
Broadcom trotzt starkem Quartal: KI-Hoffnungen und Margensorgen bewegen Aktie
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Der Halbleiter- und Softwarekonzern Broadcom hat im vierten Geschäftsquartal erneut starke Ergebnisse vorgelegt und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Trotz eines optimistischen Ausblicks für das laufende Quartal gab die Aktie nach anfänglichen Kursgewinnen deutlich nach, da Anleger Bedenken hinsichtlich zukünftiger Margen und der Eigenentwicklung von Chips durch Großkunden äußerten.
Starke Zahlen im vierten Quartal
Broadcom beendete das vierte Geschäftsquartal 2025, das am 2. November endete, mit einem Umsatz von 18,02 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 28 % gegenüber dem Vorjahr und übertraf die Konsensprognose von 17,49 Milliarden US-Dollar (LSEG). Der bereinigte Gewinn pro Aktie stieg um 37 % auf 1,95 US-Dollar und lag damit ebenfalls über den Erwartungen von 1,86 US-Dollar (LSEG).
Das bereinigte EBITDA, der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen, wuchs im Quartal um 34 % auf 12,22 Milliarden US-Dollar und übertraf den FactSet-Konsens von 11,61 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn verdoppelte sich nahezu und stieg um 97 % auf 8,51 Milliarden US-Dollar oder 1,74 US-Dollar pro Aktie, verglichen mit 4,32 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Die bereinigte operative Marge des Unternehmens verbesserte sich um fast 350 Basispunkte oder 3,5 Prozentpunkte.
KI-Boom treibt Halbleitergeschäft an
Das Segment "Semiconductor Solutions", Broadcoms größter Geschäftsbereich, verzeichnete einen Umsatzanstieg von 34,5 % gegenüber dem Vorjahr auf 11,07 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen von 10,77 Milliarden US-Dollar (FactSet). Innerhalb dieses Segments stieg der Umsatz mit KI-Halbleitern um 74 % gegenüber dem Vorjahr auf 6,5 Milliarden US-Dollar, was über der Prognose von 6,22 Milliarden US-Dollar lag.
Das KI-Netzwerkgeschäft zeigte sich erneut stark, wobei CEO Hock Tan betonte, dass Kunden weiterhin Rechenzentrumsinfrastrukturen aufbauen, bevor sie KI-Beschleuniger einsetzen. Der Auftragsbestand für KI-Switches übersteigt nun 10 Milliarden US-Dollar, und der Tomahawk 6, den Tan als unübertroffen in seinen Fähigkeiten bezeichnet, verzeichnet Rekordbuchungen. Insgesamt beläuft sich der KI-bezogene Auftragsbestand von Broadcom, einschließlich XPUs (kundenspezifische Chips), auf über 73 Milliarden US-Dollar, wovon etwa 53 Milliarden US-Dollar auf XPUs entfallen. Broadcom erwartet, diesen Auftragsbestand in den nächsten 18 Monaten in Umsatz umzuwandeln, wobei 8,2 Milliarden US-Dollar im aktuellen ersten Geschäftsquartal 2026 realisiert werden sollen.
Hock Tan bestätigte zudem Gerüchte, dass der vierte Großkunde, der einen Auftrag über 10 Milliarden US-Dollar erteilt hatte, Anthropic ist. Anthropic kauft die Ironwood XPUs, die Tensor Processing Units (TPUs) der siebten Generation, auf denen Googles Gemini 3 trainiert und betrieben wurde. Diese TPUs werden auch von anderen Unternehmen wie Apple, Cohere und SSI genutzt, wobei Tan das Potenzial für eine "signifikante Skalierung" betonte. Anthropic verdoppelte seine Investitionen im Berichtsquartal mit einem zusätzlichen Auftrag über 11 Milliarden US-Dollar für die Lieferung Ende 2026. Darüber hinaus sicherte sich Broadcom einen ersten Auftrag über 1 Milliarde US-Dollar von einem fünften, noch ungenannten XPU-Kunden, ebenfalls für die Lieferung im Jahr 2026.
Das traditionelle Halbleitergeschäft verzeichnete im vierten Quartal einen Umsatz von 4,6 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 2 % gegenüber dem Vorjahr und 16 % sequenziell, basierend auf einer "günstigen saisonalen Entwicklung im Mobilfunkbereich", die auf die Einführung des iPhone 17 zurückzuführen ist. Der Breitbandumsatz erholt sich weiter, während der Unternehmensbereich weiterhin unter Druck steht.
Infrastruktur-Software wächst ebenfalls
Broadcoms zweites operatives Segment, "Infrastructure Software", verzeichnete einen Umsatzanstieg von etwa 19 % gegenüber dem Vorjahr auf 6,9 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung von 6,72 Milliarden US-Dollar (FactSet). Die Buchungen blieben stark, wobei der Gesamtauftragswert im vierten Quartal 10,4 Milliarden US-Dollar überstieg, verglichen mit 8,2 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Der Auftragsbestand für Infrastruktur-Software erreichte zum Quartalsende 73 Milliarden US-Dollar, ein deutlicher Anstieg gegenüber 49 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Dieses Wachstum wurde auch durch die Übernahme von VMware gestützt.
