
Coinbase erhält OCC-Zustimmung: Weg frei für Trust-Bank-Charter und Stablecoins
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Coinbase hat einen wichtigen regulatorischen Schritt in den USA vollzogen. Das Unternehmen erhielt vom U.S. Office of the Comptroller of the Currency (OCC) eine bedingte Genehmigung für eine nationale Trust-Bank-Charta. Dies ermöglicht es der Krypto-Börse, unter bundesstaatlicher Aufsicht Zahlungs- und Verwahrprodukte anzubieten und stärkt ihre Position im Stablecoin-Geschäft.
Meilenstein für Coinbase: Bedingte Genehmigung der OCC
Coinbase, eine führende Krypto-Börse, hat am 2. April 2026 eine bedingte Genehmigung vom U.S. Office of the Comptroller of the Currency (OCC) erhalten, um als Trust-Bank zu operieren. Diese Genehmigung ist ein vorläufiges Abkommen, das besagt, dass der Antrag von Coinbase die wichtigsten regulatorischen Anforderungen erfüllt. Die endgültige Genehmigung hängt von der Erfüllung bestimmter Bedingungen ab.
Paul Grewal, Chief Legal Officer von Coinbase, bestätigte die Entwicklung und betonte, dass das Unternehmen erst nach der endgültigen Genehmigung unter einer OCC-Charta operieren wird. Er bezeichnete die bedingte Genehmigung als den Beginn eines regulatorischen Prozesses, nicht als dessen Ende. Greg Tusar, Head of Institutional Finance bei Coinbase, sah dies als Ergebnis jahrelanger Investitionen in Compliance und regulatorisches Engagement.
Die neue Einheit, Coinbase National Trust Company, wird ihren Hauptsitz in New York haben und als föderal regulierter Verwahrer digitaler Vermögenswerte fungieren. Dies stellt einen bedeutenden regulatorischen Meilenstein für Coinbase dar, da es seine unter Bundesaufsicht stehenden Verwahr- und Marktinfrastruktur-Operationen erweitert.
Was der Trust-Bank-Charter bedeutet
Mit der finalisierten Genehmigung kann Coinbase zusätzlich zu seinem Verwahrgeschäft auch Zahlungsprodukte unter bundesstaatlicher Aufsicht anbieten. Paul Grewal erklärte, dass dies die Möglichkeit eröffnet, nicht nur Verwahrprodukte, sondern auch andere Infrastrukturprodukte, insbesondere im Zahlungsverkehr, zu entwickeln. Diese sollen Krypto-Zahlungen in neue Richtungen erweitern.
Ein nationaler Trust-Bank-Charter ersetzt das bisherige Flickenteppich-System von staatlichen Geldtransferlizenzen durch eine einzige föderale Aufsichtsbehörde, die OCC. Dies reduziert den Aufwand und die Kosten, die durch 50 leicht unterschiedliche Regelwerke entstehen. Die direkte Regulierung durch die OCC wird als großer Vorteil für Unternehmen in schnelllebigen Branchen wie Krypto angesehen.
Die Charta verleiht Coinbase die rechtliche Befugnis, Zugang zur Bankinfrastruktur und regulatorische Glaubwürdigkeit, um Geld effizienter zu bewegen, zu halten und abzuwickeln. Dies könnte Coinbase in die Lage versetzen, stärker mit Unternehmen wie PayPal oder Square zu konkurrieren. Nick Puckrin, Mitbegründer von Coin Bureau, sieht darin ein Zeichen für die Konvergenz von Krypto- und traditionellem Finanzsystem und eine Öffnung für institutionelles Geld.
Abgrenzung zum traditionellen Bankgeschäft
Coinbase hat klargestellt, dass es keine Geschäftsbank werden wird. Das Unternehmen wird keine Einlagen von Privatkunden annehmen und kein Fractional-Reserve-Banking betreiben. Dies ist die Praxis großer Banken, nur einen Bruchteil der Kundeneinlagen als Reserve zu halten und den Rest zu verleihen.
