
CEOs atmen auf: Vorsichtiger Optimismus trotz anhaltender Unsicherheiten
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CEOs atmen auf: Vorsichtiger Optimismus trotz anhaltender Unsicherheiten
- Globale Führungskräfte zeigen sich weniger pessimistisch als noch im Frühjahr, bleiben aber angesichts von Zöllen und geopolitischen Spannungen wachsam. Der Fokus verschiebt sich auf Kostendisziplin und KI-Innovation.*
Vor sechs Monaten bereiteten sich die Führungskräfte der weltweit größten Unternehmen auf stürmische Zeiten vor. Eine Umfrage von Fortune und Deloitte im April 2025 zeigte, dass 58 % der globalen CEOs ihren Wirtschaftsausblick für die kommenden zwölf Monate als pessimistisch einschätzten. Die Hauptsorgen galten weitreichenden Zöllen und einer Verschärfung der globalen Finanzbedingungen. Heute, im Oktober 2025, hat sich diese Stimmung jedoch deutlich gewandelt.
Stimmungswechsel in der Chefetage
Die jüngste Umfrage vom Oktober 2025 offenbart einen bemerkenswerten Rückgang des Pessimismus: Nur noch 32 % der CEOs blicken für das nächste Jahr pessimistisch auf die Weltwirtschaft. Die meisten Führungskräfte berichten, dass sich ihre Bedenken gelegt haben, da die befürchteten Störungen des globalen Handels durch Zölle weitgehend ausgeblieben sind.
Obwohl noch keine ausgelassene Feierstimmung herrscht, hat sich die allgemeine Atmosphäre spürbar verbessert. Der Fokus der CEOs hat sich verschoben: Statt Krisenmanagement steht nun die Steuerung einer weiterhin volatilen, aber zunehmend stabileren globalen Landschaft im Vordergrund, in der KI-gesteuerte Innovationen eine zentrale Rolle spielen.
Die Zahlen im Überblick
- 32 % der CEOs äußern einen „pessimistischen“ (30 %) oder „sehr pessimistischen“ (2 %) Ausblick für die Weltwirtschaft in den nächsten zwölf Monaten.
- 26 Prozentpunkte beträgt der Rückgang des Pessimismus seit der letzten Befragung im April 2025 – dem Höhepunkt des sogenannten „Zolltarifs-Tantrums“ an den Finanzmärkten.
- 21 % der CEOs haben einen „pessimistischen“ (18 %) oder „sehr pessimistischen“ (3 %) Ausblick für die Entwicklung ihrer Branche in den nächsten zwölf Monaten.
- 2 % der CEOs äußern einen „pessimistischen“ (2 %) oder „sehr pessimistischen“ (0 %) Ausblick für die Performance ihres eigenen Unternehmens in den nächsten zwölf Monaten.
- 37 % der CEOs erwarten, dass neu eingeführte Zölle negative Auswirkungen auf ihr Geschäft haben werden. Weitere 51 % sehen die Auswirkungen als neutral an – was eine etwa gleiche Mischung aus Vorteilen und Risiken bedeutet – während 10 % von positiven Effekten ausgehen.
- 80 % der CEOs geben an, dass sie in den nächsten zwölf Monaten wahrscheinlich (38 %) oder sehr wahrscheinlich (42 %) Kostensenkungsmaßnahmen umsetzen werden, um höhere Kosten im Zusammenhang mit aktuellen wirtschaftlichen und handelspolitischen Unsicherheiten auszugleichen.
- 60 % der CEOs sind der Meinung, dass Künstliche Intelligenz (KI) in den nächsten ein bis drei Jahren einen signifikanten (45 %) oder transformativen (15 %) Einfluss auf ihre Kernprozesse haben wird.
Das Gesamtbild: Vom Panikmodus zum Pragmatismus
Nach Monaten der Volatilität und Zollbedenken können die CEOs allmählich aufatmen. Die Umfrage von Fortune und Deloitte, die zwischen dem 3. und 16. Oktober unter 69 CEOs der Fortune CEO Community durchgeführt wurde, zeigt, dass Führungskräfte deutlich weniger pessimistisch in Bezug auf die Weltwirtschaft sind als noch im April. Viele konzentrieren ihre Energie nun auf Kostendisziplin und KI-gesteuerte Innovationen, anstatt sich auf Krisenmanagement zu fokussieren. Dies markiert einen Wandel vom Panikmodus hin zu einem neuen Pragmatismus in den Chefetagen.
