
Decathlon revolutioniert europäische Logistik mit Exotec-Robotern
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Der Sportartikelriese Decathlon setzt auf umfassende Lagerautomatisierung, um seine europäische Logistik zu revolutionieren. Mit dem "Skyfleet"-Programm und Robotern des Anbieters Exotec steigert das Unternehmen signifikant die Produktivität in sieben europäischen Warenlagern und verbessert gleichzeitig die Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter. Diese Initiative standardisiert die Warenversorgung für Filialen und adressiert den Fachkräftemangel in der Logistikbranche.
Decathlon setzt auf "Skyfleet" für europäische Logistik
Decathlon, der weltweit größte Sportartikelhändler mit über 1.800 Filialen und 101.000 Mitarbeitern, hat am 24. März 2026 auf der LogiMAT Messe die Einführung seines "Skyfleet"-Programms bekannt gegeben. Dieses Programm, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Robotik-Anbieter Exotec, umfasst die Automatisierung von sieben Logistikzentren in fünf europäischen Ländern: Frankreich, Großbritannien, Portugal, Italien und Deutschland. Ziel ist die Standardisierung und Steuerung der Lieferkettenabläufe in ganz Europa.
Die Partnerschaft zwischen Decathlon und Exotec begann bereits 2021 mit der Implementierung des ersten Skypod-Robotersystems im Lager Tilburg. Das nun ausgerollte "Skyfleet"-Programm baut auf dieser Erfahrung auf und zielt darauf ab, die Filialversorgung europaweit zu vereinheitlichen. Jérôme Saillour, Head of Logistics Automation bei Decathlon, betonte, dass Exotec aufgrund seiner Fähigkeit ausgewählt wurde, skalierbare Systeme schnell an mehreren Standorten zu implementieren.
Exotecs Skypods: Intelligente Roboter für maximale Effizienz
Im Kern des "Skyfleet"-Programms stehen die Skypod-Roboter von Exotec. Diese nicht-bipedalen, rechteckigen Roboter bewegen sich auf Rädern und können dreidimensional agieren, indem sie an Exotecs proprietärem Regalsystem bis zu 46 Fuß (ca. 14 Meter) hochklettern. Sie sind in der Lage, Hunderttausende von Artikeln pro Tag aus Lagerbehältern zu bewegen, zu lagern und abzurufen.
Ein typisches "Skyfleet"-System umfasst:
- Eine Flotte von 150 bis 200 Skypod-Robotern
- 100.000 bis 125.000 Lagerplätze
- Eine Kapazität von 3.000 bis 4.000 Auftragspositionen pro Stunde
- Die Verarbeitung von 150.000 bis 200.000 Artikeln pro Tag
- 7 bis 13 Kommissionierstationen
Das System automatisiert den gesamten Warenfluss von der Ankunft bis zum Versand. Es integriert zudem weitere automatisierte Geräte wie automatische Depalettierer und Palettierer, Kartonöffnungsmaschinen und RFID-Tunnel, die Artikel auf einem Förderband scannen. Die Koordination aller Abläufe und Geräte erfolgt über Deepsky, Exotecs proprietäres Warehouse Execution System (WES).
Die Vorteile dieser Technologie sind vielfältig. Romain Moulin, CEO und Mitbegründer von Exotec, hob hervor, dass die Lagerfläche reduziert und die Dichte der gelagerten Artikel erhöht werden kann. Während ein durchschnittliches Lager 194.000 Quadratfuß groß ist, kann Exotecs Plattform die benötigte Fläche auf 65.000 Quadratfuß reduzieren. Im portugiesischen Lager von Decathlon konnte die Anzahl der vorbereiteten Bestellungen von 57.000 auf 114.000 verdoppelt werden. Ein Lager in Frankreich verdoppelte die Anzahl der belieferbaren Filialen von 37 auf 73, im portugiesischen Lager stieg diese Zahl von 41 auf 73.
Transformation der Arbeitswelt in den Warenlagern
Die Einführung der Robotik verändert auch die menschliche Arbeit in den Warenlagern grundlegend. Romain Moulin betonte, dass sich die Arbeitsbedingungen erheblich verbessern. Bei Decathlon in Großbritannien reduzierte sich die tägliche Gehstrecke für Kommissionierer von über 6 Meilen auf unter 1 Meile pro Tag. Dies trägt dazu bei, dass Mitarbeiter nicht mehr täglich 10 Kilometer laufen müssen, wie es in herkömmlichen Lagern oft der Fall ist.
Zudem verzeichnet Decathlon eine Verbesserung der Arbeitssicherheit. Am selben Standort in Großbritannien sanken die arbeitsbedingten Vorfälle im Zusammenhang mit der Kommissionierung von 1 zu 5.000 auf 1 zu 10.000. Die Automatisierung ermöglicht es, Mitarbeiter von körperlich anstrengenden Aufgaben zu entlasten und sie für andere Tätigkeiten einzusetzen. Ein Exotec-Sprecher berichtete, dass an einem Standort die Anzahl der Kommissionierer von 50 auf 12 sank, während die anderen Mitarbeiter auf Aufgaben wie Retouren oder Reparaturen umgeschult wurden.
Diese Umstrukturierung ermöglicht es den Mitarbeitern, ihre Fähigkeiten zu erweitern und neue Aufgaben zu übernehmen, was zur Unternehmensentwicklung beiträgt. Romain Moulin sieht in der Lagerautomatisierung auch eine Antwort auf den anhaltenden Fachkräftemangel. Er sagte: "Alle unsere Kunden – in Europa, in den USA, in Japan – sagen dasselbe: 'Ich finde keine Leute für den Job'."
Skalierbarkeit und strategische Vorteile der Automatisierung
Exotecs System ist auf schnelle und standardisierte Implementierung ausgelegt. Romain Moulin erklärte, dass "alle vier Monate ein neues Lager in Betrieb genommen werden könnte". Die Standardisierung der Prozesse und die Nutzung einer einzigen Software-Codebasis für alle sieben Lager vereinfachen die Bereitstellung und beschleunigen die Hochlaufphasen erheblich.
Die Automatisierung ermöglicht es Unternehmen, die Durchsatzleistung ihrer Einrichtungen zu verdoppeln, während gleichzeitig der Bedarf an Arbeitskräften für repetitive Aufgaben reduziert wird. Romain Moulin betonte, dass es nicht notwendig sei, humanoide Roboter für einfache Aufgaben wie das Schieben von Wagen einzusetzen. Stattdessen werden die einfachsten Roboter mit KI-Technologien kombiniert, um den Lagerbestand effizient zu bewegen.
Decathlon sieht in dieser Partnerschaft einen entscheidenden Schritt zur Transformation der Arbeitsplatzerfahrung in seinen Warenlagern und zur Gestaltung der zukünftigen Logistik des Unternehmens.