BOJ hält Zinsen stabil: Iran-Krieg erhöht Inflationsrisiken in Japan

BOJ hält Zinsen stabil: Iran-Krieg erhöht Inflationsrisiken in Japan

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Die Bank of Japan (BOJ) hat ihre Leitzinsen wie erwartet bei 0,75 % belassen. Gleichzeitig warnte die Zentralbank jedoch, dass die Inflationsrisiken aufgrund des Iran-Konflikts nun nach oben tendieren, was die zukünftige Geldpolitik Japans maßgeblich beeinflussen könnte.

BOJ hält Zinsen stabil – Inflationsrisiken steigen

Die Bank of Japan (BOJ) hat am Donnerstag, den 19. März 2026, ihre Leitzinsen wie erwartet bei 0,75 % belassen. Die Entscheidung fiel mit acht zu einer Stimme aus, wobei Hajime Takata als einziges Mitglied eine Zinserhöhung auf 1 % vorschlug. Er begründete dies mit "überseeischen Entwicklungen" als Risiko für die Preise in Japan.

In ihrer Erklärung wies die BOJ darauf hin, dass die Kerninflation kurzfristig aufgrund einer Verlangsamung des Reispreisanstiegs vorübergehend unter 2 % fallen könnte. Der Konflikt im Nahen Osten werde jedoch "Aufwärtsdruck ausüben, beeinflusst durch den jüngsten Anstieg der Rohölpreise". Die Zentralbank betonte, dass dem Einfluss steigender Rohölpreise auf die zugrunde liegende Verbraucherpreisinflation besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse.

Iran-Konflikt treibt Energiepreise in die Höhe

Der Iran-Konflikt hat die globalen Ölpreise seit seinem Beginn am 28. Februar um rund 70 % in die Höhe getrieben und damit die Inflationsrisiken weltweit verschärft. Japan ist besonders betroffen, da das Land etwa 95 % seiner Energieimporte aus dem Nahen Osten bezieht.

Als Reaktion darauf hat Japan Rohölreserven freigegeben. Premierministerin Sanae Takaichi versprach zudem, die Einzelhandelspreise für Benzin bei einem landesweiten Durchschnitt von etwa 170 Yen pro Liter "in Schach zu halten".

Lohnverhandlungen als Schlüssel zur Inflation

Ein entscheidender Faktor für die nachhaltige Erreichung des 2 %-Inflationsziels der BOJ sind die jährlichen Frühjahrslohnverhandlungen, bekannt als "Shunto"-Gespräche. Diese Verhandlungen zwischen Japans Gewerkschaften und den größten Unternehmen des Landes werden von der Zentralbank genau beobachtet. Nach Jahren stagnierender Löhne sind sie entscheidend für das Erreichen des Inflationsziels.

Jüngsten Berichten zufolge haben viele große Unternehmen die Forderungen ihrer Gewerkschaften nach Lohnerhöhungen vollständig akzeptiert. Dies wäre das dritte Jahr in Folge, in dem die Lohnerhöhungen 5 % übersteigen – eine Entwicklung, die laut Nikkei zuletzt 1989-1991 zu beobachten war. Die vorläufigen Ergebnisse der Shunto-Gespräche werden am 23. März von der japanischen Gewerkschaftskonföderation Rengo veröffentlicht.

Diese Lohnzuwächse sind eine willkommene Entlastung für japanische Arbeitnehmer, deren Reallöhne im Jahr 2025 monatlich gesunken waren. Im Januar 2026 stiegen die Reallöhne jedoch im Jahresvergleich um 1,4 %. Die Inflation in Japan lag im Januar bei 1,5 %, womit die Headline-Inflation erstmals nach 45 aufeinanderfolgenden Monaten unter dem 2 %-Ziel lag.

Politische Einflüsse und Yen-Schwäche

Die BOJ-Entscheidung erfolgte auch vor dem Hintergrund eines gemeldeten Widerstands gegen Zinserhöhungen seitens Premierministerin Sanae Takaichi. Nach ihrem deutlichen Sieg bei den Unterhauswahlen im Februar hatte Takaichi Ende Februar gegenüber BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda ihre "Zurückhaltung" bezüglich weiterer Zinserhöhungen geäußert, wie die japanische Zeitung Mainichi Shimbun berichtete.

Gleichzeitig schwächte sich der Yen seit Beginn des US-Iran-Krieges erheblich ab und erreichte am 13. März 2026 mit 159,75 gegenüber dem US-Dollar ein fast 20-Monats-Tief. Dies lag leicht über dem früheren Interventionsniveau von 159,45 vom 12. Juli 2024. Der USD/JPY notiert aktuell bei 159,00, wobei die Zone von 159,45/161,95 als Schlüsselbereich für mögliche Interventionen der japanischen Behörden gilt. Eine schwache Landeswährung erhöht den Inflationsdruck für die importabhängige Wirtschaft Japans.

Ausblick: Wann kommt die nächste Zinserhöhung?

Die Märkte und Analysten blicken nun gespannt auf die nächste BOJ-Sitzung im April. Analysten der niederländischen Bank ING betonten, es sei wichtig zu prüfen, wie die BOJ die wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahost-Konflikts und die Ergebnisse der Frühjahrslohnverhandlungen bewerte. Diese Faktoren würden beeinflussen, ob eine Zinserhöhung im April oder Juni erfolge.

Eine Bloomberg-Umfrage unter 51 Ökonomen zeigte, dass niemand eine Zinserhöhung bei der aktuellen Sitzung erwartete. Die Meinungen über den Zeitpunkt der nächsten Anhebung sind jedoch geteilt: 37 % prognostizieren eine Erhöhung im April, 22 % im Juni und 29 % im Juli. Trotz der Risiken für das Wachstum durch den Konflikt und des politischen Drucks sehen die Märkte immer noch eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 % für eine Zinserhöhung im April.

Gouverneur Ueda wird in seiner Pressekonferenz um 15:30 Uhr (Tokio-Zeit) am Donnerstag, den 19. März 2026, die Gründe für die aktuelle Politik erläutern. Naomi Fink, Chief Global Strategist bei Amova Asset Management, merkte an, dass die BOJ einem "klassischen Stagflations-Politik-Dilemma" gegenüberstehen könnte, falls das Wachstum nachlässt, während die Inflation steigt. Ein zu langes Zögern bei Zinserhöhungen könnte kostspielig sein, insbesondere da Japans Realzins weiterhin tief negativ ist.

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