
Chinas Wirtschaft: Konsumschwäche und Investitionsrückgang belasten Wachstum
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Chinas Wirtschaft zeigte im November eine deutliche Verlangsamung bei den Einzelhandelsumsätzen und Investitionen, was die Sorgen um die Binnennachfrage vertieft. Die Industrieproduktion verfehlte ebenfalls die Erwartungen, während der angeschlagene Immobilienmarkt weiterhin eine erhebliche Belastung darstellt. Diese Entwicklungen erhöhen den Druck auf die politischen Entscheidungsträger, weitere unterstützende Maßnahmen zu ergreifen.
Chinas Wirtschaftswachstum unter Erwartungen
Die jüngsten Daten des National Bureau of Statistics (NBS) für November deuten auf eine anhaltende Schwäche in Chinas Wirtschaft hin. Laut CNBC stiegen die Einzelhandelsumsätze im November um 1,3% gegenüber dem Vorjahr, was die Medianprognose von Reuters von 2,8% deutlich verfehlte und eine Verlangsamung gegenüber dem Anstieg von 2,9% im Vormonat darstellt. Eine andere Quelle, die sich ebenfalls auf NBS-Daten beruft, meldete einen Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 3% im Jahresvergleich, nach 4,8% im Oktober, und verfehlte damit die Schätzungen von 5,3% Wachstum, die von Ökonomen in einer Wind-Umfrage prognostiziert wurden.
Die Industrieproduktion stieg im November um 4,8% gegenüber dem Vorjahr, leicht gesunken von 4,9% im Vormonat und unter den Erwartungen eines Anstiegs von 5%. Die Investitionen in Sachanlagen, die auch Immobilien umfassen, sanken laut CNBC im Zeitraum Januar bis November um 2,6% im Vergleich zum Vorjahr. Dies war ein stärkerer Rückgang als die von Ökonomen geschätzten 2,3% und eine Vertiefung gegenüber dem Rückgang von 1,7% im Zeitraum Januar bis Oktober. Es war der stärkste Einbruch seit dem Ausbruch der Pandemie im Jahr 2020, basierend auf Daten von Wind Information, die bis 1992 zurückreichen. Eine andere Quelle berichtete, dass die gesamten Sachanlageninvestitionen im selben Zeitraum um 3,3% gestiegen seien, verglichen mit einem Anstieg von 3,4% von Januar bis Oktober.
Der angeschlagene Immobilienmarkt als Bremsklotz
Der Immobilienmarkt bleibt ein zentrales Problem für die chinesische Wirtschaft. Die Investitionen in Immobilien fielen in den ersten elf Monaten dieses Jahres laut CNBC um 15,9%, was steiler ist als der Rückgang von 10,3% im Zeitraum Januar bis Oktober. Eine andere Quelle meldete einen Rückgang der Immobilieninvestitionen um 10,4% im Jahresvergleich von Januar bis November, verglichen mit einem Rückgang von 10,3% in den ersten zehn Monaten des Jahres.
Als weiteres Zeichen dafür, dass der Abschwung in diesem Sektor noch keinen Boden gefunden hat, verschärften sich die Rückgänge der Eigenheimpreise in 70 Großstädten im November. Die Preise für neue Eigenheime fielen in Tier-1-Städten wie Peking, Guangzhou und Shenzhen um 1,2% gegenüber dem Vorjahr, während die Preise für Wiederverkaufsimmobilien um 5,8% sanken. Zhiwei Zhang, Präsident und Chefökonom von Pinpoint Asset Management, kommentierte, dass die Kontraktion der Sachanlageninvestitionen und der Rückgang der Immobilienpreise in den letzten Monaten das Konsumklima beeinflusst haben. Er erwartet weitere unterstützende fiskalische und monetäre Stimulusmaßnahmen im ersten Quartal des nächsten Jahres.