Die Charta erlaubt es Coinbase nicht, Einlagen entgegenzunehmen oder Kredite zu vergeben. Stattdessen ist sie darauf ausgelegt, die föderale Aufsicht für das Verwahrgeschäft zu gewährleisten, das seit Jahren ein Kernbestandteil der Operationen von Coinbase ist. Die Genehmigung ist eine Validierung des Ansatzes von Coinbase, innerhalb des US-Regulierungssystems zu arbeiten.
Strategische Bedeutung für Coinbase und Stablecoins
Coinbase verfolgt eine Zahlungsstrategie, die darauf abzielt, Stablecoins – insbesondere den von Circle ausgegebenen USDC – zu einer globalen Mainstream-Zahlungsmethode zu machen. Im vergangenen Jahr führte das Unternehmen Coinbase Payments ein, ein Produkt für Plattformen und Händler, das Wallet-Integrationen und Stablecoin-Checkout umfasst.
Zudem startete Coinbase ein Zahlungsprotokoll mit Shopify, das auf seiner internen Blockchain Base aufbaut. Es ging auch Partnerschaften mit Shopify und Stripe ein, um deren Händlerpartnern die Akzeptanz des USDC-Stablecoins zu ermöglichen.
CEO Brian Armstrong hat das "Stretch Goal" formuliert, USDC zum weltweit führenden Stablecoin zu machen, eine Position, die derzeit von Tethers USDT gehalten wird. Er strebt an, Coinbase in den nächsten Jahren zur "Nummer eins Finanzdienstleistungs-App der Welt" zu entwickeln. Armstrong ist auch eine wichtige Stimme in der Krypto-Politik auf dem Capitol Hill, insbesondere bei Verhandlungen zum CLARITY Act.
Der breitere Kontext: Regulierung und Branchenentwicklung
Coinbase reiht sich in eine Liste anderer Krypto-Unternehmen ein, die ebenfalls bedingte Genehmigungen für Trust-Bank-Charter erhalten haben. Dazu gehören Ripple, Circle, Crypto.com und Paxos. Auch World Liberty Financial, eine von Donald Trump unterstützte DeFi-Plattform, hat einen Antrag gestellt.
Die Idee hinter diesen Chartern ist, dass Krypto-Unternehmen Kundenvermögen halten und Handelsabwicklungen innerhalb einer föderal regulierten Struktur durchführen können. Die OCC hat in den letzten Jahren eine aktivere Rolle bei der Definition von Krypto-Aktivitäten im traditionellen Finanzsystem eingenommen.
Nicht alle sind mit der bedingten Genehmigung für Krypto-Unternehmen zufrieden. Die Bankenlobby forderte die OCC im Dezember auf, den Antrag von Coinbase abzulehnen, und äußerte im Februar Bedenken hinsichtlich der Überprüfung von Krypto-Anträgen. Banken befürchten, dass Krypto-Unternehmen in ihr Terrain eindringen, insbesondere im Hinblick auf Stablecoins und die Möglichkeit, Nutzern Belohnungen für das Halten digitaler Token zu zahlen.
Die CLARITY Act Debatte: Eine separate Herausforderung
Die bedingte OCC-Genehmigung für Coinbase ist von der Debatte um den Digital Asset Market Clarity Act (CLARITY Act) getrennt zu betrachten. Die Frage der Stablecoin-Rendite, die im Mittelpunkt der Senatsverabschiedung des CLARITY Act steht, bleibt ungelöst.
Im Januar erklärte CEO Brian Armstrong öffentlich, dass Coinbase den CLARITY Act in seiner damaligen Form nicht unterstützen könne. Er verwies auf Bestimmungen zur Stablecoin-Rendite, die passive Renditen auf Stablecoin-Guthaben verbieten würden. Stablecoin-bezogene Einnahmen machten im dritten Quartal 2025 etwa 20 % des Gesamtumsatzes von Coinbase aus.
Obwohl im März ein überarbeiteter Entwurf des CLARITY Act diskutiert wurde, kommunizierte Coinbase weiterhin Bedenken an die Senatsmitarbeiter. Armstrong hat sich bisher nicht öffentlich zu dem überarbeiteten Text geäußert. Die Charta löst die Stablecoin-Renditefrage nicht und erfordert auch nicht die Verabschiedung des CLARITY Act.