
Davos: Private Jet-Ansturm der Elite trotz Klimafokus – Greenpeace kritisiert Luxusflüge
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Hunderte Privatjets aus Dutzenden Ländern sind am Montag in der Nähe von Davos gelandet, um die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums (WEF) zur jährlichen Tagung in die Alpenstadt zu bringen. Gleichzeitig berichtet die Umweltorganisation Greenpeace von einem deutlichen Anstieg dieser Flüge, was die Debatte über den Klimafußabdruck der globalen Elite neu entfacht.
Ankunft der Eliten in Davos
Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos strömten die Reichen und Mächtigen in die Schweizer Alpen. Business Insider verfolgte mithilfe von Daten von ADS-B Exchange und JetSpy mindestens 157 Privatjets, die am Montag in der Nähe der Stadt landeten. Mehr als die Hälfte dieser Flüge steuerte den Flughafen Zürich an, während 45 weitere in Friedrichshafen, einer deutschen Stadt am Bodensee, landeten. Die restlichen Jets verteilten sich auf kleinere Flughäfen in der Schweiz. Für die gesamte Woche werden noch Dutzende weitere Ankünfte erwartet.
Flugdaten und prominente Gäste
Unter den verfolgten Flugzeugen befanden sich laut JetSpy die Privatjets von Salesforce-CEO Marc Benioff und dem ehemaligen Google-CEO Eric Schmidt. Auch zahlreiche Unternehmen wie Aramco, BlackRock, Blackstone, Citigroup, Google, HP, JPMorgan Chase, Lockheed Martin und der quantitative Hedgefonds Two Sigma nutzten ihre eigenen Jets für die Anreise. Am Dienstag wurden zudem die Ankünfte von Bill Gates, Michael Dell und US-Handelsminister Howard Lutnick registriert.
Der beliebteste Privatjet war der Gulfstream G650, der 31 der von Business Insider verfolgten Flüge ausmachte. Auch der neueste Privatjet der Welt, der G800, wurde am Montag dreimal gesichtet, obwohl Gulfstream das erste Modell erst im August ausgeliefert hatte.
Die Kosten des Luxus: Gulfstream Jets
Ein Gulfstream G650 kostet typischerweise über 65 Millionen US-Dollar. Er bietet Platz für bis zu 19 Personen und kann mit einem Doppelbett und einer Dusche ausgestattet werden. Die längste aufgezeichnete Reise war ein 7.600 Meilen langer Flug eines Gulfstream G700, der Benioff gehören soll. Dieser Jet flog 14,5 Stunden von Hawaii nach Davos, während ein kommerzieller Flug mit zwei Zwischenstopps über 24 Stunden gedauert hätte. Weitere lange Reisen kamen aus Kuala Lumpur, Mumbai und Uruguay.
Die Privatjets flogen aus Dutzenden verschiedener Länder ein, darunter Sierra Leone und Montenegro. London war mit 19 Flügen von vier Flughäfen der beliebteste Abflugort, wobei viele dieser Flugzeuge auf dem Weg nach Davos nur kurz Zwischenstopps einlegten. Zehn Privatjets starteten im Raum New York, sieben aus den Metropolregionen der Bay Area und sechs aus Dubai.
Kritik von Greenpeace: Steigende Emissionen
Die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert den starken Anstieg der Privatflüge zum WEF in Davos. Laut einer Analyse von Greenpeace stieg die Zahl der registrierten Privatflüge an den umliegenden Flughäfen im Vergleich zu 2024 und 2025 um 10 Prozent. In der WEF-Woche 2025 wurden 709 zusätzliche Privatflüge über dem normalen Niveau registriert, verglichen mit 628 im Jahr 2024 und 227 im Jahr 2023. Dies entspricht fast einem Privatjet-Flug pro vier WEF-Teilnehmern.
Greenpeace-Sprecherin Lena Donat äußerte scharfe Kritik: „Das Weltwirtschaftsforum will Antworten auf globale Probleme finden, aber die Reichen und Mächtigen heizen die Klimakrise mit ihren Luxusemissionen und damit die größte Bedrohung für unsere Zukunft an.“ Herwig Schuster von Greenpeace Österreich bezeichnete die Situation als „reine Heuchelei“, da die Elite globale Herausforderungen diskutiere, während sie „buchstäblich den Planeten mit den Emissionen ihrer Privatjets verbrenne“.
Greenpeace zufolge verursachen Privatflüge pro Passagier etwa zehnmal so viele Treibhausgasemissionen wie ein Linienflug und rund fünfzigmal so viele wie eine Zugreise.
Kurze Strecken, große Auswirkungen
Der Anstieg der Flüge ist laut Greenpeace nicht auf eine höhere Teilnehmerzahl zurückzuführen, sondern auf wiederholte An- und Abflüge, die die Region zu einem „Privatjet-Shuttle-Hub“ für die WEF-Teilnehmer machten. Die meisten Privatflüge zum Weltwirtschaftsforum starteten aus Frankreich (20 %), gefolgt vom Vereinigten Königreich (13 %) und Deutschland (12 %).
Die Flüge finden größtenteils innerhalb Europas statt, und rund 70 Prozent der Routen könnten auch innerhalb eines Tages mit dem Zug oder mit einem Nachtzug und Anschlusszug zurückgelegt werden. Lena Donat kritisiert, dass „viele Superreiche scheinbar völlig gleichgültig gegenüber der Tatsache sind, dass ihr Lebensstil eine Spur ökologischer Zerstörung hinterlässt.“
Forderungen nach Regulierung und Besteuerung
Angesichts dieser Entwicklungen fordert Greenpeace ein sofortiges Verbot extrem klimaschädlicher Privatflüge, falls klimafreundliche Alternativen ignoriert werden. Die Organisation ruft Regierungen dazu auf, umweltschädliche Luxusflüge einzudämmen und die Superreichen für die von ihnen verursachten Schäden zu besteuern.
Greenpeace unterstützt die Verhandlungen der UN-Steuerkonvention (UNFCITC) über neue globale Steuerregeln bis 2027 und drängt auf die Einführung einer Abgabe auf Luxusflüge, einschließlich Privatjets sowie First- und Business-Class-Flüge. Die Zeit zum Handeln sei jetzt gekommen.