
Davos 2026: Führungskräfte verteidigen Klimaziele gegen Rückschläge
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Führende Wirtschaftsvertreter haben auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos 2026 eindringlich für Klimaschutzmaßnahmen plädiert und den Widerstand gegen Europas grüne Transformation als "Abweichung" bezeichnet. Die Debatte um die Zukunft von Net Zero und die Rolle erneuerbarer Energien stand dabei im Mittelpunkt, während politische Unterstützung für Klimaziele zunehmend zu schwinden scheint.
Führungskräfte verteidigen Klimaziele
Die diesjährige WEF-Jahrestagung in Davos, die vom 19. bis 23. Januar 2026 stattfand, zeigte eine Verschiebung des Fokus. Statt der schnellen Reduzierung von Treibhausgasemissionen konzentrierte man sich nun darauf, mit den schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise umzugehen. Dies geschieht vor dem Hintergrund wachsender Bedenken, dass Unternehmen sich zunehmend von Klimaschutzmaßnahmen abwenden und stattdessen Themen wie Wettbewerbsfähigkeit priorisieren.
Allianz-CEO Bäte kritisiert Kurzfristigkeit
Oliver Bäte, CEO der Allianz, einem der weltweit größten Versicherer, äußerte sich im Interview mit CNBC in Davos deutlich. Er widersprach der Annahme, dass Net Zero in Europa bald aufgegeben werden könnte, und bezeichnete kurzfristiges Denken in dieser Frage als "bulls---". Bäte betonte, dass jeder, der Kinder hat, sich um die Zukunft des Planeten sorgen müsse.
Er hob hervor, dass es darum gehe, Klimaziele intelligent umzusetzen. Dabei nannte er China als Vorbild, das sowohl bei erneuerbaren Energien als auch bei Energiekosten führend sein werde. Die Allianz selbst habe sich das Ziel gesetzt, bis 2050 Net Zero zu erreichen, und habe den eigenen Energieverbrauch um über 40 % reduziert. Bäte mahnte, Klimaschutz nicht zu einer Religion zu machen, sondern zu einem klaren Ziel, auf das man sich konsequent konzentrieren müsse.
Von Net Zero zu Real Zero: Forrests Vision
Andrew Forrest, Gründer und Executive Chairman des australischen Bergbaukonzerns Fortescue, kritisierte den Begriff "Net Zero" als "ein bisschen ein Problem". Er hatte zuvor gefordert, sich von der "erwiesenen Fantasie" von Net Zero zu verabschieden und stattdessen "Real Zero" bis 2040 anzustreben. Net Zero bezeichnet das Ziel, ein Gleichgewicht zwischen den in die Atmosphäre emittierten und den aus ihr entfernten Kohlenstoffmengen zu erreichen, während Real Zero das vollständige Ende der Verbrennung fossiler Brennstoffe bedeutet.
Fortescue, der viertgrößte Eisenerzproduzent der Welt, plant, die Verbrennung fossiler Brennstoffe in seinen australischen Eisenerzbetrieben bis Ende des Jahrzehnts einzustellen. Forrest argumentierte, dass der Übergang zu erneuerbaren Energien kostengünstiger sei und die Wettbewerbsfähigkeit steigere. Er betonte: "Der Trend der erneuerbaren Energien frisst fossile Brennstoffe zum Frühstück."
Trump kritisiert Europas Energiepolitik
US-Präsident Donald Trump, der den wissenschaftlichen Konsens über den menschengemachten Klimawandel als "Schwindel" bezeichnet, nahm ebenfalls am WEF teil. Am Mittwoch, den 21. Januar 2026, kritisierte er in seiner Davoser Rede die Energiepolitik der EU. Er behauptete, Windturbinen würden Land zerstören und Verluste verursachen.
EU-Klimakommissar Hoekstra zur Realität des Klimawandels
EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra widersprach Trumps Ansichten. Er betonte, dass der Klimawandel enorme wirtschaftliche Auswirkungen habe und gleichzeitig klare Chancen in Batterien, Solarenergie und auch der Kernenergie biete. Hoekstra räumte ein, dass es "Taschen" gebe, die skeptischer seien als zuvor, doch die "harte Realität" sei, dass die Physik der Materie und der Planet sich nicht darum scherten, ob darüber gesprochen werde oder nicht. Das Einzige, was zähle, sei, wie viel CO2 in die Luft gepumpt werde und welche wirtschaftlichen Schäden dies verursache.