CCS-Projekt in Südostasien: Japan verschifft CO2 nach Malaysia

CCS-Projekt in Südostasien: Japan verschifft CO2 nach Malaysia

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Japan und Malaysia planen ein grenzüberschreitendes Projekt zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), das erste seiner Art in Südostasien. Dieses Vorhaben, bei dem Japan CO2-Emissionen nach Malaysia verschiffen will, ist jedoch stark umstritten. Kritiker bezweifeln die Wirksamkeit der Technologie im Kampf gegen den Klimawandel und sehen darin eine teure Ablenkung von der Energiewende.

Ein wegweisendes Projekt in Südostasien

Japan, einer der weltweit größten Kohlenstoffemittenten, beabsichtigt, in den nächsten Jahren CO2-Emissionen aus seinen emissionsintensiven Industrien nach Malaysia zu verschiffen. Dies umfasst Sektoren wie Stromerzeugung, Ölraffinerien, Zement-, Schifffahrts- und Stahlindustrie. Das Projekt markiert das erste grenzüberschreitende Vorhaben zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) in Südostasien.

Malaysia positioniert sich trotz Bedenken als Drehscheibe für diese alternative Technologie in der Region. Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte es einen Präzedenzfall für andere südostasiatische Nationen mit CO2-Speicherpotenzial wie Indonesien und Thailand schaffen. Japan investiert in neun Kohlenstoffspeicherstätten, von denen sich drei in Malaysia befinden, um seine Nettoemissionen zu senken.

Der Prozess der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS)

Der umstrittene CCS-Prozess umfasst drei Hauptschritte: Abscheidung, Transport und Vergrabung von Kohlendioxid. Zunächst werden Emissionen direkt an der Quelle, beispielsweise einer Raffinerie oder einem Kraftwerk, erfasst. Dies kann durch die Nachrüstung von Anlagen oder den Bau von Vakuumstrukturen geschehen.

Anschließend muss das Kohlendioxid von anderen Industriegasen getrennt und verflüssigt werden. Der Transport erfolgt dann in speziell konstruierten Schiffen zu den Vergrabungsstätten, die voraussichtlich in erschöpften Gasfeldern vor der Küste des malaysischen Bundesstaates Sarawak auf Borneo liegen. Nach der Injektion des verflüssigten Kohlenstoffs in den Boden muss die Lagerstätte auf mögliche Lecks überwacht werden.

Wirtschaftliche Dimensionen und politische Ambitionen

Malaysia hat im vergangenen Jahr ein Gesetz zur Förderung der CCS-Industrie verabschiedet. Das Wirtschaftsministerium prognostiziert, dass der aufstrebende Sektor innerhalb von 30 Jahren bis zu 250 Milliarden US-Dollar zur Wirtschaft beitragen könnte, ohne jedoch Details zu nennen. Das staatliche malaysische Öl- und Gasunternehmen Petronas leitet den Bau der weltweit größten Offshore-Kohlenstoffspeicheranlage mit einem Volumen von 1,1 Milliarden US-Dollar, die bis Ende des Jahrzehnts in Betrieb gehen soll.

Japan schätzt, dass die Speicherstätten bis 2030 jährlich 20 Millionen Tonnen Kohlenstoff aufnehmen werden, was etwa 2 Prozent der jährlichen Emissionen Japans entspricht. Malaysia wird voraussichtlich einen noch unbestimmten Betrag pro gespeicherter Tonne Emissionen erhalten, die Japan dann von seiner Gesamt-CO2-Bilanz abziehen könnte.

Kontroverse um die Wirksamkeit und Kritikpunkte

Die Technologie der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung ist Gegenstand intensiver Debatten. Kritiker wie Rachel Kennerley vom Washington-basierten Center for International Environmental Law bezeichnen den Plan als eine gefährliche Verlagerung der Klimawandel-Last auf Malaysia. Sie argumentiert, dass Japan weiterhin Emissionen verursachen könne, während Malaysia zur "Kohlenstoff-Müllhalde für industrielle Verschmutzung" werde, was Ayumi Fukakusa von Friends of the Earth Japan als "Kohlenstoff-Kolonialismus" bezeichnet.

Grant Hauber vom U.S.-basierten Institute for Energy Economics and Financial Analysis spricht von einem "fast fantastischen theoretischen Aufschwung" des Interesses an CCS, der jedoch "einfach nicht liefern wird". Eqram Mustaqeem, ein Aktivist gegen CCS in Malaysia, kritisiert die hohen Investitionen in eine "unterliefernde und unbewiesene Technologie", anstatt in bewährte Dekarbonisierungsmaßnahmen wie den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren.

Globale Perspektiven und Alternativen

Einige Regierungen und große fossile Energieunternehmen wie Exxon Mobil und Shell bewerben CCS als Klimaschutzlösung, die Ländern und Industrien Zeit für den Übergang zu sauberer Energie verschafft. Die Europäische Union plant die Inbetriebnahme ihrer ersten Offshore-Kohlenstoffspeicheranlage in Dänemark bis Mitte 2026, während eine norwegische Anlage bereits grenzüberschreitende Kohlenstofflieferungen testet.

Die Internationale Energieagentur (IEA) betrachtet CCS zwar als Instrument zur Eindämmung des Klimawandels, prognostiziert jedoch in ihrem jüngsten Netto-Null-Emissionsszenario, dass es bis 2050 weniger als 5 Prozent der Emissionsreduktionen beitragen wird. Angesichts der Tatsache, dass 81 Prozent von Malaysias Strom aus fossilen Brennstoffen stammen, fordern Klimaaktivisten einen stärkeren Fokus auf den Übergang zu erneuerbaren Energien als effektivere Maßnahme.