Davos 2026: Aki Itos Einblicke in die Welt der Macht und KI-Debatten

Davos 2026: Aki Itos Einblicke in die Welt der Macht und KI-Debatten

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Eine Woche in Davos, dem jährlichen Treffen des World Economic Forum (WEF), ist für viele Wirtschaftsjournalisten ein Traum. Doch für Aki Ito, Chefkorrespondentin bei Business Insider, entpuppte sich die Einladung als ein Marathon aus Meetings, Networking und wenig Schlaf, der tiefe Einblicke in die Denkweise der globalen Elite und die drängendsten Fragen der Wirtschaft, insbesondere rund um Künstliche Intelligenz, bot.

Eine Einladung in die Weltelite: Davos aus erster Hand

Die Nachricht von Chefredakteurin Jamie Heller, nach Davos zu reisen, löste bei Aki Ito zunächst Euphorie aus. Seit 16 Jahren als Wirtschaftsjournalistin tätig, hatte sie davon geträumt, einmal an diesem exklusiven Treffen teilzunehmen. Heller warnte sie jedoch vor dem "ganzen Spießrutenlauf": 30 Meetings in vier Tagen, Networking und das Verfassen von Berichten, alles bei eisigen Temperaturen.

Ihr Kollege Dan DeFrancesco, der im Vorjahr teilgenommen hatte, berichtete von langen, eisigen Wegen und einem Durchschnitt von nur 4,5 Stunden Schlaf pro Nacht. Für Ito, die sich selbst als introvertierte Autorin beschreibt, die warmes Wetter und Schlaf liebt, wurde die bevorstehende Woche zu einer persönlichen Herausforderung.

Ankunft in den Schweizer Alpen: Zwischen Luxus und Logistik

Am Sonntag, dem 19. Januar, nach zwei Flügen und einer Zugfahrt, erreichte Aki Ito das geschäftige Davos. Einst ein abgelegenes Dorf und später ein Kurort für Tuberkulosepatienten, ist Davos heute ein Skigebiet, das während des WEF von "Titanen der Industrie" bevölkert wird. Die Einheimischen vermieten ihre Unterkünfte zu hohen Preisen und verlassen die Stadt.

Die Atmosphäre in den Straßen beschrieb Ito als "weniger Gipfeltreffen und mehr Disneyland", nur dass Kinder durch "mittelalte Machtmakler" ersetzt wurden. Ihr orangefarbenes Journalisten-Badge gewährte ihr Zugang zu einem exklusiven Kreis von etwa 3.000 offiziellen Teilnehmern, während schätzungsweise 20.000 weitere Personen ohne offizielle Einladung für die Nebenveranstaltungen und Partys anreisten.

Erste Einblicke und unerwartete Begegnungen

Bereits am ersten Abend, bei einem schicken Abendessen, brach Ito ihr Vorhaben, die Woche über keinen Alkohol zu trinken. Sie traf auf einen Mann, der in mehreren Vorständen sitzt und ihr verriet, dass Arbeitgeber derzeit 23- bis 30-Jährige meiden, da diese Generation als "nicht einstellbar" gelte. Dies sei die am meisten unterschätzte Geschichte am Arbeitsplatz.

Beim Abendessen saß sie zwischen zwei Führungskräften von Non-Profit-Organisationen. Eine von ihnen gestand, dass Davos trotz der vielen Milliardäre kein guter Ort für Spendenaktionen sei, was die 100.000 Dollar für ihre Suite schwer rechtfertigen ließ. Der andere äußerte moralische Bedenken, ob er durch das Schmoozing mit Wirtschaftsführern nicht ein "kaputtes System" aufrechterhalte, anstatt es zu beeinflussen. Er verliere die Hoffnung, dass diese sich für etwas anderes als ihre Aktionäre interessieren könnten.

Klaus Schwabs Vision: Stakeholder-Kapitalismus

Die Frage, warum die globale Elite so viel Geld ausgibt, um eine Woche in den kalten Alpen zu verbringen, führt zu Klaus Schwab. Der deutsche Ökonom gründete die Konferenz 1971 mit dem Ziel, Unternehmen dazu zu bewegen, mehr über die Schaffung langfristigen Werts für die Gesellschaft nachzudenken und weniger über kurzfristige Gewinne für Aktionäre – eine Idee, die als Stakeholder-Kapitalismus bekannt ist. Schwab schrieb später: "Wir können nicht mit einem Wirtschaftssystem weitermachen, das von egoistischen Werten angetrieben wird. Wir brauchen eine Gesellschaft, Wirtschaft und internationale Gemeinschaft, die darauf ausgelegt ist, sich um alle Menschen und den gesamten Planeten zu kümmern."

Der Marathon der Meetings: KI als zentrales Thema

Am Montag verwandelten sich die normalerweise luxuriösen Uhrengeschäfte und Souvenirläden in gebrandete "Häuser" multinationaler Konzerne. Diese "Corporate Houses" dienten als Orte für Panels, Partys, Besprechungsräume und zur Präsentation von KI-Initiativen, oft begleitet von kostenlosen Werbegeschenken wie Miso-Ramen im Pinterest House oder Premium-Schokolade im Uber House.

