
Der große Pivot: Bitcoin-Miner investieren massiv in Künstliche Intelligenz
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In den letzten sechs Monaten hat sich ein signifikanter Kapitalfluss von Bitcoin in den Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) vollzogen. Insbesondere börsennotierte Bitcoin-Mining-Unternehmen veräußern ihre Krypto-Bestände und investieren die Erlöse in KI-Computing-Operationen. Dies wirft die Frage auf, ob KI tatsächlich eine bessere Langzeitinvestition als Bitcoin darstellt.
Der Wandel: Bitcoin-Miner setzen auf KI
Ein bemerkenswerter Trend zeigt, dass börsennotierte Bitcoin-Mining-Unternehmen ihre Krypto-Mining-Operationen zurückfahren. Sie verkaufen ihre Bitcoin-Bestände und nutzen das Kapital für einen strategischen Wechsel in den Bereich des KI-Computings. Dieser Schritt deutet auf eine Neubewertung der Investitionslandschaft hin, bei der Künstliche Intelligenz zunehmend in den Fokus rückt.
Performance-Vergleich: KI überflügelt Bitcoin
Ein Blick auf die Performance der letzten fünf Jahre zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen Bitcoin und führenden KI-Aktien. Die Nvidia-Aktie (NASDAQ: NVDA) verzeichnete einen beeindruckenden Anstieg von 1.266%. Im gleichen Zeitraum legte Bitcoin lediglich um 28% zu.
Auch im Vergleich zu börsennotierten Bitcoin-Mining-Unternehmen, die aggressiv in KI investieren, zeigt sich ein ähnliches Bild:
- TeraWulf stieg in den letzten 12 Monaten um 390%.
- Cipher Digital stieg in den letzten 12 Monaten um 365%.
Wirtschaftliche Gründe für den Strategiewechsel
Die Abkehr vom Bitcoin-Mining ist primär wirtschaftlich begründet. Der geschätzte Kostenpunkt für das Schürfen eines einzelnen Bitcoins liegt derzeit bei rund 87.000 US-Dollar. Angesichts eines Spotpreises von etwa 70.000 US-Dollar ist das Mining unter diesen Bedingungen für viele nicht mehr rentabel. Bitcoin notiert aktuell fast auf dem gleichen Niveau wie im November 2021, als er ein damaliges Allzeithoch von 69.000 US-Dollar erreichte.
Kent Halliburton, Mitbegründer und CEO von Sazmining, erklärte, dass der Durchschnittspreis von 87.000 US-Dollar pro Bitcoin viele Unternehmen unrentabel mache. Er merkte jedoch an, dass private Miner mit Zugang zu günstigeren Energiequellen, wie an Standorten in Paraguay und Äthiopien, Bitcoin zu Kosten von 50.000 bis 64.000 US-Dollar produzieren können, was eine Rentabilität von 10 bis 30 Prozent unter dem Spotpreis ermöglicht.
Bitcoin-Miner als KI-Infrastrukturanbieter
Mehrere Bitcoin-Mining-Unternehmen vollziehen einen strategischen Wandel hin zur KI-Infrastruktur und zum Hochleistungsrechnen (HPC):
- Cipher Digital hat sich vollständig neu ausgerichtet und von Bitcoin-Mining auf ein KI- und HPC-Datenzentrumsmodell umgestellt. Das Unternehmen plant, seine Black Pearl Mining-Operation und Bitcoin-Bestände bis 2026 zu veräußern und hat langfristige 300-MW-Campus-Mietverträge mit Amazon Web Services und Google abgeschlossen. Cipher Digital erwartet bis 2028 einen Umsatz von 696,2 Millionen US-Dollar und einen Gewinn von 91,1 Millionen US-Dollar.
- Core Scientific plant, den Großteil seiner Bitcoin-Bestände in diesem Jahr zu verkaufen, um seine KI- und HPC-Operationen auszubauen. Die Aktie des Unternehmens stieg im letzten Jahr um 90%.
- Riot Platforms strebt an, bis 2025 fast 2 Gigawatt Leistungskapazität für Hochleistungs-Datenzentren bereitzustellen. Die Aktie von Riot stieg im letzten Jahr um 91%.
- Bitfarms Ltd, ein weiterer großer Miner, hat ebenfalls einen vollständigen Pivot zu KI vollzogen. Der CEO, Ben Gagnon, erklärte sogar: "Wir sind kein Bitcoin-Unternehmen mehr."
Matthew Sigel, Head of Digital Assets Research bei VanEck, betont, dass Mining-Aktien im Vergleich zu anderen Rechenzentrums-Peers derzeit unterbewertet sind, obwohl sie strategisch auf den KI-Markt ausgerichtet sind. Der VanEck NODE ETF, der im Mai letzten Jahres aufgelegt wurde, hat über 30% zugelegt und verwaltet nun Nettovermögen von 56 Millionen US-Dollar.
Bitcoin und die Zukunft der KI
Die Welten von Bitcoin und Künstlicher Intelligenz müssen jedoch nicht zwangsläufig getrennt sein. Cathie Wood von Ark Invest schlug bereits vor zwei Jahren ein Szenario vor, in dem KI-Agenten Bitcoin für Online-Mikrozahlungen nutzen könnten. Man müsste diesen KI-Agenten lediglich eine Blockchain-Wallet geben, sie mit Bitcoin füllen und ihnen Anweisungen erteilen.
Würden Millionen von KI-Agenten Bitcoin für solche Mikro-Zahlungen verwenden, könnte Bitcoin potenziell wertvoller werden als jedes KI-Unternehmen weltweit. Bitcoin würde dann mehr als nur eine digitale Währung sein – es würde zu einem KI-gestützten Blockchain-Ökosystem. Wenn Nvidia 4 Billionen US-Dollar wert ist, könnte Bitcoin dann ebenfalls 4 Billionen US-Dollar wert sein?
Risikobereitschaft und breite Markt-ETFs
In den letzten Monaten haben Investoren risikoreichere Anlagen wie Kryptowährungen zugunsten sichererer Optionen reduziert. Die Sorge vor neuen Zöllen und die Unsicherheit über die Auswirkungen von KI auf etablierte Unternehmen tragen zu dieser Entwicklung bei. Der Vanguard S&P 500 ETF (VOO) wird als eine attraktive Alternative zu Bitcoin genannt. Während Bitcoin im letzten Jahr um etwa 23% gefallen ist, stieg der Vanguard S&P 500 ETF um über 16%. Seit seiner Auflegung im Jahr 2010 erzielte der Fonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von 14,8%.
Bitcoin: Eine langfristige Perspektive
Trotz der jüngsten Rückgänge und der Skepsis gegenüber risikoreichen Anlagen hat Bitcoin in der Vergangenheit bereits mehrere signifikante Einbrüche überstanden und sich danach wieder erholt. Die Einführung von rund einem Dutzend Bitcoin-ETFs in den letzten zwei Jahren hat zudem die Glaubwürdigkeit und Zugänglichkeit von Bitcoin erhöht. Geopolitische Instabilität und die Sorge vor einer KI-Blase haben jedoch dazu geführt, dass viele Anleger stabilere Investitionen bevorzugen.
Einige Experten raten dazu, bestehende Bitcoin-Positionen zu halten oder sogar aufzubauen, da sich die Kryptowährung in der Vergangenheit als widerstandsfähig erwiesen hat. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich dieser Trend fortsetzt.