
Co-Housing: Gemeinschaftliches Wohneigentum als Antwort auf hohe Immobilienpreise
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Steigende Immobilienpreise und der Wunsch nach mehr Gemeinschaft treiben innovative Wohnmodelle voran. Co-Housing, ein Konzept, das private Wohnräume mit umfangreichen Gemeinschaftsflächen und kollektiver Verwaltung verbindet, bietet eine attraktive Alternative zum traditionellen Wohneigentum und Mietmarkt. Es ermöglicht Bewohnern, von geteilten Ressourcen und einer starken Nachbarschaft zu profitieren, ohne auf die Privatsphäre des eigenen Zuhauses verzichten zu müssen.
Ein neues Modell des Zusammenlebens: Co-Housing
Co-Housing beschreibt eine Wohnform, bei der Bewohner private Häuser besitzen, aber Annehmlichkeiten teilen und Gemeinschaftsräume kollektiv verwalten. Im Gegensatz zum Co-Living, bei dem private Zimmer in geteilten Häusern existieren, beinhaltet Co-Housing oft eine Eigentumsbeteiligung oder eine Governance-Rolle der Bewohner an der Wohngemeinschaft. Dieses Modell gewinnt an Attraktivität, da Menschen nachhaltigere und gemeinschaftsorientiertere Wohnlösungen suchen.
"Shared Roof": Ein Gemeinschaftsprojekt in Seattle
Der Immobilienentwickler Chad Dale machte vor fast einem Jahrzehnt eine Erfahrung, die seine Sicht auf das Zusammenleben veränderte. Ein gemeinsamer Ferienhauskauf auf Whidbey Island mit fünf Familien und jungen Kindern erwies sich als in der Theorie großartig, in der Praxis jedoch als zu intim und nicht nachhaltig. Diese Erkenntnis inspirierte Dale zu der Frage, wie gemeinschaftliches Wohnen dauerhaft gestaltet werden könnte.
Seine Antwort fand er im Co-Housing-Modell, das er mit "Shared Roof" in die Realität umsetzte. Die 35-Einheiten-Gemeinschaft wurde 2023 im Stadtteil Phinney Ridge in Seattle eröffnet.
Finanzierung und Eigentumsstruktur
Dale finanzierte das Projekt "Shared Roof" mit der Unterstützung von 13 Freunden und Familienmitgliedern, die jeweils in das Gebäude investierten. Die Beiträge reichten von 50.000 bis 5 Millionen US-Dollar, wobei die Eigentumsanteile an der LLC des Gebäudes proportional zur jeweiligen Investition sind. Bei "Shared Roof" fallen keine HOA-Gebühren an; die Bewohner zahlen stattdessen eine monatliche Miete, die direkt an die LLC geht, anstatt an einen traditionellen Vermieter. Ray Johnston, Gründungspartner von Johnston Architects, der das Projekt mitgestaltete, beschrieb es als ein Geschäftsmodell, das man manchmal in Bürogebäuden sieht, aber noch nie in einem gemischt genutzten Gebäude.
Architektur und Gemeinschaftsförderung
Das fünfstöckige Gebäude "Shared Roof" ist um einen Innenhof herum angelegt und verfügt über eine Tiefgarage. Es wurde entworfen, um Interaktion zu fördern und fühlt sich eher wie ein europäischer Block an als ein typischer Neubau in Seattle. Die Residenzen variieren in der Größe von etwa 2.000 bis 5.000 Quadratfuß, und keine zwei Einheiten sind identisch. Besonders auf den vierten und fünften Etagen, wo viele der Langzeitinvestoren leben, wurden die Einheiten stark an die Bedürfnisse der verschiedenen Familien angepasst.
Neben privaten Wohnungen teilen die Bewohner eine Reihe von Annehmlichkeiten, darunter eine Bibliothek, einen Kunstraum und ein Dachgewächshaus. Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss, wie ein Café, eine Brauerei und mehrere Restaurants, tragen dazu bei, die Gemeinschaft mit der umliegenden Nachbarschaft zu verbinden. Das Gebäude ist zudem mit Solarpaneelen auf dem Dach, elektrischen Wärmepumpen und Energierückgewinnungsventilatoren ausgestattet, was die Nachhaltigkeit unterstreicht.