Optimistischer Ausblick für das erste Quartal 2026
Für das erste Geschäftsquartal 2026, das am 1. Februar endet, prognostiziert Broadcom einen Gesamtumsatz von etwa 19,1 Milliarden US-Dollar. Dieses Ziel liegt über dem LSEG-Konsens von 18,27 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz mit KI-Halbleitern wird voraussichtlich im kommenden Quartal weiterwachsen und sich im Jahresvergleich auf 8,2 Milliarden US-Dollar verdoppeln, angetrieben durch kundenspezifische KI-Beschleuniger und Ethernet-KI-Switches.
Zusammen mit einer Prognose von rund 4,1 Milliarden US-Dollar für das traditionelle Halbleitergeschäft ergibt sich für das Segment "Semiconductor Solutions" ein Ausblick von etwa 12,3 Milliarden US-Dollar, deutlich über dem FactSet-Konsens von 11,53 Milliarden US-Dollar. Die Prognose für den Umsatz im Bereich "Infrastructure Software" liegt bei 6,8 Milliarden US-Dollar und damit unter den Schätzungen von 7,136 Milliarden US-Dollar (FactSet). Das Unternehmen erwartet für das erste Quartal ein bereinigtes EBITDA von etwa 67 % des prognostizierten Umsatzes, also 12,78 Milliarden US-Dollar, was über der Konsensschätzung von 66 % und 12,06 Milliarden US-Dollar (FactSet) liegt. Broadcom erhöhte zudem seine Dividende um 10 % auf 65 Cent pro Aktie.
Missverständnisse und Margendruck belasten die Aktie
Trotz der starken Ergebnisse und des positiven Ausblicks gab die Broadcom-Aktie, die zunächst nach der Veröffentlichung um über 3 % gestiegen war, ihre Gewinne wieder ab und fiel im nachbörslichen Handel um 4,5 %. Die Bedenken der Anleger konzentrierten sich auf zwei Hauptpunkte: die langfristige Partnerschaft zwischen Broadcom und Google-Mutter Alphabet sowie mögliche Margenbelastungen in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2026.
Die CFO Kirsten Spears erklärte, dass es in der zweiten Jahreshälfte, wenn mehr Systeme ausgeliefert werden, zu Margendruck kommen könnte. Dies liege daran, dass Broadcom mehr Komponenten durchreichen werde, die nicht vom Unternehmen selbst stammen, was zu niedrigeren Bruttomargen führen würde.
Ein weiterer kritischer Punkt war eine Frage im Q&A-Teil der Telefonkonferenz bezüglich der Möglichkeit, dass XPU-Kunden mehr Entwicklung intern verlagern könnten. Hock Tan entgegnete, dass dies eine "überzogene Hypothese" sei, die er nicht für wahrscheinlich halte. Er betonte die Vorteile kundenspezifischer Halbleiter und die ständige Weiterentwicklung der Siliziumtechnologie. Tan verwies auch auf die Konkurrenz durch kommerzielle GPUs, die von Unternehmen wie Nvidia dominiert werden, und stellte die Frage, wo LLM-Anbieter ihre Ressourcen am besten einsetzen sollten.
Nach Meinung der CNBC-Quelle könnten Anleger Tans Äußerungen als etwas abweisend empfunden haben und nicht als die konkrete "es wird nicht passieren"-Antwort, die sie sich erhofft hatten. Die zusätzliche Quelle spricht von "Hock Tans Kommentaren zum KI-Auftragsbestand, die die von der Wall Street ersehnte Begeisterung nicht entfachen konnten" und dass die Details "wie eine Enttäuschung wirkten". Die Sorge um eine mögliche Eigenentwicklung von Chips durch Großkunden ist zwar verständlich, da Unternehmen mit den finanziellen Mitteln dazu neigen, mehr Chipentwicklung intern zu verlagern. Zum jetzigen Zeitpunkt handelt es sich jedoch um Spekulation.
Ein weiterer Faktor für den Kursrückgang könnte die Gewinnmitnahme gewesen sein. Die Broadcom-Aktie war bis zum Handelsschluss am Donnerstag um 75 % im Jahresverlauf gestiegen und notierte nahe ihrer Allzeithochs.
Analystenbewertung und Kursziel
Trotz des Rückgangs bekräftigte die CNBC-Quelle ihre "Halten"-Empfehlung (Rating 2) für die Broadcom-Aktie. Das Kursziel wurde von 415 US-Dollar auf 425 US-Dollar pro Aktie angehoben, da der Schlusskurs vom Mittwoch von fast 413 US-Dollar bereits nahe am vorherigen Ziel lag. Die CNBC-Quelle sieht in einem möglichen Rückgang aufgrund der Margenkommentare eine Kaufgelegenheit, da mehr Geschäft, auch bei niedrigeren Bruttomargen, letztendlich zu mehr Gewinnwachstum führt.