Konsumschwäche trotz Shopping-Events
Die Konsumausgaben zeigten sich im November ebenfalls schwach. Die Autoverkäufe im Einzelhandel gingen im November zum ersten Mal seit drei Jahren zurück und fielen um 8,1% gegenüber dem Vorjahr auf 2,23 Millionen Fahrzeuge. Dies geschah, da viele lokale Regierungen die Subventionen für den Fahrzeughandel pausierten.
Ökonomen von Goldman Sachs wiesen in einer Vorschau darauf hin, dass die sinkenden Autoverkäufe ein wesentlicher Belastungsfaktor für die gesamten Einzelhandelsumsätze waren. Hinzu kam ein "negativer Verzerrungseffekt" durch den früher als üblich begonnenen Singles' Day, der die Nachfrage von November in den Oktober vorzog. Mehrere Online-Shopping-Seiten verlängerten ihre Aktionszeiträume von der ersten Oktoberhälfte bis zum 11. November, was die längste Singles' Day-Verkaufsperiode aller Zeiten darstellte. Dennoch enttäuschte die Verkaufsleistung, da die Verbraucher ihre Ausgaben einschränkten. Das Bruttowarenvolumen wuchs laut Daten von Syntun nur um 12%, verglichen mit einem Wachstum von 20% im Vorjahr. NBS-Sprecher Fu Linghui bestätigte ebenfalls, dass der frühere Start des "Double 11"-Shopping-Festivals einige Verkäufe in den Oktober vorgezogen hatte, was teilweise zu der Verlangsamung des Einzelhandelsumsatzwachstums im letzten Monat führte.
Politische Reaktionen und zukünftige Maßnahmen
Die chinesischen politischen Entscheidungsträger haben weitere politische Unterstützung zugesagt, um die Binnennachfrage anzukurbeln und Konsum sowie Investitionen für das nächste Jahr zu fördern. Das Finanzministerium kündigte am Samstag an, im nächsten Jahr ultra-langfristige spezielle Staatsanleihen auszugeben, um Projekte zur Stärkung der nationalen Sicherheit zu finanzieren. Die Erlöse sollen auch für Ausrüstungs-Upgrades und Programme zum Austausch von Konsumgütern verwendet werden. Das Ministerium versprach zudem, sein Budget für Investitionen aufzustocken, um den Rückgang der Sachanlageninvestitionen in den letzten Monaten abzufedern.
Exportstärke kaschiert interne Schwächen
Chinas Wirtschaft scheint auf Kurs zu sein, das offizielle Wachstumsziel von "rund 5%" zu erreichen. Dies ist größtenteils einem Anstieg der Exporte in Nicht-US-Märkte zu verdanken, auch wenn die Zollturbulenzen mit Washington die Lieferungen in den größten Konsummarkt der Welt belastet haben. Chinas Handelsüberschuss stieg im November auf einen Rekordwert von 1,1 Billionen US-Dollar und übertraf damit in nur elf Monaten den Jahresrekord von 992,2 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2024. Dies löst weitreichende Bedenken hinsichtlich des unausgewogenen Handels und der Abhängigkeit von der Auslandsnachfrage aus.
Kristalina Georgieva, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), forderte China letzte Woche auf, die Unterstützung für den Binnenkonsum zu "beschleunigen" und sich von der Exportabhängigkeit für das Wachstum zu lösen. Eswar Prasad, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Cornell University und Senior Fellow am Brookings Institute, äußerte in einem Meinungsartikel Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des chinesischen Wirtschaftswachstums. Er forderte strukturelle Reformen zur Neuausrichtung der Wirtschaft, einschließlich Maßnahmen zur Unterstützung des Arbeitsmarktes, zur Stärkung des sozialen Sicherungssystems und zur Förderung privater Unternehmen. Prasad merkte an, dass die Regierung zwar das Wachstum neu ausbalancieren und die Notwendigkeit zur Stärkung des Haushaltskonsums und zur Steigerung der Produktivität verstehe, es aber "wenig Gefühl der Dringlichkeit und keinen klaren Zeitplan für konkrete politische Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele" gebe. Die städtische Arbeitslosenquote lag im November bei 5,1% und blieb damit gegenüber dem Vormonat unverändert.