Zugänglichkeit und Vielfalt
Obwohl das Wohnen im "Shared Roof" nicht günstig ist – einige größere Einheiten haben eine monatliche Miete von 8.000 US-Dollar – ist die Zugänglichkeit ein wichtiges Anliegen. Das Projekt nimmt am Multifamily Tax Exemption (MFTE)-Programm von Seattle teil und hat etwa 20% der Einheiten für Mieter mit moderatem Einkommen reserviert. Chad Dale betonte, es sei "unglaublich wichtig" gewesen, so viel Vielfalt – einschließlich Einkommensvielfalt – im Gebäude zu haben. Mary Jo Wagner, eine 53-jährige Spa-Besitzerin, die 2024 einzog, schätzt die Erschwinglichkeit durch das MFTE-Programm, da die Median-Einkommen in der Stadt die Mietpreise stark in die Höhe treiben.
Ein generationsübergreifendes Wohnkonzept
Neun der Investoren von "Shared Roof" leben im Gebäude, darunter Chad Dale selbst mit seiner Frau und ihren drei Kindern in einer 1.800 Quadratfuß großen Einheit mit drei Schlafzimmern. Dale sieht die Mischung aus jüngeren Paaren und älteren Bewohnern als einzigartigen Vorteil. Er merkte an, dass seine Kinder, deren Großeltern in Michigan leben, von der Interaktion mit älteren Menschen im Gebäude profitieren.
Die Kinder haben zudem viele Gleichaltrige im Gebäude und zahlreiche Aktivitäten, vom Dach-Trampolin bis zum 5.000 Quadratfuß großen Kunstrasen-Fußfeld. John Ware (54), ein technischer Programmmanager und Investor, der mit seiner Partnerin Liesl Langley im Gebäude lebt, hob die starke Gemeinschaft hervor: "Wir kennen jede einzelne Person, die in diesem Gebäude lebt." Sie organisieren regelmäßig soziale Veranstaltungen, wie eine jährliche Oscars-Party und wöchentliche Filmabende.
Co-Buying: Eine Antwort auf steigende Immobilienpreise
Die hohen Kosten für den Erwerb eines Eigenheims haben dazu geführt, dass das Konzept des gemeinsamen Hauskaufs unter Freunden neu überdacht wird. Zwischen Februar 2020 und Februar 2025 stiegen die US-Immobilienwerte laut Zillow um 45%, was mehr als einem Jahrzehnt typischen Wachstums in nur fünf Jahren entspricht. Auch der Mietmarkt verzeichnete in diesem Zeitraum einen ähnlichen Anstieg.
Eine Umfrage von FirstHome IQ aus dem Jahr 2025 unter 1.000 Befragten zwischen 18 und 44 Jahren ergab:
- 32% der Gen Z (18-24 Jahre) würden den gemeinsamen Kauf einer Immobilie in Betracht ziehen.
- 18% der Millennials (25-44 Jahre) wären ebenfalls dazu bereit.
Ein Bericht von JW Surety Bonds aus dem Jahr 2024 zeigte, dass 15% der Amerikaner bereits Immobilien mit einem Freund oder Verwandten gekauft haben und weitere 48% dies in Betracht ziehen würden. Ein Beispiel hierfür sind die drei Kindheitsfreundinnen Rachel Luban, Rachel Neuschatz und Lizzy Seitel, die gemeinsam ein 4.470 Quadratfuß großes altes Steinhaus in West Mount Airy kauften, obwohl ihnen "viele Leute, einschließlich Anwälte", davon abrieten.
Rechtliche Aspekte und Marktentwicklung
Für den gemeinsamen Immobilienkauf ist es ratsam, die Partnerschaft schriftlich festzuhalten. Zwei Optionen sind ein Joint Tenancy Agreement oder ein Tenancy-in-Common Agreement. Diese Vereinbarungen ermöglichen den teilweisen Verkauf oder die Vererbung von Eigentumsanteilen, falls sich die Umstände ändern.
Laut Amanda Pendleton, Immobilienexpertin bei Zillow, wurden im vergangenen Jahr nur 5% der Häuser gemeinsam gekauft, da sich die Mietpreise stabilisieren. Der neue Apartment List National Rent Report zeigt, dass der nationale Medianmietpreis sechs Monate in Folge gesunken ist. Dennoch bleibt der gemeinsame Immobilienkauf eine relevante Option für viele, die sich den Traum vom Eigenheim in einem teuren Markt erfüllen möchten.