
Chinas Militärführung im Umbruch: Xis Säuberungswelle und ihre Folgen
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Die Volksbefreiungsarmee (PLA), Chinas riesiges Militär, wird derzeit von einer umfassenden Säuberungswelle in ihren höchsten Rängen erschüttert. Jüngste Ermittlungen gegen führende Generäle werfen ernsthafte Fragen über die Führung, die politische Loyalität und die operative Kampfbereitschaft der Streitkräfte auf. Diese Entwicklung markiert einen Höhepunkt in der langjährigen Anti-Korruptionskampagne von Staatschef Xi Jinping.
Hochrangige Militärführer unter Verdacht
Zuletzt gab das chinesische Verteidigungsministerium bekannt, dass gegen General Zhang Youxia, stellvertretender Vorsitzender der Zentralen Militärkommission (CMC), und Liu Zhenli, Stabschef der Gemeinsamen Stabsabteilung der Kommission, Ermittlungen eingeleitet wurden. Zhang Youxia galt als einer der engsten militärischen Vertrauten Xi Jinpings und war der ranghöchste Militärangehörige im Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Liu Zhenli war zuvor Kommandeur der PLA-Bodentruppen.
Die Vorwürfe lauten auf „schwere Disziplinarverstöße und Gesetzesverstöße“ sowie auf „politische und Korruptionsprobleme, die die absolute Führung der Partei über das Militär untergruben und die Herrschaftsgrundlage der Partei bedrohten“. Analysten deuten an, dass die Anschuldigungen über reine Finanzkorruption hinausgehen könnten und möglicherweise eine Herausforderung von Xis Autorität oder Meinungsverschiedenheiten bei Modernisierungszielen implizieren. Ein Bericht des Wall Street Journal, dessen Informationen Business Insider nicht unabhängig überprüfen konnte, erwähnte sogar die Möglichkeit, dass Zhang nukleare Daten an die USA weitergegeben haben könnte, zusätzlich zu Bestechungsvorwürfen und der Bildung „politischer Cliquen“.
Eine beispiellose Säuberungswelle
Die aktuellen Untersuchungen sind Teil einer massiven Anti-Korruptionskampagne, die Xi Jinping seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 vorantreibt und die bereits über 200.000 Beamte betroffen hat. Im Militär hat diese Kampagne seit 2022 etwa zwei Dutzend hochrangige Offiziere erfasst, darunter zwei Verteidigungsminister und neun Top-Kommandeure, die im vergangenen Oktober entlassen wurden. General Zhang Youxia ist der ranghöchste Offizier, der von Xis Vorgehen im Militär betroffen ist.
Jonathan Czin, China-Experte am Brookings Institute, bezeichnete die Entwicklung als „ultimativen Höhepunkt dieser Anti-Korruptionskampagne im Militär“. Er betonte gegenüber Business Insider, dass dies ein klares Signal aussende, dass „niemand sicher ist, unabhängig von der Art der Beziehung, die man zu Xi Jinping hatte oder hat“. Neil Thomas vom Asia Society Policy Institute ergänzte, Xi Jinping habe „eine der größten Säuberungen der chinesischen Militärführung in der Geschichte der Volksrepublik“ vollzogen.
Auswirkungen auf die Militärführung und Loyalität
Die Säuberungen haben die Zusammensetzung der Zentralen Militärkommission (CMC) drastisch verändert. Von den sieben im Jahr 2022 ernannten Mitgliedern sind neben Xi Jinping selbst nur noch General Zhang Shengmin, der Anti-Korruptionsbeauftragte der Kommission, im Amt. Drei weitere Mitglieder haben seit 2024 ihre Posten verloren und wurden noch nicht ersetzt. Dies führt zu einer Konzentration der militärischen Führung in den Händen von Xi und Zhang Shengmin.
Brian Hart vom Center for Strategic and International Studies merkte an, dass der Pool an Kandidaten für Spitzenpositionen „ausgedünnt“ sei. Xi könnte die bestehende Kommandostruktur mit neuen, ihm loyalen Personen besetzen oder die Führungsstruktur der PLA grundlegend neu gestalten. Die interne Umwälzung schafft eine Atmosphäre erhöhter Vorsicht und Selbstzensur innerhalb des Offizierskorps, in der politische Loyalität zunehmend Autonomie und Initiative überwiegt.
Kampfbereitschaft und regionale Stabilität in Frage gestellt
Experten befürchten, dass die jüngsten Korruptionsermittlungen unmittelbare Auswirkungen auf die Kampfbereitschaft der PLA haben könnten. Weniger erfahrene Kommandeure könnten die Koordination bei komplexen Operationen, wie einer Blockade oder Invasion Taiwans, verlangsamen. Brian Hart erklärte, dass jeder Führer, der den Einsatz von Gewalt in Betracht zieht, loyale, erfahrene und effektive Kommandeure an seiner Seite haben möchte, was der immense Personalwechsel in den höchsten Rängen der PLA erschwert.
Trotz dieser internen Turbulenzen könnte China versuchen, ein Signal zu senden, dass die Umwälzungen die militärische Bereitschaft nicht beeinträchtigen. Lyle Morris vom Asia Society Policy Institute spekulierte, dass es zu einer Zunahme großer Übungen rund um Taiwan kommen könnte, um nach außen hin Stärke zu demonstrieren, während intern erhebliche Unruhen und Unordnung innerhalb der PLA herrschen. Die offizielle PLA Daily hingegen argumentierte, dass „je mehr die Volksarmee Korruption bekämpft, desto stärker, reiner und kampffähiger sie wird“.
Die undurchsichtige Natur der chinesischen Politik
Die genauen Gründe für die Entlassungen und Ermittlungen bleiben aufgrund der notorischen Undurchsichtigkeit der chinesischen Führung oft im Dunkeln. Wie K. Tristan Tang vom Pacific Forum bemerkte, ist es schwierig, die Ereignisse mit Sicherheit zu interpretieren, da „einmal eine Untersuchung eingeleitet wird, Probleme fast unweigerlich aufgedeckt werden“. Die schnelle Absetzung von Zhang und Liu, die noch vor kurzem öffentlich aufgetreten waren, überraschte viele Beobachter.
Die Entwicklungen unterstreichen die Personalisierung der Macht unter Xi Jinping und schwächen gleichzeitig die Rolle der „kollektiven Führung“ im militärischen Bereich. Die Unsicherheit über die wahren Motive und die weitreichenden Konsequenzen dieser Säuberungswelle prägen weiterhin die Wahrnehmung der chinesischen Militärpolitik.