
Comcast im Bieterkampf um Warner Bros. Discovery: Warum Netflix gewann
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Comcast hat sich aus dem Bieterkampf um die Studio- und Streaming-Assets von Warner Bros. Discovery (WBD) zurückgezogen, da das eigene Angebot im Vergleich zu den Konkurrenten Netflix und Paramount Skydance zu wenig Bargeld enthielt. Netflix ging als Sieger aus dem Rennen hervor und sicherte sich die exklusiven Verhandlungen für einen Deal, der die Unterhaltungsbranche grundlegend verändern könnte.
Comcast's Strategie im Bieterkampf um Warner Bros. Discovery
Comcast-Präsident Mike Cavanagh, der bald Co-CEO sein wird, erklärte auf einer Medienkonferenz von UBS, dass das Unternehmen keine hohe Wahrscheinlichkeit sah, mit einem für sie sinnvollen Deal zu gewinnen. Das Angebot von Comcast für die Streaming- und Studio-Assets von Warner Bros. Discovery war im Vergleich zu den Offerten von Netflix und Paramount Skydance, die das gesamte Unternehmen inklusive der TV-Sender wie CNN und TNT kaufen wollten, "leicht" an Bargeld.
Cavanagh betonte, dass Comcast nicht daran interessiert sei, die Bilanz des Unternehmens zu belasten. Stattdessen war das Angebot von Comcast stark eigenkapitalbasiert. Er äußerte Verständnis für die Entscheidung des Warner Bros. Boards, die "Sicherheit hoher Bargeldbeträge" zu bevorzugen. Obwohl Comcast aus dem Rennen ist, sah Medienanalyst Rich Greenfield von LightShed Partners die Notwendigkeit für Comcast, die Warner Bros. Assets zu erwerben, um seinen Streaming-Dienst Peacock vor einem "bedeutenden Inhaltsdefizit" zu bewahren.
Netflix sichert sich Warner Bros. Studio und Streaming-Geschäft
Netflix hat sich in einem 72 Milliarden US-Dollar schweren Deal die Studio- und Streaming-Assets von Warner Bros. Discovery gesichert. Die Vereinbarung, die noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden muss, würde zwei der größten Akteure im Fernseh- und Filmbereich zusammenführen. Netflix erwirbt die Warner Bros. Studios und die HBO Max Streaming-Assets, die von Warner Bros. Discovery abgespalten werden. Nicht Teil des Deals sind die Kabelnetzwerke wie CNN und Discovery.
Der Bar- und Aktiendeal bewertet jede Warner-Aktie mit 27,75 US-Dollar, was einem Gesamtunternehmenswert von 82,7 Milliarden US-Dollar einschließlich Schulden entspricht. Die Transaktion wird voraussichtlich in den nächsten 12 bis 18 Monaten abgeschlossen. Mike Proulx, Vizepräsident und Forschungsdirektor bei Forrester, kommentierte, dass Netflix, kombiniert mit HBO Max, seine Position als "Goliath in der Streaming-Branche" festigen werde. Netflix hat zudem eine Breakup Fee von 5 Milliarden US-Dollar angeboten, falls der Deal nicht zustande kommt.
Kartellrechtliche Bedenken und Branchenauswirkungen
Der vorgeschlagene Zusammenschluss könnte intensive kartellrechtliche Prüfungen nach sich ziehen, insbesondere hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Filmproduktion und Streaming-Abonnements. Ein anonymes Konsortium von "besorgten Spielfilmproduzenten" warnte in einem offenen Brief an den US-Kongress vor einem "potenziellen wirtschaftlichen und institutionellen Zusammenbruch in Hollywood" und einer "Schlinge um den Kinomarkt", sollte Netflix erfolgreich sein.
Die Abteilung für Kartellrecht des US-Justizministeriums unter Gail Slater könnte eine "umfassende, mehrjährige Untersuchung" gegen Netflix einleiten. Kritiker befürchten zudem Arbeitsplatzverluste und eine reduzierte Vielfalt an Inhalten. Netflix hat jedoch versprochen, die Kinoveröffentlichungen für Warner-Studiofilme fortzusetzen und bestehende vertragliche Vereinbarungen zu respektieren. Eine der großen offenen Fragen ist laut Proulx, ob HBO Max und Netflix als separate Dienste bestehen bleiben oder zu einem Mega-Streaming-Dienst fusionieren. Er sieht jedoch Potenzial für Preiserleichterungen für Verbraucher durch ein einziges Abonnement oder Bundle-Angebote.
Die Rolle von Paramount und die Wettbewerbslandschaft
Paramount, unter der Führung von David Ellison, war ebenfalls ein starker Bieter und hatte ein feindliches Angebot für das gesamte WBD-Unternehmen, einschließlich der TV-Sender, unterbreitet. Paramount positionierte sich als der einfachste Weg zur Genehmigung des Deals durch die Aufsichtsbehörden, gestützt auf die enge Beziehung von CEO David Ellison und seinem Vater zur Trump-Administration. Das Angebot von Paramount war ein reines Barangebot, finanziert von der Vermögensverwaltungsfirma Apollo Group und staatlichen Investmentfonds aus dem Nahen Osten.
Paramount sah in WBD eine Chance, sich gegen Netflix und Prime zu behaupten, indem es die Stärke zweier großer Studios und deren umfangreiche Film- und Fernsehgeschichten vereint. Comcast wiederum sah einen WBD-Deal als Schritt, um eine bessere Wettbewerbsposition gegenüber Disney zu erreichen. Paramount äußerte auch kartellrechtliche Bedenken gegen einen Kauf von WBD durch Netflix oder Comcast.
Ausblick auf die Zukunft der Unterhaltungsindustrie
Der Bieterkampf um Warner Bros. Discovery und der Sieg von Netflix signalisieren eine massive Umgestaltung der Unterhaltungsindustrie und eine weitere Konsolidierung der Macht in Hollywood. Netflix, das noch vor wenigen Monaten kein Interesse am "Merger Game" bekundete, wurde Berichten zufolge aufgrund strategischer Änderungen bei YouTube zu einem interessierten Käufer.
Obwohl Netflix die exklusiven Verhandlungen gewonnen hat, ist der Verkaufsprozess noch lange nicht abgeschlossen. Es werden voraussichtlich Dutzende von gerichtlichen Anfechtungen erwartet, nicht nur auf Bundesebene, sondern auch von einzelnen Bundesstaaten, Gewerkschaften und anderen Akteuren der Medienbranche. Die endgültige Entscheidung wird voraussichtlich um Weihnachten herum getroffen.