
Chinas Wirtschaft: Verbraucherpreise steigen, Produzentendeflation vertieft sich
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Chinas Inflationsdaten für November zeichnen ein komplexes Bild: Während die Verbraucherpreise den höchsten Stand seit fast zwei Jahren erreichten, verschärfte sich die Deflation bei den Produzentenpreisen. Diese Entwicklung unterstreicht die Herausforderung für die politischen Entscheidungsträger, die Binnennachfrage inmitten anhaltender Handelsspannungen wiederzubeleben.
Verbraucherpreise erreichen Zweijahreshoch
Im November 2025 stiegen die chinesischen Verbraucherpreise (CPI) im Jahresvergleich um 0,7 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit Februar des Vorjahres und entspricht den Erwartungen einer Reuters-Umfrage von Ökonomen. Im Oktober hatte der CPI bereits einen Anstieg von 0,2 Prozent verzeichnet.
Laut Daten des National Bureau of Statistics (NBS) stiegen die Preise in städtischen Gebieten um 0,7 Prozent und in ländlichen Gebieten um 0,4 Prozent. Die Lebensmittelpreise erhöhten sich um 0,2 Prozent, während die Preise für Non-Food-Artikel um 0,8 Prozent zulegten. Dienstleistungen verteuerten sich um 0,7 Prozent, Konsumgüter um 0,6 Prozent. Im Durchschnitt der Monate Januar bis November blieb der nationale CPI im Vergleich zum Vorjahr unverändert.
Monatlich betrachtet sank der nationale CPI im November um 0,1 Prozent. Hierbei fielen die Preise in städtischen Gebieten um 0,1 Prozent, während sie in ländlichen Gebieten stabil blieben. Die Lebensmittelpreise stiegen monatlich um 0,5 Prozent, während Non-Food-Preise um 0,2 Prozent sanken.
Detaillierte Preisentwicklungen im November zeigen:
- Preise für frisches Gemüse stiegen um 14,5 Prozent.
- Preise für aquatische Produkte erhöhten sich um 1,5 Prozent.
- Preise für frisches Obst stiegen um 0,7 Prozent.
- Preise für Eier fielen um 12,5 Prozent.
- Preise für Lebendviehfleisch sanken um 6,6 Prozent, wobei Schweinefleischpreise um 15,0 Prozent zurückgingen.
- Preise für Getreide fielen um 0,4 Prozent.
- Preise für Transport und Kommunikation sanken um 2,3 Prozent, während Wohnkosten stabil blieben.
Im Oktober 2025 war der CPI im Jahresvergleich um 0,2 Prozent gestiegen. Der Kern-CPI, der Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt, erhöhte sich im Oktober um 1,2 Prozent im Jahresvergleich und erreichte damit den höchsten Stand seit März 2024. Dong Lijuan, Chefstatistikerin der Abteilung für Stadtgesellschaft des NBS, führte den Anstieg im Oktober auf die anhaltenden Effekte der Politik zur Ausweitung der Binnennachfrage sowie auf die Feiertage zum Nationalfeiertag und Mittherbstfest zurück.
Produzentenpreise: Deflation verschärft sich unerwartet
Die Preise an den Fabriktoren (PPI) fielen im November im Jahresvergleich um 2,2 Prozent. Damit wurde die Prognose eines Rückgangs von 2,0 Prozent verfehlt und die Deflationsphase auf das vierte Jahr ausgedehnt. Im Oktober war der PPI um 2,1 Prozent gesunken.
Monatlich betrachtet stieg der PPI im November um 0,1 Prozent. Dies folgte auf den ersten monatlichen Anstieg in diesem Jahr im Oktober, als der PPI ebenfalls um 0,1 Prozent zulegte. Dong Lijuan vom NBS führte die Verengung des jährlichen PPI-Rückgangs im Oktober auf Anpassungen der Produktionskapazitäten in wichtigen Industrien, beschleunigte Bemühungen zum Aufbau eines modernisierten Industriesystems und die Freisetzung des Konsumpotenzials zurück.
Internationale Preisänderungen beeinflussten ebenfalls die Preise einiger heimischer Industrien. So führten steigende internationale Nichteisenmetallpreise im Oktober zu monatlichen Preisanstiegen in der heimischen Nichteisenmetallindustrie, während niedrigere internationale Ölpreise zu Preisrückgängen in den heimischen Öl- und Erdgassektoren führten.
Wirtschaftliche Herausforderungen und politische Reaktionen
Ökonomen warnen, dass der deflationäre Druck auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bis ins nächste Jahr anhalten wird. Die langwierige Immobilienkrise und die schwachen Arbeitsmarktbedingungen belasten weiterhin die Haushaltsausgaben, was neue politische Maßnahmen zur Ankurbelung der Nachfrage erforderlich macht.
Obwohl sich die Wirtschaft im dritten Quartal auf das schwächste Niveau seit einem Jahr verlangsamte, scheint sie auf Kurs zu sein, das jährliche Wachstumsziel Pekings von "rund 5 Prozent" in diesem Jahr zu erreichen. Dies wird durch robuste Exporte in Nicht-US-Märkte gestützt. China verzeichnete in den ersten elf Monaten des Jahres einen Handelsüberschuss von über 1 Billion US-Dollar, womit der Rekord von 2024 übertroffen wurde.
Das Politbüro, das oberste Entscheidungsgremium der Kommunistischen Partei, nannte in einer wichtigen Sitzung Anfang des Monats die Ausweitung der Binnennachfrage und die Neuausrichtung der Lieferungen als oberste Wirtschaftsprioritäten für 2026. Lisheng Wang, China-Ökonom bei Goldman Sachs, merkte an, dass die politischen Entscheidungsträger zwar eine lockere Haltung beibehielten, aber weniger zu breit angelegten Stimulierungsmaßnahmen neigten. Er kommentierte, dass die Politik ihre Lockerungsrhetorik möglicherweise wieder verstärken und die wachstumsfördernden Maßnahmen im nächsten Jahr intensivieren müsse, um den Belastungen aus dem Immobiliensektor und dem Arbeitsmarkt entgegenzuwirken.
Investoren und Ökonomen blicken gespannt auf die jährliche Zentrale Wirtschaftsarbeitskonferenz, die in den kommenden Tagen erwartet wird. Dort werden die politischen Entscheidungsträger wichtige Wachstumsziele und politische Prioritäten für das nächste Jahr festlegen. Die offiziellen Zahlen werden erst auf der jährlichen Parlamentssitzung im März veröffentlicht.
Wen Bin, Chefökonom der China Minsheng Bank, erwartet, dass Chinas CPI seinen Aufwärtstrend beibehalten wird. Eine Reihe von Maßnahmen zur Ausweitung der Binnennachfrage und zur Förderung des Konsums werde weiterhin Wirkung zeigen und die Vitalität des chinesischen Konsummarktes weiter stärken, so seine Einschätzung. Er prognostiziert zudem, dass der Rückgang des chinesischen PPI weiter schrumpfen wird. Die fortschrittliche, intelligente und grüne Transformation der chinesischen Fertigungsindustrie zeige positive Trends, die die Marktnachfrage weiter ankurbeln und zukünftig Preisanstiege in verwandten Sektoren bewirken werden, fügte Wen hinzu.