Tiefergehende Erkenntnisse
CEOs weniger pessimistisch als im Frühjahr
Anfang des Jahres verschlechterte sich die Stimmung der CEOs rapide, inmitten dessen, was viele als „Zolltarifs-Tantrum“ bezeichneten. Als die Handelsspannungen zunahmen und Fragen aufkamen, wie sich neue Importzölle auf globale Lieferketten auswirken könnten, gaben im April 2025 58 % der CEOs gegenüber Fortune an, pessimistisch hinsichtlich des Ausblicks der Weltwirtschaft für die nächsten zwölf Monate zu sein.
Sechs Monate später hat sich diese Stimmung entspannt. In der Oktober-Umfrage beschrieben nur noch 32 % der CEOs ihren Ausblick als pessimistisch – ein bemerkenswerter Rückgang, wenngleich immer noch über den Tiefstwerten von Ende 2024, als nur 18 % pessimistisch waren. Dieser Wandel deutet darauf hin, dass die Führungskräfte sich an die politische Landschaft anpassen und eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen kurzfristigen Abschwung sehen, auch wenn das globale Wachstum ungleichmäßig bleibt und Risiken fortbestehen.
Der Anstieg des Vertrauens fällt mit einer stabilen Inflationsentwicklung und der Wiederaufnahme von Zinssenkungen durch die Federal Reserve zusammen. Dennoch ist Optimismus keineswegs universell. Mehrere Befragte nannten anhaltende geopolitische Spannungen, Neuausrichtungen der Lieferketten und politische Unsicherheiten als Faktoren, die ihre langfristige Planung weiterhin trüben. Kurz gesagt: Die Panik des Frühlings ist einem gemesseneren Realismus gewichen – CEOs sind weder panisch noch euphorisch, bleiben aber weiterhin vorsichtig.
Zölle belasten die US-Wirtschaft, weniger die eigenen Unternehmen
Die meisten CEOs glauben, dass neu eingeführte Zölle der breiteren Wirtschaft schaden werden, auch wenn ihre eigenen Unternehmen sich anpassen können. In der Fortune-Umfrage vom Oktober 2025 gaben 78 % an, dass Zölle negative oder eher negative Auswirkungen auf die US-Wirtschaft haben werden. Doch auf ihr eigenes Unternehmen bezogen, erwartete mehr als die Hälfte (51 %) einen neutralen Einfluss, und nur etwa ein Drittel (38 %) rechnete mit negativen oder eher negativen Auswirkungen auf das eigene Geschäft.
Diese Diskrepanz legt nahe, dass CEOs entweder die Belastung für die Makroökonomie überschätzen – oder unterschätzen, wie diese gleichen Drücke letztendlich ihre eigenen Geschäftsergebnisse beeinflussen könnten. Kurz gesagt: CEOs sehen Zölle als schlecht für die Wirtschaft an – nur nicht unbedingt für ihr eigenes Geschäft.
CEOs planen Kostensenkungen vor Preiserhöhungen
Angesichts der anhaltenden Handels- und Wirtschaftsuntersicherheiten geben die meisten CEOs an, dass ihr erster Schritt nicht darin bestehen wird, die Preise zu erhöhen, sondern die Ausgaben zu senken. Laut der Fortune-CEO-Umfrage vom Oktober 2025 gaben insgesamt 80 % der Befragten an, dass sie in den nächsten zwölf Monaten wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich Kostensenkungsmaßnahmen umsetzen werden, um steigende handels- und politikbedingte Kosten auszugleichen.
Im Vergleich dazu planen etwa 64 %, die Preise für Waren oder Dienstleistungen zu erhöhen, während nur 43 % erwarten, diese höheren Kosten, wenn auch nur vorübergehend, zu absorbieren. Die Daten deuten darauf hin, dass CEOs sich auf eine Phase engerer Margen und unvorhersehbarer Inputkosten vorbereiten, aber immer noch zögern, die Preistoleranz der Kunden zu schnell auf die Probe zu stellen.
KI verändert bereits Kernprozesse
CEOs nannten am häufigsten Kernprozesse und die Ressourcenallokation als Bereiche, die die tiefgreifendste Transformation erfahren. Rund 60 % der Befragten gaben an, dass KI in den nächsten ein bis drei Jahren einen signifikanten oder transformativen Effekt auf ihre Kernprozesse haben wird.
Der Einfluss von KI erstreckt sich auch auf die langfristige Vision, Wachstumsstrategie und Wettbewerbspositionierung, wo etwa die Hälfte der CEOs zumindest einen moderaten Einfluss berichtete.
