
China: Bevölkerungsschwund beschleunigt sich – Wirtschaftliche Risiken wachsen
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Chinas Bevölkerung schrumpft weiterhin und der Rückgang beschleunigt sich, was ernsthafte langfristige Risiken für die Wirtschaft des Landes birgt. Aktuelle Daten zeigen eine historisch niedrige Geburtenrate und einen vierten aufeinanderfolgenden Bevölkerungsrückgang, der weitreichende Folgen für Arbeitskräfte, Konsum und soziale Sicherungssysteme haben könnte.
Chinas Bevölkerung schrumpft rapide
Neue Daten des Nationalen Statistikamtes Chinas zeigen, dass die Bevölkerung des Landes im Jahr 2025 zum vierten Mal in Folge gesunken ist, und zwar um 3,39 Millionen auf 1,405 Milliarden Menschen. Die Geburtenrate erreichte mit 5,63 pro 1.000 Einwohner den niedrigsten Stand seit der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949, während die Sterberate auf 8,04 pro 1.000 Einwohner anstieg. Die Zahl der Neugeborenen fiel auf 7,92 Millionen, nach 9,54 Millionen im Jahr 2024.
Der Bevölkerungsrückgang auf dem chinesischen Festland begann bereits 2022, als die Einwohnerzahl um 850.000 Menschen sank. Dies war der erste Rückgang seit einer großen Hungersnot in den frühen 1960er Jahren, die während Mao Zedongs gescheitertem "Großen Sprung nach vorn" schätzungsweise 30 Millionen Menschen das Leben kostete. Die Vereinten Nationen prognostizierten 2024, dass Chinas Bevölkerung bis 2100 auf bis zu 663 Millionen fallen könnte, sollte die Geburtenrate weiter sinken und die Einwanderung gering bleiben.
Langfristige Risiken für Chinas Wirtschaft
Ein anhaltender Bevölkerungsrückgang und eine alternde Bevölkerung stellen erhebliche langfristige Risiken für Chinas Wirtschaft dar. Dies könnte zu einem deutlich kleineren Arbeitskräftepotenzial, einer schwächeren Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen wie Wohnraum sowie einem wachsenden Druck auf Renten- und Gesundheitssysteme führen. Eine schrumpfende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in China könnte auch die Weltwirtschaft beeinträchtigen, die sich lange auf Chinas Produktivität und Wirtschaftswachstum verlassen hat.
Obwohl China im vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von 5% verzeichnete und damit sein offizielles Ziel erreichte, kämpft das Land mit internen Herausforderungen. Dazu gehören eine stark steigende Jugendarbeitslosigkeit und ein anhaltendes Überangebot an Wohnraum, das die Immobilienwerte einbrechen ließ. Dies wiederum beeinträchtigt die Konsumausgaben und verlangsamt Investitionen in Infrastruktur, Fertigung und Immobilien. Trotz dieser Schwierigkeiten und der Zölle von Präsident Donald Trump verzeichnete China 2025 einen Rekord-Handelsüberschuss.
Regierungsmaßnahmen zeigen wenig Wirkung
Die demografischen Herausforderungen Chinas haben sich schneller entwickelt, als die Regierung einst erwartet hatte. Um den Auswirkungen entgegenzuwirken, hat die Regierung frühere Beschränkungen gelockert. Vor einem Jahrzehnt wurde die Ein-Kind-Politik aufgegeben, um Familien zwei Kinder zu erlauben, und vor fünf Jahren wurde die Erlaubnis auf drei Kinder erweitert.
In den letzten Jahren hat die Regierung zudem versucht, die Geburtenrate durch finanzielle Anreize für Eltern, eine Verschärfung des Zugangs zu Abtreibungen und jüngst durch die Einführung neuer Steuern auf Verhütungsmittel wie Antibabypillen und Kondome zu erhöhen. Bislang gibt es jedoch kaum Anhaltspunkte dafür, dass diese Bemühungen erfolgreich waren, die Geburtenraten signifikant zu steigern.
Ein globales Phänomen mit weitreichenden Folgen
Obwohl Chinas Situation ernst ist, steht das Land mit sinkenden Geburtenraten nicht allein da. Weltweit, insbesondere in Ländern mit höherem Einkommen wie den USA, fallen die Geburtenraten. Ein Bericht der Abteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen (UN DESA) stellt fest, dass Fruchtbarkeitsraten unter der "Ersatzrate" von 2,1 Geburten pro Frau "zur globalen Norm werden".
Dies hat ähnliche wirtschaftliche Bedenken hinsichtlich einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung und einer wachsenden älteren Bevölkerung ausgelöst. Die USA haben im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften eine etwas positivere Bevölkerungsprognose, da sie voraussichtlich aufgrund von Einwanderung leicht wachsen werden.