
Chinas Erzeugerpreise steigen erstmals seit drei Jahren wieder
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Chinas Erzeugerpreise sind im März nach einer dreijährigen Deflationsphase wieder gestiegen, während sich die Verbraucherinflation verlangsamte. Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund stark gestiegener Ölpreise statt, die durch den anhaltenden Iran-Krieg die globalen Energiemärkte erheblich beeinflussen. Die Daten des Nationalen Statistikamtes zeigen eine komplexe wirtschaftliche Landschaft für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Chinas Erzeugerpreise beenden Deflationsphase
Der Erzeugerpreisindex (PPI) Chinas stieg im März im Jahresvergleich um 0,5 Prozent. Dies markiert das erste Wachstum seit September 2022 und beendet die längste Deflationsphase seit Jahrzehnten. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen der Ökonomen und deutet auf eine mögliche Erholung im chinesischen Industriesektor hin.
Verbraucherinflation moderiert trotz steigender Energiepreise
Gleichzeitig stieg der Verbraucherpreisindex (CPI) im März um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Wert verfehlte die Prognosen der Ökonomen, die in einer Reuters-Umfrage von einem Anstieg um 1,2 Prozent ausgegangen waren, und verlangsamte sich gegenüber dem Anstieg von 1,3 Prozent im Februar. Die moderatere Verbraucherinflation könnte den Spielraum für geldpolitische Maßnahmen beeinflussen.
Der Einfluss des Iran-Krieges auf die globalen Ölmärkte
Der Anstieg der Erzeugerpreise ist maßgeblich auf den starken Anstieg der Ölpreise zurückzuführen, der durch den Krieg zwischen den USA und dem Iran ausgelöst wurde. Der Konflikt, der sich in der sechsten Woche befindet, hat die Ölpreise stark in die Höhe getrieben, nachdem Teheran die Straße von Hormus für die meisten kommerziellen Tanker effektiv geschlossen und große Produzenten im Nahen Osten die Ölproduktion gedrosselt hatten.
Der internationale Referenzwert Brent für den Juni-Kontrakt notierte am Freitag bei 96,7 US-Dollar pro Barrel, was einem Anstieg von 33 Prozent seit Kriegsbeginn am 28. Februar entspricht. Die US-WTI-Rohöl-Futures für die Mai-Lieferung lagen bei 98,5 US-Dollar pro Barrel, ein Plus von 47 Prozent im Vergleich zu den Vorkriegsniveaus.
Chinas Reaktion und wirtschaftliche Aussichten
Als weltweit größter Ölimporteur ist China potenziellen inflationären Spillover-Effekten ausgesetzt. Jedoch bieten die massiven strategischen Lagerbestände des Landes und diversifizierte Energiequellen eine gewisse Absicherung für die Wirtschaft. Robin Xing, Chefökonom für China bei Morgan Stanley, kommentierte: "China schneidet inmitten eines beträchtlichen, aber nicht extremen Ölschocks besser ab als seine Konkurrenten, angesichts seiner Energiefungibilität und politischen Flexibilität bei niedriger Ausgangsinflation."
Morgan Stanley prognostiziert für China einen PPI-Anstieg von 1,2 Prozent und einen CPI-Anstieg von 0,8 Prozent für das Jahr 2026. Die Wall Street Bank senkte ihre Prognose für Chinas BIP-Wachstum in diesem Jahr um 10 Basispunkte auf 4,7 Prozent, unter der Annahme, dass der Ölpreis im zweiten Quartal durchschnittlich 110 US-Dollar pro Barrel beträgt, bevor er zurückgeht. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten weiter verschärfen und die Ölpreise im zweiten Quartal über 150 US-Dollar pro Barrel treiben, könnte Chinas reales BIP in diesem Jahr auf 4,2 Prozent sinken. Xing fügte hinzu: "Selbst wenn die Meerenge wieder geöffnet wird, könnten eine langsame Normalisierung des Angebots und der Wiederaufbau von Lagerbeständen die Ölpreise hoch halten."
Staatliche Maßnahmen und geldpolitische Herausforderungen
Als Zeichen des bereits bestehenden Drucks hob Chinas oberste Wirtschaftsplanungsbehörde am Dienstag erneut die Einzelhandelspreise für Benzin und Diesel an, um 420 Yuan (ca. 61,18 US-Dollar) bzw. 400 Yuan pro metrische Tonne. Bereits im Vormonat hatten die politischen Entscheidungsträger die Preise um 1.160 Yuan und 1.115 Yuan pro Tonne erhöht.
Die Turbulenzen auf den Ölmärkten könnten die Kalkulation der politischen Entscheidungsträger verändern. Ökonomen warnten, dass ein Input-Kosten-Schock eine "schlechte Inflation" in der Wirtschaft auslösen könnte, was die ohnehin schon geringen Gewinnmargen der Hersteller weiter schmälern würde. Die People's Bank of China (PBOC) bekräftigte bei einer vierteljährlichen Sitzung im letzten Monat ihren vorsichtigen geldpolitischen Lockerungskurs, was die Hoffnungen auf Zinssenkungen in diesem Jahr dämpfte. Die Zentralbank hatte im Jahr 2025 lediglich eine Reduzierung des Leitzinses um 10 Basispunkte vorgenommen. Die Rendite chinesischer 10-jähriger Staatsanleihen blieb am Freitag trotz anhaltender Bedenken hinsichtlich erhöhter Ölpreise mit 1,814 Prozent relativ stabil.