
Chinas Volkskongress: Technologie, Wirtschaftswachstum und globale Stabilität im Fokus
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Chinas jährlicher Volkskongress in Peking hat die nationalen Prioritäten des Landes bekräftigt: Fokus auf technologischen Fortschritt und Wirtschaftswachstum. Trotz globaler Spannungen, insbesondere des Iran-Krieges, positioniert sich China als stabilisierende Kraft und treibt seine langfristigen Entwicklungsziele voran. Die Rivalität mit den Vereinigten Staaten konzentriert sich dabei zunehmend auf die Entwicklung von Spitzentechnologien des 21. Jahrhunderts.
Technologischer Fortschritt und Wirtschaftswachstum im Fokus
Der Nationale Volkskongress hat am Donnerstag einen neuen Fünfjahresplan formell verabschiedet, der die Transformation der chinesischen Wirtschaft und die Führung im Technologiesektor als oberste Priorität festlegt. Dies ist das größte politische Ereignis des Jahres und unterstreicht Chinas Entschlossenheit, den Kurs der wirtschaftlichen Entwicklung beizubehalten. Staatliche Medien beschreiben diese Haltung als eine Quelle der Stabilität in einer unsicheren Welt.
Die offizielle Zeitung People's Daily kommentierte am Mittwoch: „Ein stabiles und sich entwickelndes China injiziert mehr Stabilität und Sicherheit in eine Welt voller Veränderungen und Turbulenzen.“ Diese Ansicht wurde von weiteren staatlichen Medien geteilt. Obwohl die Weltöffentlichkeit stark auf den Iran-Krieg blickt, verfolgt China seine nationalen Prioritäten mit globalen Auswirkungen konsequent weiter.
China als globale Stabilitätskraft
Chinas Außenminister Wang Yi betonte auf seiner jährlichen Pressekonferenz im Rahmen des Volkskongresses am Sonntag die Rolle seines Landes als Garant globaler Stabilität. Angesichts eskalierender Konflikte im Nahen Osten und eines bevorstehenden Gipfeltreffens zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Peking, plädierte Wang für Zurückhaltung und diplomatische Lösungen. Er zitierte ein altes chinesisches Sprichwort: „Kriege sind finstere Instrumente, die nicht ohne gerechtfertigten Grund eingesetzt werden sollten.“
Wang forderte einen sofortigen Waffenstillstand, um eine regionale Eskalation zu verhindern, und betonte, dass alle Parteien an den Verhandlungstisch zurückkehren sollten. Peking hat zugesagt, einen Sondergesandten in den Nahen Osten zu entsenden, was auf eine aktivere diplomatische Rolle hindeutet. China unterhält enge wirtschaftliche und strategische Beziehungen zum Iran, vermied jedoch eine offene Parteinahme, um sein Image als verantwortungsvolle Macht zu stärken.
Der Außenminister formulierte fünf Prinzipien für das Konfliktmanagement:
- Respekt vor nationaler Souveränität, die er als "Eckpfeiler der internationalen Ordnung" definierte. Er betonte, dass Irans Souveränität, Sicherheit und territoriale Integrität respektiert werden müssen.
- Vermeidung übermäßiger Gewaltanwendung. Wang erklärte: "Gewalt ist nicht gleichbedeutend mit Recht, und die Welt kann nicht zum Gesetz des Dschungels zurückkehren."
- Nichteinmischung in interne Angelegenheiten anderer Länder, eine zentrale Doktrin der chinesischen Diplomatie.
- Priorisierung politischer Lösungen für internationale Krisen.
- Verantwortungsbewusstes Handeln der Großmächte.
China sieht sich als "die wichtigste Kraft in der Welt für Frieden, Stabilität und Gerechtigkeit."
Wirtschaftliche Ziele und Herausforderungen
Chinas Premierminister Li Qiang gab zu Beginn des Kongresses ein Wirtschaftswachstumsziel von 4,5 % bis 5 % für 2026 bekannt. Dieses Ziel soll der Regierung mehr Spielraum geben, sich auf die längerfristigen Ziele des Fünfjahresplans zu konzentrieren, anstatt nur kurzfristige Wachstumsziele zu verfolgen. Viele Ökonomen sind der Ansicht, dass China mehr tun muss, um die Kaufkraft der Verbraucher zu stärken und die Abhängigkeit vom exportorientierten Wachstum zu reduzieren.