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CEOs im zweiten Amtsjahr Trumps: Rückzug aus der Öffentlichkeit und erhöhter Druck
- *Eine Analyse der PR-Agentur Golin zeigt, wie sich die Rolle von CEOs im ersten Halbjahr 2025, insbesondere nach dem Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump, grundlegend verändert hat.**
Eine Analyse der globalen PR-Agentur Golin zeigt, wie sich die Rolle von CEOs im ersten Halbjahr 2025, insbesondere nach dem Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump, grundlegend verändert hat. Der Bericht, der als "The Great Rethink" betitelt ist, beleuchtet einen strategischen Rückzug von Führungskräften aus der öffentlichen Wahrnehmung.
CEOs ziehen sich zurück, Politik rückt in den Fokus
Laut Golins H1 2025 CEO Index haben Führungskräfte ihre öffentlichen Auftritte reduziert und sehen sich einer neuen, verstärkten Prüfung ausgesetzt. Brian Besanceney, Senior Advisor bei Golin, kommentierte: „Die Daten zeigen eine schnelle und bewusste Verhaltensänderung der CEOs, die sich aus dem öffentlichen Engagement zurückziehen, während gleichzeitig die politische Komplexität und der technologische Wandel zunehmen.“ Er fügte hinzu, dass die CEO-Rolle zunehmend zu einem Drahtseilakt werde, der ein neues Maß an strategischem Denken und Präzision erfordere, da weniger Kommunikation nicht unbedingt effektiver für die Geschäftsergebnisse sei.
Anfang des Jahres, vor Trumps Amtseinführung am 20. Januar, zeigten Studien noch, dass CEOs ihre öffentlichen Auftritte und Kommentare verstärkten, da Trump bereits eine Amtszeit absolviert hatte und als wirtschaftsfreundlich galt. Doch mit dem Amtsantritt und einer Flut neuer, oft kontroverser Politikmaßnahmen – sowie der öffentlichen Kritik an Unternehmen durch die Regierung – zogen sich viele CEOs so weit wie möglich zurück. Golin stellte fest, dass 50 % aller CEOs im ersten Halbjahr vor Trumps Amtseinführung und der Ankündigung seiner weitreichenden Zölle im April öffentliche Aufmerksamkeit erhielten.
Die Bundespolitik wurde zum zentralen Thema der CEO-Medienberichterstattung und machte im ersten Halbjahr 26 % aller Berichte aus – ein Anstieg von 600 % im Vergleich zu den letzten sechs Monaten der Amtszeit des ehemaligen Präsidenten Joe Biden. Ein Drittel der gesamten CEO-Berichterstattung konzentrierte sich auf Handelspolitik und Zölle. Jene Führungskräfte, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Regierung zeigten, erhielten dabei die positivste Medienresonanz.
Erwartungsdruck auf neue Führungskräfte steigt
Auch die Aufsichtsräte stellten im ersten Halbjahr höhere Anforderungen an ihre CEOs. Bei 11 % der Fortune 250 Unternehmen gab es einen Wechsel an der Spitze. Golin stellte fest, dass es keine „Schonfrist“ mehr gibt: Neue Führungskräfte müssen sofort greifbare Ergebnisse liefern. Viele hinkten hier hinterher; Golins Index zeigte, dass neue CEOs in Bereichen wie Meinungsführerschaft und Mitarbeiterengagement 8 % schlechter abschnitten als ihre etablierten Kollegen.
Angesichts der verbleibenden dreieinhalb Jahre der Trump-Administration haben CEOs nun eine klarere Vorstellung davon, welche Art von Politik zu erwarten ist und wie weitreichend diese Unternehmen beeinflussen könnte. Golin empfiehlt CEOs, vorsichtig und bewusst mit Engagement umzugehen und sorgfältig zu prüfen, was sie oder ihre Unternehmen unbeabsichtigt ins politische Rampenlicht rücken könnte. Die Zusammenarbeit mit Regierungs- und Unternehmensabteilungen bei allen politischen Änderungen sei dabei entscheidend.
