Davos: Privatjet-Ansturm trifft auf Geopolitik und Klimasorgen

Davos: Privatjet-Ansturm trifft auf Geopolitik und Klimasorgen

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Während sich die Weltelite zum jährlichen Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos versammelt, steht die Anreise vieler Teilnehmer im Fokus der Öffentlichkeit. Zahlreiche Wirtschaftsführer und Staatschefs nutzen Privatjets, was angesichts der globalen Herausforderungen, die auf der Agenda stehen, für Diskussionen sorgt.

Die Anreise der globalen Elite

Die ruhige Schweizer Skistadt Davos wird zum Treffpunkt mächtiger Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Zu den erwarteten Teilnehmern zählen Bill Gates, Jensen Huang von Nvidia, Microsoft CEO Satya Nadella und JPMorgan Chase CEO Jamie Dimon. Auch Staatschefs wie der französische Präsident Emmanuel Macron, Argentiniens Javier Milei und Donald Trump werden erwartet. Es wird als unwahrscheinlich angesehen, dass diese Persönlichkeiten kommerzielle Flüge nutzen.

Im vergangenen Jahr war der private Flugverkehr in der Region während der WEF-Woche etwa fünfmal so hoch wie üblich, mit über 150 Jets, die auf regionalen Flughäfen landeten. Daten von JetSpy zeigen, dass unter den ankommenden Jets auch Unternehmensflugzeuge von Google, BlackRock und IBM waren. Beliebte Modelle sind die Gulfstream G650 und die Bombardier Global 7500, die als "Ferrari der Lüfte" bezeichnet wird.

Steigende Zahl der Privatflüge: Eine Greenpeace-Analyse

Eine Analyse von Greenpeace CEE, "Davos in the Sky", die im Vorfeld des WEF veröffentlicht wurde, zeigt einen deutlichen Anstieg des Privatjet-Verkehrs. Die Organisation identifizierte während der Woche des Weltwirtschaftsforums 2025 709 zusätzliche Privatjet-Flüge an Flughäfen in der Nähe von Davos. Dies entspricht etwa einem Privatjet-Flug pro vier WEF-Teilnehmer.

Diese Zahl stellt einen Anstieg von 10 % gegenüber den 628 Flügen im Jahr 2024 dar und ist eine Verdreifachung im Vergleich zu den 227 Flügen im Jahr 2023. Greenpeace CEE merkt an, dass der Anstieg nicht durch eine höhere Teilnehmerzahl, sondern durch wiederholte An- und Abflüge bedingt war, wodurch die Region zu einem "Privatjet-Shuttle-Hub" wurde.

Kritik an den "Luxusemissionen"

Greenpeace kritisiert die Nutzung von Privatjets scharf. Herwig Schuster, europäischer Kampagnenleiter bei Greenpeace Österreich, bezeichnete es als "reine Heuchelei", dass die Elite globale Herausforderungen diskutiere, während sie mit den Emissionen ihrer Privatjets den Planeten "buchstäblich verbrenne". Lena Donat, Sprecherin von Greenpeace, forderte ein sofortiges Verbot extrem klimaschädlicher Privatflüge, wenn klimafreundliche Alternativen ignoriert werden.

Laut Greenpeace verursachen Privatflüge pro Passagier etwa zehnmal so viele Treibhausgasemissionen wie ein Linienflug und rund fünfzigmal so viele wie eine Zugreise. Die Analyse ergab, dass rund 70 % der Privatjet-Routen innerhalb eines Tages mit dem Zug hätten zurückgelegt werden können. Greenpeace unterstützt die Verhandlungen über neue globale Steuerregeln und fordert eine Abgabe auf Luxusflüge.

Logistik der Anreise: Flughäfen im Fokus

Die meisten Privatjets und Regierungsflugzeuge landen am Flughafen Zürich, der etwa zwei Autostunden von Davos entfernt ist. Für die wohlhabendsten Teilnehmer steht der Helikoptertransfer zur Verfügung. Der Flughafen Zürich rechnet mit zusätzlich 1.000 Starts und Landungen während der Konferenz und verlängert seine Öffnungszeiten über die übliche Sperrstunde von 23:30 Uhr hinaus.

Der Engadin Airport, der dem Forum am nächsten liegt und der höchstgelegene Flughafen Europas ist, wird hingegen selten von WEF-Teilnehmern genutzt. Christian Gorfer, CFO des Flughafens, erklärte, dass die WEF-Woche für sie eine der ruhigsten Wochen der Wintersaison sei, da Flüge aufgrund von Luftraumbeschränkungen eine Genehmigung der Schweizer Luftwaffe erfordern. Einige Teilnehmer fliegen auch den deutschen Flughafen Friedrichshafen an.

Geopolitische Turbulenzen und verschobene Prioritäten

Das diesjährige WEF steht unter dem Motto "A Spirit of Dialogue", doch die globale Lage ist von "außerordentlichem geopolitischem Tumult" geprägt. Der Krieg in der Ukraine dauert an, und Präsident Wolodymyr Selenskyj reist nach Davos, um weitere Unterstützung zu mobilisieren. Donald Trumps Teilnahme mit der größten US-Delegation, die je beim WEF gesehen wurde, und seine Drohungen mit Strafzöllen gegen Verbündete prägen die Diskussionen.

Eine Umfrage des WEF unter über 1.300 Politikern, Wirtschaftsführern und Akademikern ergab, dass "geoökonomische Konfrontation" das dringendste Risiko für die nächsten zwei Jahre ist, gefolgt von einem "offenen Krieg zwischen Nationen". Umweltprobleme wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und Biodiversitätsverlust sind in der Liste der kurzfristigen Bedenken gesunken.

Klimawandel bleibt langfristige Sorge

Obwohl Umweltfragen kurzfristig an Bedeutung verloren haben, bleiben sie langfristig die größten Sorgen. Für die nächsten zehn Jahre nannten die Befragten extreme Wetterereignisse, Biodiversitätsverlust und kritische Veränderungen der Erdsysteme als Top-Risiken. Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, betonte, dass Prioritäten sich verschieben können, aber miteinander verbunden bleiben.

Saadia Zahidi, Autorin des Berichts, äußerte sich besorgt darüber, dass ein Verlust des Fokus auf Klimawandel und Biodiversitätsverlust kurzfristig dazu führen könnte, dass man in zehn Jahren nicht bereit sei, sich anzupassen und abzumildern. Wissenschaftler haben bekannt gegeben, dass die letzten drei Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren, und der UN-Chef akzeptierte 2025, dass das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens voraussichtlich überschritten wird.

Erwähnte Persönlichkeiten