Die chinesische Führung stimmt diesem Konzept grundsätzlich zu. Der Fünfjahresplan priorisiert jedoch weiterhin die Technologieentwicklung. Schritte zur Ankurbelung des Konsums, wie der Ausbau von Sozialversicherungs- und Gesundheitsleistungen, werden voraussichtlich nur schrittweise erfolgen, während staatliche Mittel verstärkt in Bereiche wie Künstliche Intelligenz und Robotik fließen.
Umweltpolitik und ethnische Minderheiten
Im Bereich der Umweltpolitik verpflichtet sich der Fünfjahresplan nicht zu einer Reduzierung der Gesamtemissionen, sondern lediglich zu einer Senkung der "Emissionsintensität" um 17 %. Dies bedeutet, dass die Emissionen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung reduziert werden sollen. Analysten warnen, dass dies immer noch einen Anstieg der Emissionen um 3 % oder mehr zulassen könnte. Niklas Hohne vom NewClimate Institute in Deutschland merkte an, dass "internationale bewährte Praxis darin besteht, von Intensitätszielen zu absoluten Emissionsreduktionszielen überzugehen."
China ist der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen, argumentiert jedoch, dass die Größe seiner Bevölkerung und Wirtschaft bei der Bewertung seiner Umweltverschmutzung berücksichtigt werden müsse. Das Land hat in der Vergangenheit konservative Ziele gesetzt, und seine rasche Expansion im Bereich der Solar- und anderer sauberer Energien könnte die Emissionen ohnehin senken.
Ein weiteres vom Kongress verabschiedetes Gesetz betrifft ethnische Minderheiten. Es festigt eine Politik der Assimilation, die auf die Schaffung eines "gemeinsamen Bewusstseins der chinesischen Nation" abzielt. Die Regierung erklärt, dies solle ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl und eine gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung fördern. Kritiker wie James Leibold von der LaTrobe University in Australien sehen darin jedoch eine "Todesstoß für das ursprüngliche Versprechen der Partei auf sinnvolle Autonomie."
Arbeitsbedingungen und Konsumförderung
Vorschläge zur Reduzierung der Arbeitszeiten erhielten während des diesjährigen Kongresses große Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Viele dieser Vorschläge konzentrierten sich auf ein "Recht auf Ruhe", einschließlich des Rechts, nach Feierabend nicht auf Arbeitsnachrichten reagieren zu müssen. Derzeit haben viele chinesische Arbeitnehmer nur fünf Tage bezahlten Urlaub pro Jahr.
Der Ökonom und Kongressabgeordnete Yu Miaojie schlug vor, den gesetzlichen Mindestjahresurlaub von fünf auf zehn Tage zu erhöhen. Die Popularität dieser Vorschläge spiegelt die Besorgnis über den intensiven Wettbewerb am Arbeitsplatz in China wider. Eine Erhöhung der Freizeit wird auch als Mittel zur Ankurbelung des Konsums gesehen, da die Menschen mehr Zeit zum Geldausgeben hätten.
Chinas Rolle in der Weltpolitik
Chinas Außenpolitik präsentiert sich zunehmend als stabilisierende Kraft in einem turbulenten internationalen Umfeld. Peking betont Kooperation, Entwicklung und multilaterales Engagement als Kernpfeiler seiner Diplomatie. Im Jahr 2025 intensivierte China sein globales Engagement durch hochrangige diplomatische Initiativen, darunter den Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in Tianjin.
Dort stellte der chinesische Präsident Xi Jinping die "Global Governance Initiative" vor, die darauf abzielt, internationale Governance-Strukturen zu reformieren und zu verbessern. Diese Initiative fand Unterstützung bei über 150 Ländern und internationalen Organisationen. China argumentiert, dass das derzeitige internationale System Herausforderungen in Bezug auf Fairness, Repräsentation und Effektivität aufweist, da viele Entwicklungsländer in den nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen globalen Institutionen unterrepräsentiert sind. Peking strebt ein gerechteres System an, das die Interessen des Globalen Südens berücksichtigt.