
Chinas Aufstieg: Iran-Krieg beschleunigt Dominanz bei erneuerbaren Energien
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Der anhaltende Konflikt im Iran und die damit verbundenen Störungen auf den globalen Energiemärkten beschleunigen den Übergang zu erneuerbaren Energien. Ökonomen wie Paul Krugman sehen darin einen entscheidenden Vorteil für China, das bereits eine führende Rolle in der Produktion von sauberen Technologien einnimmt. Diese Entwicklung könnte Chinas Position als globale Wirtschaftsmacht weiter festigen.
Der Iran-Krieg und die globale Energiewende
Der Konflikt im Iran hat die Ölpreise in die Höhe getrieben und die Straße von Hormus geschlossen, was die Risiken einer Stagflation erhöht, so Nobelpreisträger Paul Krugman. Diese Turbulenzen zwingen Länder weltweit, ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu überdenken und den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Insbesondere asiatische Nationen, die den Großteil des Öls und Gases aus der Straße von Hormus bezogen, sind nun bestrebt, Energie zu sparen und ihre schwindenden Reserven aufzustocken.
Die steigenden Benzinpreise in den USA und Europa, während ein vorübergehender Waffenstillstand wankt, unterstreichen die Fragilität der globalen Energieversorgung. Experten prognostizieren, dass dieses Chaos einen schnellen Wandel hin zu sauberer Energie auslösen wird, da Länder verstärkt auf erneuerbare Energien setzen. Krugman hebt hervor, dass die "China-geführte Energiezukunft" dank des Debakels im Iran früher als erwartet eintreffen wird.
Chinas Dominanz in der Elektrotechnik
Paul Krugman betont, dass China der größte geopolitische Gewinner dieser Entwicklung sein wird. Das Land dominiert die Produktion von Infrastruktur für erneuerbare Energien und ist in der "Elektrotechnik" – einem Cluster von Industrien wie Solarmodulen, Windturbinen, Batterien und Elektrofahrzeugen – führend. Chinas Industriepolitik hat es zu einem Fertigungszentrum gemacht, das perfekt positioniert ist, um die Nachfrage nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu bedienen.
Laut Krugman hat China durch diese Dominanz nicht nur Erfahrung und Know-how gesammelt, sondern auch ein industrielles Ökosystem spezialisierter Zulieferer geschaffen, das weltweit unübertroffen ist. Entgegen der Behauptung von Donald Trump, China würde erneuerbare Energien nur produzieren, aber nicht selbst nutzen, steigt Chinas heimischer Verbrauch an sauberer Energie ebenfalls stark an. Das Land macht über 70 % der weltweiten EV-Produktion und etwa 85 % der Batteriezellproduktion aus, so die Internationale Energieagentur.
Gegensätzliche Energievisionen: USA vs. China
Die USA unter Präsident Donald Trump haben sich von erneuerbaren Energien zurückgezogen und stattdessen auf ihre umfangreichen Öl- und Gasressourcen gesetzt, um "Energiedominanz" zu erreichen. Trumps Ansatz, zusammengefasst als "drill, baby, drill", bevorzugt fossile Brennstoffe gegenüber erneuerbaren Energien. Dies steht im Gegensatz zu Chinas langfristiger Strategie.
Chinas Präsident Xi Jinping hat bereits vor über einem Jahrzehnt Energiesicherheit mit nationaler Sicherheit verknüpft und den Fokus auf erneuerbare Energien verstärkt. Peking plant, den Anteil nicht-fossiler Brennstoffe am nationalen Verbrauch von 21,7 % auf 25 % bis 2030 zu erhöhen. Sam Reynolds vom U.S.-based Institute for Energy Economics and Financial Analysis kommentiert, dass Chinas Ansatz zur Energiesektorentwicklung und Geopolitik durch den Iran-Konflikt "vollständig bestätigt" wurde.
Steigende Nachfrage und Marktchancen
Der Iran-Krieg treibt die Nachfrage nach chinesischer Technologie an. Die Exporte von Solarmodulen, Batterien und Elektroautos erreichten im Dezember einen Rekordwert von fast 22,3 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von etwa 47 % gegenüber dem Vorjahr, wobei ein Großteil nach Südostasien und Europa ging. Chinesische Branchenriesen wie der Fahrzeughersteller BYD und der Batterieproduzent CATL sind gut positioniert, um von dem wachsenden Interesse an emissionsarmen Energieprodukten zu profitieren.
Seit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran im Februar verzeichneten CATL-Aktien an der Hongkonger Börse einen Sprung von 29,5 Prozent, während die Shenzhen-Aktien um 13,6 Prozent stiegen. BYD meldete im März einen Anstieg der Exporte und Überseeverkäufe von Fahrzeugen um 65 Prozent im Jahresvergleich. Auch Jinko Solar, ein führender Solarmodulhersteller, verzeichnet seit dem Krieg ein Exportwachstum.
Weltweit reagieren Regierungen auf die Energiekrise mit verstärkten Investitionen in erneuerbare Energien:
- Indonesiens Präsident Prabowo Subianto kündigte den Bau von 100 Gigawatt Solarenergie in den nächsten zwei Jahren an.
- Die staatliche Pensionskasse der Philippinen bietet Darlehen von bis zu 8.300 US-Dollar für die Installation von Solaranlagen in Privathaushalten an.
- Deutschland führte ein 8 Milliarden Euro schweres Paket zur Erweiterung der Windkraftkapazitäten und zur Subventionierung von Elektrofahrzeugverkäufen ein.
Lin Boqiang, Direktor des China Center for Energy Economics Research an der Xiamen University, merkt an, dass chinesische Clean-Tech-Unternehmen den Markt für die meisten Produkte der erneuerbaren Energiegewinnung erobert und eine "absolute Wettbewerbsfähigkeit" in Bezug auf Kosten und Qualität entwickelt haben.
Langfristige Auswirkungen und Energiesicherheit
Paul Krugman warnt, dass Chinas Vorsprung in der Herstellung von erneuerbaren Energien "wahrscheinlich unüberwindbar" sein wird, sollte sich Amerika nicht von Trumps "Obsession mit fossilen Brennstoffen" lösen. Die Clean-Tech-Sektoren machten 2025 bereits über ein Drittel des chinesischen Wirtschaftswachstums aus.
Yang Biqing, China-Analyst bei Ember, betont, dass dies Teil eines längerfristigen Trends ist und nicht nur eine unmittelbare Reaktion auf höhere Öl- und Gaspreise. Energiesicherheit rückt zunehmend auf die Agenda der Regierungen, und der Übergang zu sauberer Energie wird zunehmend als Mittel zur Stärkung der Energiesicherheit angesehen.