Aki Itos Kalender war prall gefüllt mit Terminen bei vier leitenden Unternehmensberatern und fünf C-Suite-Führungskräften. Die eisigen Straßen, TSA-ähnliche Sicherheitskontrollen und die Notwendigkeit, Wasserflaschen zu leeren, machten die Wege zwischen den weit auseinanderliegenden Treffpunkten zu einer Tortur.

Ein CFO, ebenfalls ein Davos-Neuling, gestand Ito, dass er den Sinn von Davos nie verstanden hatte, bis er selbst dort war. Er erkannte, dass Davos zu einem "hocheffizienten Vehikel" für die Hüter des globalen Kapitalismus geworden ist, um Geschäfte miteinander zu machen. "Unternehmen kommen hierher, um zu verkaufen", so der CFO. Für diesen Zugang zahlen Unternehmen hohe Mitglieds- und Eintrittsgebühren, wobei große Delegationen über 1 Million Dollar pro Jahr an das Forum entrichten.

KI und die Zukunft der Arbeit: Eine Debatte unter Führungskräften

Ein Höhepunkt für Ito war ein von ihr moderierter Roundtable mit 15 Chief People Officers und anderen Führungskräften der größten Unternehmen der Welt. Das zentrale Thema war die Künstliche Intelligenz. Es zeigte sich, dass Unternehmen die versprochenen großen Produktivitätssteigerungen durch KI noch nicht sahen und nun untersuchten, wie es weitergeht.

Die Personalverantwortlichen diskutierten intensiv über die Einführung von KI-Tools, die erforderlichen Mitarbeiterfähigkeiten und die Umgestaltung von Arbeitsprozessen. Francine Katsoudas, Chief People, Policy, and Purpose Officer bei Cisco, fasste die geteilte Unsicherheit zusammen: Die Hälfte der Führungskräfte glaubt, dass KI die Belegschaft verkleinern wird, die andere Hälfte, dass sie wachsen wird. Sie betonte: "Es ist eine Erinnerung daran, dass es das sein wird, was wir daraus machen."

Prominenz, Bedenken und die "Davos-Routine"

Im Laufe der Woche fand Aki Ito ihren "Davos-Groove", lernte, das kostenlose Mittagsbuffet im Medienzentrum zu nutzen und ihre Wasserflaschen vor den Sicherheitskontrollen zu leeren. Zu den ungewöhnlichen Annehmlichkeiten gehörte das Zusammentreffen mit Prominenten wie Katy Perry, David Beckham, Jon Batiste und Billy Idol.

Ihr größtes Prominententreffen war jedoch mit dem Organisationspsychologen und Autor Adam Grant, der zum zehnten Mal in Davos war. Grant äußerte sich besorgt über die langfristigen Auswirkungen von KI auf Arbeitsplätze und soziale Unruhen: "Ich bin entmutigt und beunruhigt darüber, wie wenige Führungskräfte über die langfristigen Auswirkungen von KI auf Arbeitsplätze nachdenken." Er hinterfragte, was getan werde, um die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen zu sichern, wenn immer mehr Wissens-, Dienstleistungs- und Fertigungsarbeit durch KI und Roboter ersetzt werden könnte.

Ito bemerkte, dass Führungskräfte zwar von einer KI-Transformation sprachen, aber nur wenige bereit waren, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was passiert, wenn diese Transformation erfolgreich ist und Arbeitsplätze verdrängt werden. Sie äußerte Skepsis gegenüber dem Versprechen, KI zur Stärkung statt zum Ersatz von Mitarbeitern einzusetzen, angesichts der zunehmenden Entlassungen in den letzten Jahren.

Nach Davos: Erschöpfung, Reflexion und die Angst vor dem Wandel

Nach einer anstrengenden, aber produktiven Woche, in der sie über 21.000 Schritte pro Tag zurücklegte, kehrte Aki Ito nach Hause zurück. Die Erfahrung in Davos, die sie zunächst als "persönliche Hölle" empfand, endete mit dem Wunsch, im nächsten Jahr wiederzukommen.

Doch die Woche hinterließ auch tiefere Gedanken. Ito reflektierte über ihre eigene Arbeitsplatzsicherheit als Journalistin im Zeitalter der KI. Wenige Wochen nach Davos reduzierte Block fast die Hälfte seiner über 10.000 Mitarbeiter. Der CEO des Unternehmens prognostizierte, dass die Mehrheit der Unternehmen innerhalb des nächsten Jahres ähnliche strukturelle Änderungen vornehmen werde. Die Reaktion des Marktes – Blocks Aktien sprangen um 22 % – sendete eine klare Botschaft, die im Widerspruch zum Stakeholder-Kapitalismus steht, den das World Economic Forum ursprünglich fördern sollte.

Nach 21 Stunden Reise war Aki Ito wieder zu Hause und schlief zehn Stunden am Stück. Die Fragen nach der Zukunft der Arbeit und der Rolle des Menschen in einer zunehmend von KI geprägten Welt blieben jedoch bestehen.

Erwähnte Persönlichkeiten