ein wegweisendes Ereignis für die Inklusion in der Raumfahrt. Obwohl Blue Origin die Kosten für einen New Shepard-Sitz nicht öffentlich bekannt gibt, wird der Preis auf über 500.000 US-Dollar geschätzt; die Finanzierung von Benthaus' Sitz wurde nicht offengelegt. Benthaus äußerte die Hoffnung, dass mehr Menschen mit Behinderungen den Weg ins All finden werden.
Die Raumfahrtagenturen und privaten Unternehmen stehen vor der Herausforderung, nicht nur die Leistungsfähigkeit von Astronauten mit Behinderungen in der Schwerelosigkeit zu bewerten, sondern auch Notfallszenarien zu berücksichtigen, die einen schnellen Ausstieg aus dem Raumfahrzeug erfordern könnten. Benthaus sieht jedoch einen klaren Mehrwert: "Menschen mit Behinderungen bringen tatsächlich einen Wert in eine Crew ein. Man entwickelt eine ganz besondere Widerstandsfähigkeit." Sie verwies auch auf die Relevanz für Langzeitmissionen, etwa zum Mars, wo Menschen während der Reise eine Behinderung entwickeln könnten. Der ESA-Astronaut John McFall, der eine Beinprothese trägt, wurde bereits für einen zukünftigen Flug zur Internationalen Raumstation ausgewählt, was die fortschreitende Entwicklung in diesem Bereich unterstreicht.