
Chinas Leitzinsen stabil: Wachstum, Inflation und Nahost-Risiken im Fokus
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Die chinesische Zentralbank (PBOC) hat ihre Benchmark-Leitzinsen, die Loan Prime Rates (LPR), den elften Monat in Folge unverändert gelassen. Diese Entscheidung spiegelt eine Abwägung zwischen dem robusten heimischen Wirtschaftswachstum, nachlassendem Deflationsdruck und den wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahost-Konflikts wider. Die Politik verfolgt einen "Wait-and-see"-Ansatz, um externe Unsicherheiten zu bewerten.
Chinas Zentralbank hält Leitzinsen stabil
Die People's Bank of China (PBOC) beließ die einjährige LPR, den Referenzsatz für neue Kredite, bei 3,0 Prozent. Auch die fünfjährige LPR, maßgeblich für Hypothekenzinsen, blieb bei 3,5 Prozent. Diese Stabilität wird vor dem Hintergrund steigender globaler Ölpreise infolge der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten beibehalten, welche die Wachstumsaussichten eintrüben. Die PBOC erklärte, dass sie in diesem Jahr eine "unterstützende" und "moderat lockere" Geldpolitik beibehalten werde, um das Wachstum zu stützen und gleichzeitig die Währung stabil zu halten.
Wirtschaftswachstum und Inflationsdruck im Inland
Chinas Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal ein Wachstum von 5 Prozent, eine Beschleunigung gegenüber den 4,5 Prozent des Vorquartals. Damit liegt das Wachstum am oberen Ende des für 2026 angestrebten Jahresziels von 4,5 bis 5 Prozent, dem ehrgeizigsten Ziel seit den 1990er Jahren. Dieses robuste Wachstum zu Jahresbeginn hat den Druck für zusätzliche Konjunkturmaßnahmen reduziert.
Gleichzeitig stiegen Chinas Erzeugerpreise im März erstmals seit über drei Jahren um 0,5 Prozent im Jahresvergleich, was auf einen beginnenden Importkostendruck hindeutet. Die Verbraucherinflation verzeichnete im Februar mit 1,3 Prozent den größten Sprung seit über drei Jahren, bevor sie im März auf 1 Prozent nachließ. Yu Song, Chefökonom für China bei UBS Securities, merkt an, dass die steigende Inflation den Anreiz der PBOC für Zinssenkungen oder größere Lockerungen kurzfristig verringert.
Globale Turbulenzen durch Nahost-Konflikt
Seit dem Ausbruch des US-Israel-Iran-Konflikts Ende Februar haben die globalen Finanz- und Energiemärkte erhebliche Schocks erlebt. Die Marktvolatilität nahm stark zu, und die Risikoaversion stieg. Zwischen dem 2. März und dem 3. April fielen globale Aktienmärkte, wobei der MSCI Emerging Markets Index um 8,4 Prozent und der MSCI Developed Markets Index um 4,7 Prozent sank.
Einzelne Indizes zeigten deutliche Rückgänge im selben Zeitraum:
- Südkoreas KOSPI: -13,9 %
- Japans Nikkei 225: -9,7 %
- Deutschlands DAX: -8,6 %
- Frankreichs CAC 40: -7,2 %
- S&P 500: -4,3 %
Im Anleihemarkt stiegen die Renditen von Staatsanleihen in wichtigen Volkswirtschaften. Die Rendite der 10-jährigen britischen Staatsanleihe erhöhte sich um 54 Basispunkte, die der 10-jährigen US-Staatsanleihe um 34 Basispunkte auf 4,31 Prozent (kurzzeitig 4,44 Prozent). Auch die Renditen deutscher und japanischer 10-jähriger Staatsanleihen stiegen um 34 bzw. 27 Basispunkte. Der US-Dollar-Index erholte sich um 2,6 Prozent auf 100,2, während Währungen wie der Schweizer Franken (-3,9 %), der Euro (-2,5 %), der japanische Yen (-2,2 %) und das britische Pfund (-2,1 %) gegenüber dem Greenback nachgaben.
Chinas Finanzmärkte zeigen relative Stabilität
Trotz der globalen Turbulenzen zeigten Chinas Finanzmärkte eine relative Widerstandsfähigkeit. Der Shanghai Composite Index fiel im Zeitraum vom 2. März bis 3. April um 6,8 Prozent, was im Vergleich zu anderen großen Märkten eine geringere Volatilität darstellt. Die Rendite der 10-jährigen chinesischen Staatsanleihe stieg nur geringfügig um 4 Basispunkte und behielt ein Muster geringer Gesamtvolatilität bei. Der zentrale Paritätskurs des chinesischen Yuan wertete gegenüber dem US-Dollar um 0,4 Prozent auf.
Diese Stabilität ist hauptsächlich auf die asymmetrischen Auswirkungen der Nahost-Lage zurückzuführen. Der Anteil von Öl und Gas am chinesischen Energieverbrauch war 2024 mit 27 Prozent relativ gering. Die Abhängigkeit von Gesamtimporten und Importen aus der Region im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) war ebenfalls niedrig:
- Öl- und Gasimporte aus dem Nahen Osten: 0,8 % des BIP
- Zum Vergleich: Südkorea 4,1 %, Indien 2,1 %, Japan 1,7 %
Risiken und Ausblick für die chinesische Wirtschaft
Die Unsicherheit bezüglich Dauer und Ausmaß des US-Israel-Iran-Konflikts bleibt hoch, was erhebliche Aufwärtsrisiken für die internationalen Ölpreise birgt. Goldman Sachs und UBS Securities haben Szenarien für Brent-Rohölpreise skizziert, die von einem Basisszenario bis zu einem Extremfall reichen, in dem die Preise 150 bis 160 US-Dollar pro Barrel erreichen könnten. Hohe Ölpreise könnten Chinas Wirtschaft über mehrere Kanäle belasten:
- Unterdrückung der externen Nachfrage
- Erhöhung des importierten Inflationsdrucks
- Beeinträchtigung des Vertrauens ausländischer Investoren
- Auslösung von Finanzmarktansteckungen
Huang Yiping, ein Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der People's Bank of China, äußerte Bedenken hinsichtlich des Schocks für die Unternehmensprofitabilität durch steigende Ölpreise. Er betonte jedoch, dass China über politischen Spielraum verfüge, um den Schock steigender Ölpreise abzufedern, sollte der Nahost-Konflikt bald enden.
Internationale Koordination und Binnenreformen
Chinas Zentralbankgouverneur Pan Gongsheng warnte bei einem IWF-Treffen in Washington vor den Auswirkungen steigender geopolitischer Spannungen, Protektionismus und Handelsbarrieren auf das globale Wachstum und die Finanzmarktvolatilität. Er forderte eine tiefere internationale Politikkoordination zur Sicherung der makroökonomischen und finanziellen Stabilität. Finanzminister Lan Fo'an bekräftigte zudem Pekings Aufruf zur Ausweitung der Binnennachfrage und zur Ankurbelung des Konsums. Analysten betonen, dass China sich auf interne Reformen und eine qualitativ hochwertige Entwicklung konzentrieren muss, um externe Risiken zu managen und seine wirtschaftlichen Fundamentaldaten zu stabilisieren.