
Chinas Eingriff bei Meta-Manus: Das Ende des "Singapore-Washing"?
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Metas milliardenschwere Übernahme des KI-Startups Manus, das seine Wurzeln in China hat, wird von Peking unerwartet unter die Lupe genommen. Diese Intervention stellt das beliebte Modell des "Singapore-Washing" infrage und sendet Schockwellen durch die globale Tech-Branche, die auf grenzüberschreitende Deals und Talentmobilität angewiesen ist. Die verschärfte Kontrolle Chinas über Technologieexporte und Talentbewegung könnte weitreichende Folgen für die Zukunft von Tech-Startups und Investitionen haben.
Pekings überraschende Intervention bei Meta-Manus
Meta erwarb das singapurische KI-Startup Manus für 2 Milliarden US-Dollar. Manus, ursprünglich in China gegründet, hatte seinen Hauptsitz und Kernteams letztes Jahr nach Singapur verlegt, um Zugang zu tieferen Kapitalpools von ausländischen Investoren wie Benchmark aus San Francisco zu erhalten. Das Unternehmen erregte Aufmerksamkeit mit einem KI-Agenten, der Webseiten erstellen und grundlegende Programmieraufgaben selbstständig ausführen kann.
Kurz nach der Übernahme begann die chinesische Regierung eine Prüfung, ob der Verkauf von Manus gegen Gesetze zu Technologieexporten und Auslandsinvestitionen verstieß. Die Mitbegründer Xiao Hong und Ji Yichao wurden laut einem Bericht der Financial Times daran gehindert, China in Richtung Singapur zu verlassen. Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) lud zudem Führungskräfte von Meta und Manus vor und äußerte Bedenken hinsichtlich Technologietransfer und Talentbewegung.
Das Ende des "Singapore-Washing"-Modells?
Das sogenannte "Singapore-Washing"-Modell, bei dem Unternehmen ihren Sitz nach Singapur verlegen, galt als Weg, die Kontrolle sowohl Pekings als auch Washingtons zu umgehen. US-Gesetzgeber hatten bereits Mitte 2025 amerikanischen Investoren untersagt, direkt in chinesische KI-Unternehmen zu investieren. Die chinesische Regierung verstärkt nun ihre Bemühungen, chinesische KI-Gründer von der Verlagerung ihres Geschäfts ins Ausland abzuhalten.
Wayne Shiong, Managing Partner bei Argo Venture Partners, kommentierte, dass der von Manus eingeschlagene Weg nun nicht mehr beschritten werde. Er sieht, dass Gründer nun vermehrt versuchen, von "Tag eins" an außerhalb Chinas zu starten, bevor signifikante Forschung und Entwicklung in China stattfindet. Yuan Cao, ein Anwalt bei Yingke in Peking, bezeichnete es als "rote Flagge für Peking", wenn Unternehmen Technologie in China entwickeln und dann Vermögenswerte durch Umstrukturierung an eine ausländische Einheit übertragen. Cao betonte, dass in solchen Fällen "wo man sein Produkt entwickelt, wichtiger ist als der Registrierungsort der Holdinggesellschaft".
Herausforderungen für Tech-Gründer und Investoren
Matthias Hendrichs, ein in Singapur ansässiger Berater für globale KI-Firmen, erklärte, dass "Singapore-Washing" oder die bloße Gründung einer lokalen juristischen Person und die Einstellung einiger lokaler Mitarbeiter bei weitem nicht ausreicht. Er betonte, dass das gesamte Team umziehen, der Kundenstamm verlagert und frühe chinesische Investoren ihre Positionen in der Regel aufgeben müssten. Alex Ma, Managing Partner bei Alpha Omega Holdings, wies darauf hin, dass chinesische Behörden "hinter die singapurische Fassade blicken und die Wurzel des Unternehmens, einschließlich Codes, Daten und Talente, untersuchen" würden.
Die chinesische Regierung verschärft ihren Griff auf KI-Talente, was die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die Mobilität von Startups einschränken könnte. Dies schafft Unsicherheit für eine Generation chinesischer Tech-Gründer und Risikokapitalgeber, die auf dieses Modell gesetzt hatten. Ma blieb jedoch positiv, dass Unternehmen auch nach der Manus-Episode weiterhin neue Compliance-Wege finden werden, da Peking möglicherweise nicht "Erfolg übermäßig bestrafen" möchte.
Aktueller Stand und Ausblick
Trotz Pekings Prüfung wurde der Deal abgeschlossen, und über 100 Manus-Mitarbeiter sind Anfang März in Metas Büro in Singapur umgezogen. Ein Meta-Sprecher teilte CNBC mit, dass "die Transaktion vollständig mit geltendem Recht übereinstimmte. Wir erwarten eine angemessene Lösung der Anfrage." Es bleibt unklar, welche weiteren Maßnahmen die chinesische Regierung ergreifen wird, abgesehen von den Ausreiseverboten für die Gründer, und ob sie Meta-Manus anweisen wird, die Transaktion rückgängig zu machen.
Hendrichs merkte an, dass eine Rückabwicklung des Deals für Meta "sehr knifflig" wäre, da der US-Tech-Riese Manus angesichts des harten Wettbewerbs schnell integriert hat. Der Fall Manus setzt einen politischen Präzedenzfall, der zukünftige grenzüberschreitende Deals erschweren könnte. Die Unsicherheit hat auch den Aktienkurs von Meta belastet, der in diesem Jahr um etwa 10 % gefallen ist. Selbst für Startups, die von Anfang an außerhalb Chinas gegründet wurden, hat Pekings Vorgehen eine weitere Unsicherheitsebene in ein bereits undurchsichtiges Regulierungssystem eingefügt.