
CFPB: Russell Vought bleibt Interimsdirektor – Finanzierung und Zukunft ungewiss
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Der US-Senat hat durch das Verfallenlassen einer Nominierung den Weg dafür geebnet, dass Russell Vought für weitere 210 Tage als amtierender Direktor des Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) fungieren kann. Diese Entscheidung verlängert die Unsicherheit über die Zukunft der Verbraucherschutzbehörde, deren Führungsposition und Finanzierung seit Längerem umstritten sind.
Voughts umstrittene Rolle an der CFPB-Spitze
Russell Vought, der auch das Office of Management and Budget (OMB) leitet, hat öffentlich seine Absicht erklärt, die CFPB zu schließen. Er weigerte sich kürzlich, Finanzmittel für die Agentur anzufordern, was zu einem anhaltenden Rechtsstreit mit der National Treasury Employees Union führte. Vought ist zudem Mitautor von Project 2025, einem politischen Entwurf, der die Zerstörung der CFPB und anderer Regulierungsbehörden als Schlüsselziel vorsieht.
Nachdem Präsident Trump 2024 erneut ins Amt gewählt wurde, entließ er den damaligen Direktor Rohit Chopra und setzte Vought als amtierenden Direktor ein. Vought behauptet, die CFPB werde in etwa einem Monat das Geld ausgehen, obwohl er eine umfangreiche Deregulierungsagenda verfolgt. Diese Agenda umfasst die Überprüfung zweier wichtiger bestehender Regeln: die 1033 Open-Banking-Regel und die 1071 Small-Business-Data-Collection-Regel. Beide Regeln haben verlängerte Umsetzungsfristen bis 2026 und 2027, doch Rechtsstreitigkeiten haben ihre vollständige Implementierung verzögert.
Das Manöver des Senats und die Nominierung von Levenbach
Der Senat ermöglichte Voughts Verbleib als amtierender CFPB-Direktor, indem er die Nominierung eines permanenten Direktors verfallen ließ. Nach den Senatsregeln werden Nominierungen, die nicht innerhalb von 30 Tagen behandelt werden, automatisch an den Präsidenten zurückgegeben. Die Nominierung von Stuart Levenbach, die Präsident Trump im November vorgenommen hatte, wurde nicht behandelt und am 3. Januar automatisch zurückgegeben. Der Senat gab keine Erklärung für diese Entscheidung ab.
Levenbach galt weithin als Platzhalterkandidat, dessen Nominierung lediglich dazu dienen sollte, Vought das weitere Führen der Agentur auf temporärer Basis zu ermöglichen. Levenbach arbeitet für Vought als Associate Director des OMB für natürliche Ressourcen, Energie, Wissenschaft und Wasser. Er hat keinen Hintergrund im Verbraucherschutz. Durch das Verfallenlassen der Nominierung kann Vought gemäß dem Federal Vacancies Reform Act weitere 210 Tage, also voraussichtlich bis August, als amtierender Direktor dienen. Nach dem 1. August kann Vought nicht durch eine weitere Nominierung verlängert werden; ab dem 2. August würde der stellvertretende Direktor (derzeit Geoff Gradler) automatisch zum neuen amtierenden Direktor.
Der Kampf um die Finanzierung: Ein gerichtliches Tauziehen
Die Zukunft der CFPB wird voraussichtlich von den Gerichten entschieden. Ein Streit über Voughts Entlassungen bei der CFPB ist derzeit beim U.S. Court of Appeals for the D.C. Circuit anhängig. Zudem lehnte Bundesrichterin Amy Berman Jackson im letzten Monat die Begründung der Trump-Administration ab, dass sie keine Finanzierung für die Agentur anfordern könne.
Die CFPB ist insofern einzigartig unter den Bundesbehörden, als ihre Finanzierung direkt von der Federal Reserve auf Anfrage des Direktors erfolgt. Das Office of Legal Counsel des Justizministeriums hatte behauptet, die CFPB könne keine Gelder von der Federal Reserve beziehen, da die Fed keine Einnahmen habe. Richterin Jackson urteilte jedoch, dass Voughts Weigerung, Finanzmittel anzufordern, gegen eine bestehende einstweilige Verfügung verstößt. Sie stellte fest, dass die "kombinierten Einnahmen" der Fed "alles, was die Federal Reserve verdient" bedeuten.
Richterin Jackson schrieb in ihrer Anordnung, dass die einstweilige Verfügung Vought und die CFPB verpflichtet, bestimmte gesetzliche Funktionen zu erfüllen und eine ausreichende Anzahl von Mitarbeitern sowie physische und technologische Kapazitäten zu unterhalten. Sie bezeichnete die neue Auslegung der "kombinierten Einnahmen" als "unbegründeten und transparenten Versuch, die CFPB auszuhungern und ein weiteres Mal das Ziel zu erreichen, das die einstweilige Verfügung verhindern sollte." Manny Newburger, Partner bei der Anwaltskanzlei Barron & Newburger, kommentierte, dass der Beschluss "kristallklar" mache, dass das Gericht das "Muster der Trickserei" der CFPB und ihrer Anwälte erkenne.
Die Bedeutung der CFPB für den Verbraucherschutz
Die CFPB wurde 2011 durch den Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 gegründet. Ihre oberste Priorität ist die Förderung von Fairness und Transparenz bei Hypotheken, Kreditkarten und anderen Finanzprodukten und -dienstleistungen für Verbraucher. Die Behörde ist eine unabhängige Einrichtung innerhalb der Federal Reserve.
Die CFPB hat sich für den Verbraucherschutz eingesetzt und laut ihrem Blog geschätzte 17,5 Milliarden US-Dollar durch Entschädigungen, Schuldenerlasse und gestrichene Schulden an Amerikaner zurückgeführt. Sie ergriff Maßnahmen gegen Bank of America wegen "Double-Dipping" bei Gebühren für nicht ausreichende Deckung und irreführenden Aussagen zu Kreditkartenprämien. Zudem ordnete sie an, dass Wells Fargo 2 Milliarden US-Dollar an Verbraucher zurückzahlen und 1,7 Milliarden US-Dollar an Bußgeldern wegen Verstößen bei Autokrediten und Hypotheken zahlen muss. Die CFPB hat auch Vorschläge zur Begrenzung übermäßiger Kreditkarten-Mahngebühren und Überziehungsgebühren sowie ein Verbot der Verwendung medizinischer Schulden in Kreditberichten oder Kreditentscheidungen gemacht.
Trotz ihrer Erfolge ist die Agentur nicht ohne Kritiker. Republikaner und Konservative wie der GOP-Kongressabgeordnete Dan Meuser bezeichneten die Agentur als "ideologische Waffe", die unter dem ehemaligen Direktor Rohit Chopra dazu benutzt worden sei, "Unternehmen durch aggressive Regeln, Durchsetzung und Aufsicht unter Druck zu setzen".
Ausblick: Die Gerichte entscheiden über die Zukunft
Während die CFPB weiterhin operiert, sind viele Mitarbeiter angewiesen, "arbeitsbereit" zu sein, obwohl sie nicht technisch arbeiten. Die Trump-Administration hatte versucht, über 1.400 Mitarbeiter der Behörde zu entlassen, doch dieser Schritt ist gerichtlich angefochten. Es bleibt abzuwarten, ob Russell Vought sich entscheidet, die Finanzierung von der Federal Reserve anzufordern oder dem Gerichtsbeschluss zu trotzen. Die nächsten Schritte für die CFPB werden voraussichtlich von den Gerichten bestimmt.