
Cocktail-Revolution: Bequemlichkeit und Moderation prägen den Markt
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Die Getränkeindustrie erlebt eine Transformation, in der "Lazy Bartending" zum Mainstream wird. Konsumenten, insbesondere jüngere Generationen, suchen nach hochwertigen Drinks, die einfach zuzubereiten, tragbar und flexibel sind, ohne den Aufwand eines Barkeepers oder die hohen Kosten eines Barbesuchs.
Der Aufstieg der Ready-to-Drink Cocktails
Fertigcocktails (RTDs), Dosen-Spirituosen und DIY-Infusions-Kits versprechen Bar-Qualität ohne Shaker, Garniturstation oder Barkeeper. Dieser Trend spiegelt eine breitere Verschiebung im Alkoholkonsum wider: Jüngere Konsumenten wünschen sich hochwertige Getränke, aber ohne den Aufwand, die Bar-Rechnung oder den traditionellen späten Abend.
Die Nachfrage befeuert ein schnell wachsendes Segment. Grand View Research schätzte den globalen RTD-Cocktail-Markt im Jahr 2025 auf etwa 3,7 Milliarden US-Dollar und prognostizierte ein Wachstum auf über 10 Milliarden US-Dollar bis 2033. In den USA verzeichneten Spirituosen-basierte RTDs im letzten Jahr ein Umsatzwachstum von 16,4 % und waren damit die am schnellsten wachsende Spirituosenkategorie, selbst in einem sich abschwächenden Gesamtmarkt, so der Distilled Spirits Council.
Marken wie On The Rocks setzen auf diese Bequemlichkeit. Daniel May, Senior Brand Director bei On The Rocks, beschreibt das Geschäftsmodell als "hochwertige, handgemachte Erlebnisse", die in Flaschen oder Dosen geliefert werden – Cocktails, die mit einem Mixologen entwickelt wurden, aber zum einfachen "Öffnen, über Eis gießen oder trinken" konzipiert sind. Auch kleinere Unternehmen wie Infuse & Booze bieten Infusionsgläser mit getrockneten Früchten, Kräutern und Zucker an, denen Kunden zu Hause Alkohol hinzufügen. Selbst große Spirituosenhersteller wie Malibu, Bacardi und Absolut passen sich an und bieten landesweit Ready-to-Drink-Mischungen an.
"Tiny Cocktails" und der Trend zur Moderation
Parallel zum RTD-Boom beobachten Bars einen gegenläufigen Trend: "Tiny Cocktails" erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Spots wie Pastis in New York City, Vern’s in South Carolina, The Fox Bar in Nashville und Jojo’s Beloved in Atlanta servieren laut der Restaurant-Reservierungsplattform Resy verkleinerte Cocktails.
Dieser Wandel wird durch eine Mischung aus Faktoren angetrieben: Alkoholmoderation, Gesundheitsziele, Gewichtsabnahme, Kostenbedenken und ein wachsender Wunsch nach Vielfalt. Jonathan Kleeman, ein in Großbritannien ansässiger Beverage Director, kommentiert, dass der Aufstieg von "Mini-Cocktails" oder "Snack-Size-Serves" eine "logische Antwort auf einen Markt ist, der sich von schierem Volumen hin zu Qualität und Präzision verschiebt."
Kostenbewusstsein und neue Trinkgewohnheiten
Ein wesentlicher Treiber ist das gestiegene Kostenbewusstsein. Bobby Maher, Executive Chef und Inhaber von Maison Cheryl in Arlington, Virginia, sagt: "Wenn ein Abendessen teuer wird, nimmt das die unbeschwerte Erfahrung, die die Leute suchen." In einem Umfeld, in dem ein Standard-Cocktail in Großstädten 25 US-Dollar erreichen kann, bieten kleinere Formate einen "zugänglichen Einstiegspunkt", so Kleeman.
Darüber hinaus planen fast die Hälfte der Amerikaner, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren, wobei jüngere Generationen diesen Wandel anführen. Max Tucci, Gastronom und Partner bei Delmonico’s in New York City, beobachtet eine klare Verschiebung bei der Gen Z und jüngeren Millennials, die weniger oder gar keinen Alkohol trinken. Er merkt an: "Ich denke, es geht um Absicht." Gesundheit, Kosten und sich ändernde soziale Gewohnheiten haben die Art und Weise neu definiert, wie Menschen zusammenkommen. Auch die wachsende Popularität von GLP-1-Medikamenten wie Ozempic, die mit reduziertem Appetit und geringerem Alkoholverlangen in Verbindung gebracht werden, könnte diesen Trend beeinflussen, wie Clinton Hall-Besitzer Aristotle “Telly” Hatzigeorgiou meint.
Die moderne Cocktailstunde mag immer noch Premium-Spirituosen und kreative Aromen umfassen. Doch sie kommt zunehmend ohne Barkeeper aus oder setzt auf kleinere, bewusstere Portionen.