
Designwert: Warum Beschaffung oft den langfristigen Nutzen unterschätzt
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Hinter jedem sorgfältig gestalteten Hotel oder Restaurant steckt eine enge Zusammenarbeit zwischen Designern und Herstellern. Doch in der Realität streben Unternehmen oft danach, mit weniger mehr zu erreichen, wobei die Visionen der Designer nicht immer vollständig umgesetzt werden. Stattdessen übernehmen oft Zwischenhändler die Beschaffung und die Überwachung der finanziellen Kosten der Designumsetzung.
Design und Beschaffung: Eine komplexe Beziehung
Der Prozess ist laut Tina Norden, Partnerin und Principal bei der Designfirma Conran and Partners, oft nicht so linear, wie Designer es sich wünschen würden. Sie erklärte auf dem Fortune Brainstorm Design Forum in Macau am 2. Dezember, dass Designer manchmal sogar "leicht ausgeklammert" werden, was zu Ergebnissen führt, die nicht den ursprünglichen Erwartungen entsprechen. Daisuke Hironaka, CEO des Möbelunternehmens Stellar Works aus Shanghai, ergänzte, dass für ein qualitativ besseres Produkt eine intensive Kommunikation unerlässlich sei.
Oft sind die für die Beschaffung zuständigen Personen "Geldmenschen", die den Wert guten Designs möglicherweise nicht schätzen. Sie opfern Designqualität zugunsten von Kostensenkungen. Norden argumentiert, dass mehr Aufklärung über den geschäftlichen Wert von Qualitätsdesign notwendig ist.
Langfristiger Wert statt kurzfristiger Kosten
Beim Bau oder der Ausstattung eines Objekts gibt es sowohl Kapitalinvestitionen als auch Lebenszykluskosten. Tina Norden betont, dass eine höhere Investition in qualitativ hochwertige Möbel, Bodenbeläge oder andere Elemente sich langfristig auszahlt. Solche Produkte halten voraussichtlich länger und bieten somit einen besseren Wert.
Zudem ist die Investition in gut gestaltete Produkte auch vorteilhafter für die Umwelt, da sie nicht so schnell ersetzt werden müssen. Dies reduziert den Ressourcenverbrauch und die Abfallmenge.
Kosten senken kann teuer werden
Versuche, Kosten zu senken, können sich langfristig als kontraproduktiv erweisen. Daisuke Hironaka warnt, dass Geschäftsinhaber höhere Wartungsrechnungen tragen müssen, wenn Produkte von schlechtem Design und mangelhafter Verarbeitung sind. Solche kurzfristigen Einsparungen können somit zu unerwarteten Folgekosten führen.
Künstliche Intelligenz als Design-Assistent
Obwohl Designer bisher eher zögerlich bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) waren, versuchen einige Branchengrößen wie Daisuke Hironaka, sie in die Arbeitsabläufe ihrer Teams zu integrieren. KI kann den Prozess der Gestaltung maßgeschneiderter Möbel beschleunigen, insbesondere bei Großprojekten wie Hotels.
Während ein Team einen Monat bis 45 Tage benötigen kann, um Zeichnungen für 200 maßgefertigte Möbelstücke zu erstellen, kann KI diesen Prozess erheblich beschleunigen. Hironaka erklärt: "Wir haben in der Vergangenheit viel entworfen, und wenn KI diese Archive nutzen, studieren und bei der Konstruktion helfen kann, ist das für Designer sehr hilfreich."
Die menschliche Note bleibt unverzichtbar
Designer können jedoch beruhigt sein, denn KI wird niemals die menschliche Note ersetzen können, die sie einbringen, so Tina Norden. Sie ist überzeugt, dass das Verständnis dafür, wie Menschen Räume nutzen, genießen und wahrnehmen, immer eine menschliche Domäne bleiben wird.
KI sollte stattdessen als Werkzeug betrachtet werden, das Designer dabei unterstützt, schneller ans Ziel zu gelangen. Kreative können KI für zeitaufwendige Aufgaben nutzen, die keine "ultimative Kreativität" erfordern, wie etwa die Recherche oder die dreidimensionale Darstellung von Entwürfen. Norden merkt an, dass Designer dazu neigen, Dinge lange zu überdenken, um sie perfekt zu machen, und KI hierbei helfen kann, Prozesse zu beschleunigen.