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Konsumentenstimmung auf Dreijahrestief: Eine kritische Einschätzung der US-Wirtschaftspolitik
- Während die CEOs der größten Unternehmen einen vorsichtigen Optimismus zeigen, zeichnet sich in der amerikanischen Bevölkerung ein deutlich pessimistischeres Bild ab. Eine Analyse der Groundwork Collaborative kritisiert die Wirtschaftspolitik der Trump-Administration scharf.*
Kommentar: "Affordability Crisis" und sinkendes Vertrauen
Ein aktueller Kommentar der Groundwork Collaborative, einer Interessenvertretung, kritisiert die Wirtschaftspolitik der Trump-Administration scharf und verweist auf sinkendes Verbrauchervertrauen und steigende Belastungen für Haushalte. Der Kommentar, der die Überschrift "Amerikaner senden eine Botschaft zur Erschwinglichkeit, da das Vertrauen neue Tiefststände erreicht" trägt, argumentiert, dass Präsident Trump zwar versprochen habe, die Kosten sofort zu senken, seine Regierung die "Erschwinglichkeitskrise" jedoch als ein Problem für 2026 darstelle. Gleichzeitig würden alltägliche Amerikaner in Rekordzahlen entlassen – über eine Million in diesem Jahr – und Kreditkartenschulden erdrückten die Haushalte.
Die vorläufigen Daten des Konsumentenstimmungsindex der University of Michigan vom November bestätigen diese Einschätzung: Das Vertrauen fiel auf 50,3 Punkte, von 53,6 im Oktober, und lag damit fast drei Punkte unter den Erwartungen. Dies markiert einen weiteren Rückschlag für das Haushaltsvertrauen und den niedrigsten Stand seit drei Jahren.
Alex Jacquez, Chief of Policy and Advocacy bei Groundwork Collaborative, äußerte sich dazu: „Die Amerikaner verlieren das Vertrauen in die Wirtschaft, weil sie den Boden unter den Füßen verlieren. Es wird jeden Tag deutlicher, dass Präsident Trump kein echtes Interesse daran hat, das Leben amerikanischer Familien zu verbessern. Sein wirtschaftliches Missmanagement hat die Haushalte unter Rekordschulden und steigenden Preisen begraben. Es ist keine Überraschung, dass die Konsumentenstimmung auf dem niedrigsten Stand seit 2022 ist und die Haushalte sich an Führungskräfte wenden, die das Wort ‚Erschwinglichkeit‘ nicht gerade erst gelernt haben.“
Wirtschaftliche Indikatoren im "Trump Slump"
Der Kommentar spricht von einem "Trump Slump" und führt weitere wirtschaftliche Indikatoren an, die die Handlungen des Präsidenten als "zutiefst unpopulär, wirtschaftsschädigend und arbeitnehmerfeindlich" darstellen:
- Konsumentenstimmung auf Dreijahrestief: Die vorläufigen Daten der University of Michigan zeigen, dass das Verbrauchervertrauen im November 50,3 erreichte und sich historisch niedrigen Niveaus nähert.
- Erhöhte Inflationserwartungen: Die Erwartungen für die Inflation im kommenden Jahr sind gestiegen, da die Verbraucher wenig Hoffnung haben, dass die Preise in Trumps Wirtschaft sinken werden. Die Federal Reserve hat festgestellt, dass Zölle die Warenpreise in die Höhe treiben und die Inflation abseits der Zölle immer noch über dem 2 %-Ziel der Fed liegt, was darauf hindeutet, dass die Preisentlastung begrenzt bleibt.
- Entlassungen auf Zwanzigjahreshoch: US-Arbeitgeber kündigten im Oktober 153.000 Stellenstreichungen an – der schlimmste Oktober seit 20 Jahren und die größte Gesamtzahl im vierten Quartal seit der Großen Rezession, so Challenger, Gray & Christmas. Die Entlassungen sind gegenüber dem Vorjahr um 175 % und gegenüber dem Vormonat um 183 % gestiegen, mit insgesamt 1,1 Millionen Arbeitsplatzstreichungen im Jahr 2025, der höchsten Zahl seit 2020. Fast jede Branche reduziert Personal.
finomenal.de kommentiert den Kommentar:
Die Einschätzung der Groundwork Collaborative zeichnet ein düsteres Bild der US-Wirtschaft und steht in deutlichem Kontrast zu dem vorsichtigen Optimismus, den die CEOs in der Fortune-Deloitte-Umfrage äußern. Während die Unternehmensführer sich an die neue Realität anpassen und Wege zur Kostenkontrolle und Innovation suchen, spüren die amerikanischen Haushalte offenbar direkte und schmerzhafte Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftspolitik. Der Fokus der CEOs auf die Anpassung ihrer Geschäftsmodelle an die Zollpolitik scheint die breiteren makroökonomischen Effekte, insbesondere auf die Verbraucher, nicht aufzuwiegen. Es wird deutlich, dass die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage stark von der jeweiligen Perspektive abhängt – ob aus der Chefetage eines Großkonzerns oder aus dem Alltag eines amerikanischen Haushalts.